Grosse Ostschweizer Festivals erteilen vorerst noch keine Absage – doch wie steht es um die kleineren Open Airs der Region?

Die Veranstalter in St.Gallen und Frauenfeld haben ihre Open Airs bisher nicht abgesagt. Bei den kleineren Festivals in der Ostschweiz sieht die Situation etwas anders aus: Die einen haben bereits die Notbremse gezogen, andere wiederum hoffen noch auf eine Durchführung.

Ines Biedenkapp und Natascha Arsic
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Die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe des Appenzeller Clanx Festivals sind im Gange.

Die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe des Appenzeller Clanx Festivals sind im Gange.

Bild: Yann Lengacher (25. August 2019)

Der Bundesrat hat letzte Woche für gewisse Bereiche des öffentlichen Lebens eine Lockerung verkündet. Wie es aber mit Grossveranstaltungen und der Festivalsaison weitergeht, bleibt nach wie vor offen. Das stellt nicht nur die Veranstalter von grossen Festivals wie das Open Air St.Gallen und Frauenfeld vor Herausforderungen, sondern auch diejenigen von kleineren Open Airs.

Appenzeller Clanx Festival

OK-Präsident Remo Hollenstein war einer der Mitgründer des Clanx Festivals.

OK-Präsident Remo Hollenstein war einer der Mitgründer des Clanx Festivals.

Bild: Natascha Arsic

(nat) Letztes Jahr waren alle Tickets im Online-Vorverkauf innert zwei Stunden weg. Dieses Jahr wird es einen Vorverkauf womöglich gar nicht geben. «Auch wir spüren die Auswirkungen der Coronakrise», sagt OK-Präsident Remo Hollenstein. Die Vorbereitungen würden derzeit zwar laufen, doch nicht alles ist wie früher: «Wir veranstalten normalerweise anfangs Mai eine Party in der Grabenhalle, bei der wir das Line-Up bekannt geben. Diese musste nun abgesagt werden.» Am 9. Mai hätte ausserdem eine Aktion stattfinden sollen, bei der über hundert Fahrzeuge mit dem Clanx-Logo versehen worden wären.

Zudem sei beim Booking der Künstler eine Verunsicherung spürbar. Internationale Bands wüssten nicht, ob sie überhaupt auf eine Europa-Tour gehen könnten. Hollenstein sagt:

«Dadurch, dass unser Festival erst Ende August stattfindet, haben wir aber noch etwas Zeit.»

Zudem profitieren die Veranstalter davon, dass das Clanx ein Non-Profit-Festival ist. Weder Helfer noch Mitglieder des Organisationskomitees erhalten einen Lohn und organisieren alles in ihrer Freizeit.

Die Organisatoren hätten schon verschiedene Szenarien durchgespielt. Bei einem Veranstaltungsverbot würden sie die geleistete Vorarbeit für nächstes Jahr nutzen. Falls der Bundesrat für Grossveranstaltungen aber beispielsweise erneut eine maximale Besucherzahl festlegt, wäre es laut Hollenstein denkbar, das Festival zu verkleinern. Das Clanx empfängt jeweils 1200 Besucher. «Zurzeit verfolgen wir aber unseren Zeitplan wie gehabt und denken positiv», sagt der OK-Präsident.

St.Galler Weihern-Open-Air-Festival

Mitorganisatorin des Weihern-Fesitvals Melanie Schweizer.

Mitorganisatorin des Weihern-Fesitvals Melanie Schweizer.

Bild: Beat Belser

(nat) Das Weihern-Open-Air-Festival findet jeweils im September statt. Doch die Veranstalter ziehen bereits jetzt sicherheitshalber die Notbremse. «Nach langen Gesprächen haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, das Weihern Open Air in diesem Jahr auszusetzen», heisst es auf der Website. Durch die Coronakrise gestalte sich die Planung personell wie auch finanziell sehr schwierig, sagt Mitorganisatorin Melanie Schweizer auf Anfrage.

«Die Situation hat dazu geführt, dass viele keine genauen Angaben für den September machen konnten», so Schweizer. Hinzu komme die Ungewissheit, ob andere Festivals ihre Durchführung auf den Herbst verschieben.

«Wir sind ein kleines Festival mit einem kleinen Polster. Es wäre schade gewesen, jetzt alles zu planen und dann bei einem Veranstaltungsverbot wieder abzusagen.»

Wegen all dieser Unsicherheiten habe sich der Verein «Weihern Openair Festival» gegen die diesjährige Durchführung ausgesprochen. «Wir hoffen sehr auf nächstes Jahr. Definitiv entschieden wird aber erst im Herbst», sagt Schweizer.

Strandfestwochen Rorschach

Festivalleiter Dario Aemisegger.

Festivalleiter Dario Aemisegger.

Bild: PD

(nat) «Zusammen stark» lautet das diesjährige Motto des Rorschacher Sommerfestivals. «Wir gehen davon aus, dass die Strandfestwochen stattfinden werden», sagt Festivalleiter Dario Aemisegger. Die Vorbereitungen würden wie gewohnt laufen. Die Veranstalter rechnen aber auch mit der Möglichkeit, dass der eine oder andere Anlass nicht durchgeführt werden kann. «Beim Craft Beer & Burger Festival haben wir jeweils 3000 bis 4000 Besucher. Das könnte womöglich ins Wasser fallen.» Doch bei den restlichen Aktivitäten wie beispielweise Yoga oder Stand Up Paddling sei Social Distancing kein Problem.

«Auf der Hafenbühne treten jeweils Bands aus der Region auf. Bei der Organisation haben wir es also etwas leichter als Festivals mit internationalen Acts», sagt Aemisegger. Um die Gastrobranche, die stark von der Coronakrise betroffen ist, zu unterstützen, verzichten die Organisatoren dieses Jahr auf Standmieten.

«Die uns die wegfallenden Einnahmen sind natürlich spürbar – aber nicht existenzbedrohend.»

Aemisegger geht davon aus, dass ein schönes Beisammensein diesen Sommer gewünscht wird. «Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, den Leuten wenn möglich eine Freude zu machen.»

Szene Openair Lustenau

Auch das Szene Openair Lustenau wird dieses Jahr nicht stattfinden und dafür auf 2021 verlegt

Auch das Szene Openair Lustenau wird dieses Jahr nicht stattfinden und dafür auf 2021 verlegt

Bild: Fabienne Engbers

(ibi) Seit Freitag steht fest: Das 31. Szene Openair in Lustenau findet dieses Jahr nicht statt. «Uns ist der Entscheid abgenommen worden», sagt Hannes Hagen vom OK. Denn vergangenen Freitag gab die Österreichische Regierung bekannt, dass Grossveranstaltungen bis und mit dem 31. August untersagt sind. Das trifft auch für das Openair in Lustenau zu. Es hätte vom 30. Juli bis 1. August stattfinden sollen. Die Veranstalter des Szene Openairs gehen gefasst mit dem Entscheid um. Denn auch für sie hat die Gesundheit klar Vorrang. Hagen sagt:

«Wir schauen gerade, welche Headliner von diesem auch im nächstem Jahr spielen wollen.»

Das sei man gerade am Verhandeln: «Das ist jetzt das Spannende.» Das Ticket von diesem Jahr behält die Gültigkeit auch im nächsten Jahr. Man erarbeitet derzeit einen Plan, wie nun mit den Rückerstattungen verfahren werden soll. «Wir hoffen aber, dass viele Tickets beibehalten werden», sagt Hagen. Weitere Informationen sollen ab nächster Woche auf der Website folgen, etwa auch, wann das Festival nächstes Jahr stattfinden soll.

Rock am Weier

(ibi) Vom 12. bis 13. Juni hätte sich das Areal beim Wiler Weier zum Festival verwandeln sollen. Doch dieses Jahr wird daraus nichts. Bereits Anfang April haben die Veranstalter von Rock am Weier bekannt gegeben, dass das Festival aufgrund der anhaltenden Massnahmen rund um das Coronavirus nicht stattfinden wird. Dabei hätte es ein Jubiläum sein sollen. Pressesprecher Marc Bislin sagt:

«Es wäre das 20. Festival geworden.»

Doch das finanzielle und auch gesundheitliche Risiko sei einfach zu gross gewesen. Die Rückmeldungen seien enorm, ob durch Social Media oder auch durch Freunde und Bekannte. «Sehr viele zeigen Verständnis für unseren Entscheid», sagt Bislin. Das würde auch die Motivation nur noch steigern, nun das Festival für nächstes Jahr zu planen. Das Jubiläum wird auf nächstes Jahr verschoben: «Da freuen wir uns ganz besonders drauf», sagt Bislin. Da sie nun ein Jahr länger Zeit für die Organisation haben, wollen sie etwas Spezielles machen. «Verraten werden wir aber nichts», sagt Bislin.

Summerdays Arbon

(ibi) Die Veranstalter des Summerdays-Festivals verweisen auf die offizielle Mitteilung. Darin steht: «Stand heute gehen wir davon aus, dass das Summerdays am 28. und 29. August 2020 stattfinden wird.» Derzeit bestehe aufgrund der aktuellen Weisungen des Bundesrates aber noch eine grosse Unsicherheit. Sollte sich der Bundesrat tatsächlich für ein Veranstaltungsverbot für Grossveranstaltungen im Sommer aussprechen, gelte folgendes: «Im Falle, dass das Summerdays 2020 aufgrund von Covid-19 nicht wie geplant stattfinden kann, wird es ins nächste Jahr verschoben (27.– 28. August 2021).»

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