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Grösste Notfallübung der Ostschweiz: Katastrophe nach Drehbuch

Beim Landeanflug auf den Flughafen Altenrhein bricht bei einem Flugzeug das Fahrwerk ein. Die Bruchlandung war das Szenario, welches am Montagabend bei der grössten Notfallübung der Ostschweiz durchgespielt wurde.
Sandro Büchler
Erste Einsatzkräfte treffen am Schauplatz der Übung auf dem Flughafen Altenrhein ein. © Urs Bucher/TAGBLATT

Erste Einsatzkräfte treffen am Schauplatz der Übung auf dem Flughafen Altenrhein ein. © Urs Bucher/TAGBLATT

Schwarzer Rauch steigt über dem Flughafen Altenrhein auf. Es ist 18.58 Uhr, als der Flieger aus Wien aufsetzt. Dabei bricht das linke Fahrwerk ein, die Maschine schlittert unkontrolliert über die Rollbahn. Brennende Trümmer sind überall verstreut, Dutzende Passagiere werden verletzt, gar mit Toten ist zu rechnen.

Es ist ein unheimliches Bild, welches sich am Montagabend auf dem Flugfeld bietet, doch alles ist Teil einer Übung. Wenige Augenblicke nach der Bruchlandung treffen Rettungskräfte ein, die Feuerwehr kämpft mit den Flammen und die Polizei hat alle Hände voll zu tun.

Schaulustige drängen sich am Zaun rund um das Flughafengelände, der Verkehr kommt zum Erliegen und in der Ankunftshalle, wo Angehörige der Passagiere warten, spielen sich tumultartige Szenen ab.

Denn im Flugzeug befanden sich viele Jugendliche, die von den Berufsweltmeisterschaften zurückgekehrt sind. Darunter auch ein frischgebackener Weltmeister.

Erschreckend real wirkt das Szenario. Doch die rund 50 «Verletzten» sind geschminkte Statisten, Todesopfer werden durch Puppen symbolisiert. Die Übung folgt einem Drehbuch, das Hollywood um nichts nachsteht.

Psychologische Hilfe für Verletzte und Angehörige

Was im Übungs-Drehbuch «Kormoran» steht, weiss Bruno Künzler nicht. Als Gesamteinsatzleiter versucht er, Ordnung in das Chaos zu bringen. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Er ist unter Druck, denn nach einer Stunde ist das Ausmass des Unfalls noch immer nicht abzuschätzen.

Gesamteinsatzleiter Bruno Künzler versucht Ordnung in das Chaos zu bringen. Er gibt Anweisungen an Sanität, Polizei, Feuerwehr und weitere Involvierte. © Urs Bucher/TAGBLATT

Gesamteinsatzleiter Bruno Künzler versucht Ordnung in das Chaos zu bringen. Er gibt Anweisungen an Sanität, Polizei, Feuerwehr und weitere Involvierte. © Urs Bucher/TAGBLATT

Rund um das Wrack des Flugzeugs herrscht wegen des auslaufenden Kerosins Explosionsgefahr. Deshalb bietet Künzler Spezialfahrzeuge der Feuerwehr in Wil an. Es ist dunkel geworden, grelle Scheinwerfer leuchten die Umgebung rund um das verunglückte Flugzeug aus. In einer Lagebesprechung berichtet Günter Bildstein, Leiter der Sanität:

«Wir gehen von 25 bis 30 Verletzten aus, fünf davon sind schwer verletzt.»

Diese Handvoll muss umgehend in ein Spital, deshalb bietet Künzler weitere Rettungskräfte aus der ganzen Ostschweiz auf, dazu die Rega. Die umliegenden Spitäler haben bereits ihre Kapazitäten gemeldet. Zur Not werden Patienten bis nach Winterthur oder Zürich gebracht.

Auf dem Rollfeld wurde ein Zelt aufgebaut, wo nach dem Abtransport der Schwerverletzten nun die Leichtverletzten betreut werden. Vor allem die Psychologische Erste Hilfe ist gefordert. Nicht nur die Verwundeten, auch die Angehörigen in der Ankunftshalle müssen betreut werden. Diese versuchen verzweifelt an Informationen zu gelangen, ein Vater versucht gar auf das Flugfeld zu rennen. Noch werden 14 Personen vermisst. Der Feuerwehrkommandant berichtet von geschockten Insassen, die auf dem Rollfeld umherirrten. Künzler fordert Passagierlisten an.

Katastrophenübung Flughafen Altenrhein: Feuerwehr, Sanität, Polizei auf dem Flugplatz nachdem eine People Maschine ein Triebwerk beim Landeanflug verloren hatte © Urs Bucher/TAGBLATT
(Bild: Urs Bucher)
Die Zaungäste: In der Mitte Regierungsrat Fredy Fässler. (Bild: Urs Bucher)
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Katastrophenübung auf dem Flugplatz Altenrhein

Jetzt wird klar, dass drei Personen bei der Bruchlandung getötet wurden. Künzler fordert die Staatsanwaltschaft an. Auch die Stelle für Flugunfalluntersuchungen wird aufgeboten, das Bundesamt für Zivilluftfahrt involviert. Ein Ziel der Übung ist es, zu testen, wie diese Vielzahl von Organisationen im Krisenfall zusammenarbeitet.

Wem gehört der Schuh?

Unterdessen sind Kriminaltechniker eingetroffen. Auf der ganzen Landepiste liegen Gepäckstücke herum: Koffer, Handtaschen, ein Schuh. Was sagen die Trümmer über die Unfallursache aus? Die Techniker sichern erste Spuren. Über den Köpfen der Rettungskräfte surrt eine Drohne. Die Feuerwehr benutzt diese als neues Instrument, um sich von oben einen besseren Überblick auf den Schadenplatz zu verschaffen.

Vor Ort tummeln sich nun auch Dutzende Journalisten, ebenfalls Statisten. Wie rasch kann ihnen die Polizei gesicherte Angaben machen? Wie gehen die Polizisten mit aufdringlichen Fotografen um? Diese Fragen soll die Übung klären.

Denn die Reporter lechzen am Eingangstor zum Flugplatzareal nach Informationen: Wie viele wurden verletzt, wer sind die Toten, wieso kam es zum Unglück?

In einer Pressekonferenz werden erste Erkenntnisse zur fiktiven Katastrophe bekannt gegeben.

Punkt 23 Uhr ist der Spuk vorbei. Die Übung wird für beendet erklärt. Während die Einsatzkräfte durchatmen, zieht der Übungsleiter ein erstes – positives – Fazit.

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