Grippe oder doch Corona? St.Galler Chefarzt Immunologie Pietro Vernazza meint: «Dass es eine gewisse Dunkelziffer gibt, ist sicher»

Experten sagen: Einfache Grippefälle sollen zu Hause bleiben, statt sich vorschnell auf das Corona-Virus zu testen. Häufig bringe bereits ein Anruf beim Hausarzt oder bei der Hotline des Bundesamtes für Gesundheit Entwarnung.

Noemi Heule
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Wer milde Grippesymptome zeigt, muss noch keinen Arzt aufsuchen.

Wer milde Grippesymptome zeigt, muss noch keinen Arzt aufsuchen. 

Bild: Getty

In Zürich stieg die Zahl der bestätigten Corona-Patienten am Montag sprunghaft auf neun, in Graubünden sind es mittlerweile sechs. Dazwischen aber, auf Ostschweizer Boden, gibt es noch immer keinen einzigen Fall. Wirklich nicht? Sind doch hustende Kehlen und laufende Nasen allerorts anzutreffen. Bleibt das Corona-Virus in der Grippesaison einfach im Dunkeln und klingt unter dem Deckmantel der gängigen Grippe unerkannt wieder ab, ohne je in der Statistik aufzutauchen?

Hygienemassnahmen statt Tests

Pietro Vernazza, Chefarzt Immunologie und Spitalhygiene Kantonsspital St.Gallen.

Pietro Vernazza, Chefarzt Immunologie und Spitalhygiene Kantonsspital St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

93 Personen wurden in St.Gallen negativ auf das Corona-Virus getestet. Auch Patienten mit schweren Atemwegsinfekten wurden untersucht, selbst wenn sie keinen Kontakt zu infizierten Personen hatten. Die Kantonsärztinnen aus St.Gallen, Thurgau und Appenzell gehen deshalb nicht von einer hohen Dunkelziffer aus. Pietro Vernazza, Chefarzt Immunologie und Spitalhygiene am Kantonsspital St.Gallen, ergänzt: «Sicher gibt es eine gewisse Dunkelziffer. Im Moment ist es aber nicht so wichtig, wie viele Fälle es genau sind.» Wichtig sei, dass die Bevölkerung mit einfachen Hygieneregeln mithelfe, die Krankheit zu bremsen. 

«Dazu brauchen wir keine Tests. Jeder, der Fieber hat, bleibt zu Hause. Tests bringen dem Einzelnen nichts.»
Franziska Kluschke, Kantonsärztin Appenzell Ausserrhoden.

Franziska Kluschke, Kantonsärztin Appenzell Ausserrhoden.

Bild: PD

Franziska Kluschke, Ausserrhoder Kantonsärztin, ist vorsichtiger: Es sei wichtig, dass jeder Verdachtsfall genau abgeklärt werde. 

«Würden vermehrt Fälle nicht erkannt, könnte dies zu ausgedehnten Übertragungsketten führen, deren Eindämmung schwierig wäre.»
Danuta Reinholz, Kantonsärztin Kanton St.Gallen.

Danuta Reinholz, Kantonsärztin Kanton St.Gallen.

Bild: PD

Die Bevölkerung sei sehr vorsichtig bis verunsichert. Viele Personen mit Atemwegsinfekten konsultierten einen Arzt, selbst wenn sie die Kriterien für einen Verdachtsfall nicht erfüllten. Häufig bringe deshalb bereits ein Anruf beim Hausarzt oder bei der Hotline des Bundesamtes für Gesundheit Entwarnung. Es sei wichtig, dass Personen mit grippalen Symptomen nur nach telefonischer Anmeldung eine Arztpraxis oder den Notfall aufsuchen, sagt die St.Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz. Um die Spitäler zu entlasten, appelliert Pietro Vernazza ohnehin an die Bevölkerung, nicht wegen Bagatellen einen Arzt aufzusuchen. 

«Das würde unser Gesundheitssystem blockieren.»
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