Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GRIPPE: Impfen gegen leere Büros

Mit der kalten Jahreszeit steht auch die nächste Grippewelle bevor. Anlässlich des nationalen Grippe-Impftages Anfang November führen auch viele Firmen Impfaktionen am Arbeitsplatz durch.
Kaspar Enz
Die Impfstoffe schützen nicht vor allen Strängen des Virus. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zürich, 30. Januar 2015))

Die Impfstoffe schützen nicht vor allen Strängen des Virus. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zürich, 30. Januar 2015))

Kaspar Enz

kaspar.en

z@ostschweiz-am-sonntag.ch

Alle Jahre wieder leert die Grippe Schulzimmer und Büros. Oft wird sie unterschätzt, weil umgangssprachlich auch Erkältungen als «Grippe» bezeichnet werden. Doch die echte Grippe, die Influenza, bringt jedes Jahr Tausende ins Spital. Rund 100 Millionen Franken kostet sie das Gesundheitswesen, dreimal so viel die Wirtschaft – so hoch bezifferte eine Studie im Jahr 2003 die Kosten der Grippe in der Schweiz.

«Eine Grippe ist keine harmlose Krankheit», das weiss auch Daniel Ziegler. Er ist für die Gesundheit der Mitarbeiter des Uzwiler Bühler-Konzerns zuständig. Am Arbeitsplatz sei die Ansteckungsgefahr hoch. «Das kann im Extremfall zu Personalengpässen führen.» Bereits zum dritten Mal führt Bühler deshalb eine Impfaktion durch. Denn das sei «das wirksamste Mittel zur Vorbeugung der Grippeerkrankung». Wie viele Bühler-Mitarbeiter mitmachen, gibt der Konzern nicht bekannt. Aber «es waren letztes Jahr eher wenige». Dieses Jahr wurde die Aktion deshalb stärker bekannt gemacht.

Impfen soll einfach sein

Bühler ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Mitarbeiter am Arbeitsplatz impft. Angepriesen wird die Dienstleistung von Gemeinschaftspraxen oder Versicherungen. Das begrüsst die St. Galler Regierungsrätin Heidi Hanselmann. «Es ist gut, wenn die Impfung möglichst einfach ist»: Am Arbeitsplatz oder auch in Apotheken, wie es dieses Jahr zum zweiten Mal möglich ist. «Dort kann man sich beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit ohne Anmeldung impfen lassen» – ohne vorher einen Termin beim Hausarzt auszumachen.

11 Apotheken machten 2016 im Kanton St. Gallen mit. Dieses Jahr werden es 18 sein. Rund 390 Impfungen führten diese Apotheken 2016 durch. Hanselmann wertet das zwar als einen Erfolg, besonders hoch ist die Zahl im Vergleich zur Kantonsbevölkerung allerdings nicht. Ein «Potenzial nach oben» gebe es auch bei der Teilnahme am Impfprogramm des Gesundheitsdepartements – und auch bei den Spitälern.

«Die Influenzaimpfung ist neben der korrekten Durchführung der Händedesinfektion und dem Tragen von Masken eine wichtige Massnahme», sagt Matthias Schlegel, Leitender Arzt Spitalhygiene am Kantonsspital St. Gallen. Vor allem Mitarbeitende, die regelmässig Kontakt mit Patienten hätten, würden die Impfangebote des Spitals nutzen.

Trotzdem ist die Impfrate bei den Ärzten und beim Pflegepersonal immer noch tief, sagt Hanselmann. Ein ähnliches Problem bestehe auch bei den Altersheimen. Daran müsse man noch arbeiten. «Ich habe nichts dagegen, wenn jemand in Kauf nehmen will, selber an Grippe zu erkranken», sagt sie. Aber wer mit Risikogruppen wie älteren Menschen oder schwangeren Frauen arbeite, trage eine gewisse Verantwortung. Auch überall dort, wo man viel mit Menschen zu tun hat, das Ansteckungsrisiko also gross ist, empfiehlt Hanselmann, sich eine Impfung zu überlegen. «Zum Beispiel bei der Bildung.»

Kein Druck bei der Migros

Mit vielen Leuten in Kontakt kommen auch die Mitarbeitenden der Grossverteiler. Wer in der Zentrale der Migros Ostschweiz in Gossau arbeitet, kann sich dort auch impfen lassen, sagt Sprecherin Natalie Brägger. Und «für die Mitarbeitenden in den Läden ist die Impfung gratis. Die Kosten werden zurückerstattet.» Druck, sich impfen zu lassen, werde aber keiner ausgeübt. Seit 2011 besteht bei der Migros Ostschweiz dieses Angebot, trotzdem bleibt die Impfrate recht gering. «2016 liessen sich 140 Personen impfen», ein recht durchschnittlicher Wert. Damit lassen sich gerade mal 1,5 Prozent der Migros-Mitarbeiter impfen. Zwar führen die jährlichen Grippeepidemien auch beim Grossverteiler zu Ausfällen. «Einen Grund für besondere Massnahmen gibt es aus unserer Sicht nicht.»

Beim Konkurrenten Coop gibt es keine eigentliche Impfaktion. «Wir überlassen die Entscheidung unseren Mitarbeitenden», sagt Mediensprecher Ramón Gander. Wer sich impft, bekommt aber einen Coop-Gut- schein im Wert von zehn Franken.

Der Sinn der Impfung wird oft angezweifelt. Die Impfstoffe werden meist in den ersten Monaten des Jahres zusammengestellt. Bis zur nächsten Grippeepidemie können sich die Viren verändern, oder es tauchen neue Stränge auf. Die Impfung bietet deshalb keinen hundertprozentigen Schutz. Deshalb gelte es, andere Massnahmen nicht zu vergessen, sagt Heidi Hanselmann. «Konsequentes Händewaschen ist sehr wichtig. Rund 90 Prozent der Keime werden über die Hände übertragen.» Trotzdem sei die Impfung ratsam. «Das eine tun und das andere nicht lassen. Es geht ja auch um den Schutz der anderen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.