Grillieren, bis der Rasen brennt

Leicht, unkompliziert, billig: Einweggrills sind beliebt – und werden zunehmend zum Problem. Immer mehr Stadtgärtner ärgern sich über Brandlöcher im Rasen.

Christa Kamm-Sager
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Oben braten die Würste, unten verbrennt der Rasen: Einweggrills hinterlassen einen Brandfleck. (Bild: Keystone)

Oben braten die Würste, unten verbrennt der Rasen: Einweggrills hinterlassen einen Brandfleck. (Bild: Keystone)

"Am liebsten wäre mir, man würde diese Einweggrills aus dem Sortiment in den Läden verbannen": Das sagt der Arboner Stadtgärtner Hans Zellweger. Obwohl es entlang des Seeufers in Arbon rund sieben Grillstellen gibt, bevorzugen einige Individualisten ihre eigene Grillstelle und braten die Wurst auf einem Einweggrill – direkt auf dem Rasen. Zurück bleiben viel Abfall und ein Brandfleck auf dem Grün. Erstmals vermehrt konfrontiert mit diesen Brandlöchern im Rasen war die Stadtgärtnerei Arbon am letzten Summerdays-Festival. "Auf dem Campingplatz grillierten einige Festivalbesucher mitten auf dem Rasen." Konsequenz daraus: "Wir haben die Einweggrills auf dem Campingplatz verboten. Unser Motto heisst: <Wehret den Anfängen>."

Vorgezogene Schadensgebühr
In der Stadt Zürich wurden die Schäden durch Einweggrills bereits im Sommer 2013 zum Politikum. Der grüne Zürcher Nationalrat Bastien Girod forderte eine vorgezogene Schadensgebühr für Einweggrills in der Stadt Zürich. 300 Franken Kosten pro Brandloch oder eine halbe Million Franken Schadenssumme jeden Sommer schlagen in Zürich zu Buche. Die verbrannten Stellen müssen durch Rasenziegel ersetzt werden, was viel Arbeit verursacht. Wird das nicht gemacht, braucht es mehrere Wochen, bis über die verbrannte Stelle neues Gras gewachsen ist. Der Grüne forderte deshalb, dass diese Kosten schon beim Verkauf solcher Grills auf den Preis geschlagen werden – analog der vorgezogenen Recyclinggebühr.

Fähnchen in jedem Brandloch
Die Stadt Zürich reagierte letzten Sommer kreativ auf die teure Rasen-Grillerei: Sie bestellte 1000 Fähnchen, welche die Gärtner in jeden der Brandflecken in den Stadtparks steckten und die für das Problem sensibilisieren sollten – die 1000 Fähnchen reichten bei weitem nicht aus.

Auch in Rorschach ist das Problem mit den Brandstellen mitten auf dem gepflegten Rasen der Seeparkanlagen nicht unbekannt. "Wir haben zunehmend Schäden verursacht durch diese Grills", beobachtet Walter Moser, Betriebsleiter der Stadtgärtnerei. An schönen Wochenenden sitzen die Leute gerne an den See und nehmen einen solchen Grill mit, den man mittlerweile in jedem Tankstellenshop erhält. "Wir nehmen diese Schäden im Rasen zähneknirschend hin. Scherben und Abfall müssen wir schliesslich auch entfernen. Das gehört ins gleiche Kapitel", so Moser. Die Behebung der Schäden gehe ins Geld, äussert er sich.

Nicht mehr im Sortiment
Die Forderung des Arboner Stadtgärtners, die Grills aus dem Sortiment der Grossverteiler zu verbannen, wurde von der Migros schon letzten Sommer umgesetzt: Die Migros hat die Einweggrills in der Aluschale nicht mehr im Sortiment. Auch Coop hat reagiert: Die Grillschalen von Coop haben neu Beine und können nach Gebrauch in jeden Laden zurückgebracht werden.

Richtige Grillprofis würden ihr Steak sowieso nie auf einen Einweggrill legen: Das Fleisch liegt auf den billigen Grillschalen - die günstigsten bekommt man schon für 2.50 Franken – mit nur geringem Abstand zur Glut. Ausserdem haben sie eine chemische Anzündhilfe integriert. So ist das Risiko gross, dass die Würste verbrennen und das teure Steak einen chemischen Beigeschmack hat.

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