GRENZKONTROLLE: Koteletts unter dem Kindersitz

Wer illegal Fleisch importiert, muss mit hohen Bussen rechnen. Das schreckt Schmuggler allerdings immer weniger ab. Sogar Hunderte Kilo Gammelfleisch wurden letztes Jahr in der Ostschweiz aus dem Verkehr gezogen.

Daniel Walt
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Wenn Schmuggler auffliegen: an Ostschweizer Grenzübergängen sichergestelltes Fleisch. (Bilder: PD)

Wenn Schmuggler auffliegen: an Ostschweizer Grenzübergängen sichergestelltes Fleisch. (Bilder: PD)

Daniel Walt

Der Einfallsreichtum der Schmuggler ist gross. «Einmal fanden wir Fleisch, das in der Motorhaube eines Autos versteckt war. Ob es gegart war oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis», sagt Peter Zellweger, Informationsbeauftragter bei der Grenzwachtregion II, zu welcher der Kanton Thurgau gehört. Auch unter Kindersitzen, auf denen Sprösslinge sassen, fanden Grenzwächter schon Schmuggelfleisch – genauso wie in Hohlräumen im Kofferraum, in denen normalerweise die Reserveräder versorgt sind.

Nicht nur trickreich, auch unverfroren sind gewisse Leute, die Fleisch ins Land schmuggeln. So jener Syrer, der Anfang Jahr mit über 55 Kilo Fleisch sowie 56 Litern Öl und Margarine erwischt wurde. Nach der Einleitung eines Verfahrens wurde dem Mann erlaubt, die Waren nach Deutschland zurückzubringen. Wenig später wurde er erneut in der Schweiz gestoppt – mit denselben Lebensmitteln im Fahrzeug.

Der starke Franken als Auslöser

Der Fleischschmuggel habe in den letzten Jahren zugenommen, liess der Bundesrat kürzlich verlauten. Die nationale Tendenz lässt sich auch in der Ostschweiz beobachten: 2012 wurden in der Grenzwachtregion II 96 Fälle von Fleischschmuggel über zehn Kilogramm registriert; ein Jahr später waren es 138 Fälle, im Folgejahr bereits 288 und 2015 sogar 403 Fälle. Ähnlich die Entwicklung in der Grenzwachtregion III, zu der St. Gallen und Graubünden sowie das Fürstentum Liechtenstein gehören: Wurden 2012 noch 138 Fälle von Fleischschmuggel über zehn Kilo registriert, waren es 2014 bereits 228 und 2015 gar 313 Fälle. Die Zahlen für 2016 sind noch nicht bekannt. Hauptgrund für die Zunahme ist laut Peter Zellweger der Einkaufstourismus, der aufgrund des starken Frankens floriert und dazu verlockt, das eine oder andere Kotelett mehr als erlaubt heimzunehmen. Zudem wurden Mitte 2014 die Einfuhrmengen von Fleisch nach unten angepasst – erlaubt ist neu die Mitnahme von einem Kilo pro Person. Neben dem Schmuggel von Kleinmengen für den Privatgebrauch haben Strafuntersuchen gemäss der Landesregierung gezeigt, dass illegal importiertes Fleisch auch weiterverkauft wird – etwa an Gastrobetriebe, Detailhändler und Metzgereien (siehe Zweittexte). Wie viele Personen Fleisch schmuggeln, ohne erwischt zu werden, bleibt unklar: Zur Dunkelziffer machen die Behörden keine Angaben. Der Bundesrat stellt einzig fest, dass der Schmuggel rasch veränderlichen Faktoren unterliege wie Inlandpreis, Angebot und Nachfrage in der Schweiz oder Einkaufspreis im Ausland.

«Bei Schmuggelfleisch weiss man in der Regel nicht, woher die Ware stammt und unter welchen Bedingungen sie produziert und transportiert worden ist», sagt Grenzwacht-Sprecher Zellweger. Beim Kampf gegen den Schmuggel gehe es deshalb auch darum, gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Ein krasser Fall wurde vergangenen Juli bekannt: Im Kanton Schaffhausen entdeckten Grenzwächter in einem Auto unter Baumaterialien über 300 Kilogramm ungekühltes Rind-, Kalb- und Truthahnfleisch, das teils schon über einen Monat abgelaufen war. Der Fahrer, ein Türke, wollte keine genauen Angaben zur Verwendung des Fleisches machen. Das Schmuggelgut wurde vernichtet.

Gebühren und hohe Bussen werden fällig

Was passiert mit Schmuggelfleisch, das gesundheitlich unbedenklich ist? Fliegt der illegale Importversuch direkt an der Grenze auf, kann der verhinderte Schmuggler die Waren allenfalls ins Ausland zurückbringen. Will er das Fleisch einführen, muss er Abgaben entrichten, die je nach Menge 17 oder 23 Franken pro Kilo betragen. Dazu kommt die Busse, die laut Peter Zellweger etwa doppelt so hoch ist wie der zu entrichtende Zollbetrag. Wird das illegal importierte Fleisch nachträglich entdeckt, etwa bei einer Hausdurchsuchung, sind Einfuhrgebühren und die Busse fällig. Bei Verdacht auf Gammelfleisch wird eine kantonale Behörde verständigt, welche auch hier die nachträgliche Vernichtung der Waren verfügen kann.