Grenzen sollen in der zweiten Welle offen bleiben: St.Gallen, Thurgau und weitere Grenzkantone wollen Zusammenarbeit im Kampf gegen Covid-19 stärken

Sieben Schweizer Grenzkantone waren am Freitag virtuell zu Gast beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten. In der von allen Parteien unterzeichneten «Gemeinsamen Erklärung» einigen sich die Regierungen unter anderem darauf, den Grenzverkehr in der zweiten Welle der Pandemie geöffnet zu halten und die grenzübergreifende Zusammenarbeit zu stärken.

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Anders als im Frühling: Die sogenannten grenzübergreifenden Partner wollen den Grenzverkehr während der zweiten Coronawelle geöffnet halten.

Anders als im Frühling: Die sogenannten grenzübergreifenden Partner wollen den Grenzverkehr während der zweiten Coronawelle geöffnet halten.

Bild: KEY

(SK/mlb) Gerade im Zuge der Coronapandemie rückte die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen dem Land Baden-Württemberg und den Schweizer Grenzkantonen neu ins Bewusstsein. Dies zentrale Erkenntnis haben die betroffenen Regierungen in ihrem Austausch am Freitag gewonnen.

Die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Schaffhausen, Aargau, Zürich, St.Gallen und Thurgau waren virtuell zu Gast beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, um sich über deren Kooperation zu Coronazeiten auszutauschen «und den gegenseitigen Kontakt zu pflegen», wie es in der Mitteilung der Thurgauer Dienststelle für Aussenbeziehungen heisst. Für den Kanton Thurgau beteiligte sich Regierungspräsident Walter Schönholzer am Arbeitsgespräch.

«Der Umgang mit der ersten Coronawelle war nachlässig»

Die Kantone äusserten die Bereitschaft, den Diskurs im Interesse der Bevölkerung, der Gesellschaft und der Wirtschaft des gemeinsamen Grenzraums weiter zu pflegen und zu vertiefen. Diese Bereitschaft wurde denn auch schriftlich festgehalten, in Form der «Gemeinsamen Erklärung zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Coronapandemie und darüber hinaus». Hierin sprechen sich die «grenzüberschreitenden Partner», wie sie im Dokument genannt werden, dafür aus, den Grenzverkehr in der zweiten Covid-Welle offen zu halten und die Zusammenarbeit in der Pandemiebekämpfung weiter zu stärken.

Der Ministerpräsident misst dem anfänglichen Umgang mit Corona eine gewisse Nachlässigkeit bei. Am Anfang der ersten Coronawelle habe man in Europa kein gutes Bild abgegeben, sagt er. Kretschmann nennt auch Beispiele:

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Claudio Thoma
«Es gab unkoordinierte Grenzschliessungen, zu wenig Abstimmung bei der Krisenbewältigung und zu wenig Hilfe für die, die stark in Bedrängnis geraten sind.»

Im zweiten Schritt habe man sich indes verbessert. «Wir haben dazugelernt – innerhalb der EU und auch in der Partnerschaft zwischen den Schweizer Grenzkantonen.» Kretschmann bekräftigte den Willen, den gegenseitigen Austausch etwa bei der künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung zu vertiefen.

Im Thurgau beschäftigen die digitalen Herausforderungen

Walter Schönholzer, Regierungsratspräsident Kanton Thurgau.

Walter Schönholzer, Regierungsratspräsident Kanton Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Mit Blick auf grenzüberschreitende Herausforderungen in der Digitalisierung nahm der Thurgauer Regierungspräsident Walter Schönholzer die Gelegenheit wahr, auf die Herausforderungen der Landwirtschaft im digitalen Bereich einzugehen. Dabei hob er die Rolle der Thurgauer Swiss Future Farm hervor, bei der die Landwirte die Möglichkeit haben, sich von der Praxistauglichkeit von Forschungsergebnissen zu überzeugen, um diese auf ihre Betriebe zu übertragen.

Schönholzer unterstrich zudem die Bedeutung der Swiss Future Farm in der praktischen Erprobung von Smart Farming Technologien:

«Es ist zwingend, dass die Herausforderungen aus der Praxis der Forschung bekannt sind und von dieser bearbeitet werden.»

Nur so könne man das Potenzial der Digitalisierung und der Smart Farming Technologien voll und vor allem nutzbringend ausschöpfen. Das grenzüberschreitende Format nutzte Schönholzer zugleich für eine Einladung, sich in diesem Bereich verstärkt auszutauschen.

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