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Gottlieb F. Höpli – Der Anchorman geht

Seit 1994 war Gottlieb F. Höpli Chefredaktor des St.Galler Tagblatts. Vor drei Monaten hat er die Chefredaktion an Philipp Landmark übergeben, und heute hat er seinen letzten Arbeitstag.
Hans-Peter Klauser
Gottlieb F. Höpli, Chefredaktor St. Galler Tagblatt, hat heute seinen letzten Arbeitstag. (Bild: Ralph Ribi)

Gottlieb F. Höpli, Chefredaktor St. Galler Tagblatt, hat heute seinen letzten Arbeitstag. (Bild: Ralph Ribi)

Vor drei Monaten hat Gottlieb F. Höpli seinem Nachfolger Philipp Landmark den Stab der Chefredaktion übergeben, und heute verlässt er nun das Tagblatt endgültig. Entgegen dem Trend nicht vorzeitig, sondern ein Jahr nach seinem ordentlichen Pensionierungsalter. Das sagt wohl einiges aus über seine Bedeutung für unsere Zeitung und die Tagblatt Medien insgesamt.

1994 von der grossen NZZ kommend wurde er zu Beginn allerdings mit einem Schuss Zurückhaltung aufgenommen, so wie man es von guten Journalisten und echten Ostschweizern erwartet. Da half auch nichts, dass er tiefe Wurzeln im thurgauischen Wängi hat und einen unverkennbaren Thurgauer Dialekt spricht. Sein Germanistikstudium an der Uni Zürich, seine zehn Jahre als freier Journalist und seine siebzehn Jahre in der Inlandredaktion der NZZ liessen ihn irgendwie nicht mehr als «Eigengewächs» erscheinen.

Das hat ihn allerdings nie gestört, so wie er sich als mutiger und unabhängiger Journalist im Lauf der Jahre überhaupt eine dicke Haut zulegen musste.

Viel wichtiger aber war, dass er schon bald einmal begann, unserer Zeitung mit Taten und Worten das eigene Gepräge zu geben, seine Akzente zu setzen und seine Visionen zu verwirklichen.

Das tat er nie allein, sondern immer nach ausführlichen Gesprächen mit seinem Umfeld und – was ihn als promovierter Germanist besonders auszeichnete – auch unter Berücksichtigung ökonomischer Gesetzmässigkeiten. In seinen fünfzehn Jahren als Chefredaktor hat er unsere Zeitung dreimal einer grösseren Blattrenovation unterzogen.

Die erste beim grossen Ostschweizer Zeitungszusammenschluss 1998, bei der auch der Zeitungskopf in Frakturschrift verschwand, die zweite 2002 mit der Inbetriebnahme des neuen Druckzentrums in Winkeln, das dank modernster Technologie neue Möglichkeiten eröffnete, und die dritte im vergangenen Jahr, bei der mit der Schaffung eines sogenannten Newsdesk auch strukturelle Veränderungen in der redaktionellen Organisation eingeleitet wurden.

Draht zu jungen Leuten

Jedesmal ging es darum, den Veränderungen der gesellschaftlichen Bedürfnisse Rechnung zu tragen, den Zeitgeist noch besser zu widerspiegeln und neue Trends aufzunehmen. Dabei ist gfh. sein besonderer Draht zu jungen Leuten sehr zu Hilfe gekommen, und er hat mehr als einmal Ideen von Volontären, Praktikanten und Jugendmerkern aufgenommen.

Überhaupt, mit den von ihm eingesetzten Merkern und zahlreich im Blatt veröffentlichten Antworten auf Leserbriefe hat er sich gerne der öffentlichen Kritik ausgesetzt und versucht, dem Leser journalistische Grundsätze und das Zeitungsmachen näherzubringen. Das war auch das Ziel seiner Aktivitäten an der Universität St. Gallen, wo er nicht nur den Gedankenaustausch mit Professoren pflegte, sondern in der Startwoche mit Studierenden auch eine eigene Zeitung machte.

Ein strategisches Ziel unseres Medienunternehmens heisst Anspruch auf Themenführerschaft. Das bedeutet, dass es uns gelingen muss, jene Themen zu finden und zu setzen, die die Leute unserer Region interessieren, die für die öffentliche Diskussion und Meinungsbildung wichtig sind und über den Tag hinaus aktuell bleiben. Dafür hatte gfh. ein besonders gutes Gespür, wovon zahlreiche pointierte Kommentare, Kolumnen, Salzkörner, aber auch öffentliche Anlässe zeugen.

Unvergessen bleibt sein Auftritt als Moderator in der geschichtsträchtigen Figur von Johann Konrad Kern anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Eidgenossenschaft. Oder die Gegenveranstaltung im Theaterfoyer, als die öffentliche Lesung von «Fräulein Stark» von Thomas Hürlimann abgesetzt wurde.

Die Dramatik des Moments

Eine Zeitung am Kiosk verkaufen lässt sich unter anderem mit guten Schlagzeilen und entsprechenden Plakaten.

Fast die Hälfte dieser Kioskplakate hat der scheidende Chefredaktor selber formuliert, das vielleicht trefflichste, als der FC St. Gallen ganz knapp die nächste Runde im Europacup verpasste mit der Affiche «die verfl… 92. Minute». Er, der noch nie an einem Fussballspiel war, hat es auch hier verstanden, die Dramatik des Moments unsern Lesern schmackhaft zu machen.

Nicht nur die Sprache war ihm ein grosses Anliegen, sondern ebenso die über Jahre ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Rechtschreibung. Als Mitbegründer der Schweizer Orthographischen Konferenz hat er mitgeholfen, die zeitweise chaotischen Verhältnisse in der Rechtschreibereform wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen und für unsere Zeitung ein verbindliches Vademecum zu schaffen.

Schliesslich hat er auch ein Herz für die Benachteiligten in der Ostschweiz bewiesen. Die von der «Neuen Luzerner Zeitung» schon seit vielen Jahren betriebene Weihnachtsaktion hat er auf unsere Verhältnisse übertragen und den Verein Ostschweizer helfen Ostschweizern ins Leben gerufen. «OhO» übertrifft inzwischen frühere Spendenaktionen unserer Zeitung um ein Mehrfaches.

Gottlieb F. Höpli hat sich über die Jahre seines Wirkens zu einem eigentlichen Anchorman des Tagblatts entwickelt. Ein Begriff, der eigentlich aus dem Fernsehen stammt und zum Ausdruck bringt, dass eine Person, die eine Sendung moderiert, ordnet und ihr die Verankerung beim Publikum gibt, zur Marke für deren Inhalt wird. Mit seinem grossen Engagement und seiner Leidenschaft für unsere Zeitung hat er dies geschafft. Dafür danken wir ihm herzlich und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

Hans-Peter Klauser

Gesamtleiter Tagblatt Medien

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