Gommiswald
90 Coronaskeptiker trafen sich illegal in einem Restaurant – Anzeigen für Veranstalter und Wirtin, Bussen für Teilnehmende

Vergangenes Wochenende trafen sich in Gommiswald im Restaurant Älpli rund 90 Personen, darunter Kinder und Senioren, für eine angeblich religiöse Veranstaltung und Geburtstagsfeier. Für die Teilnehmenden gab es eine Busse, die Veranstalter und die Wirtin wurden angezeigt.

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Die Polizei traf zahlreiche Personen im Restaurant an.

Die Polizei traf zahlreiche Personen im Restaurant an.

Symbolbild: Kantonspolizei St.Gallen

(red/mas) «Eine so grosse Veranstaltung ist mir bisher in der Pandemie nicht bekannt», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen zu «FM1Today» über die Situation, welche die Kantonspolizei letzten Samstag antraf. In Gommiswald trafen sich 90 Personen im Restaurant Älpli.

Am Freitag hätte die Polizei einen Hinweis erhalten. «Wir haben daraufhin mit der Wirtin und den Veranstaltern Kontakt aufgenommen und sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Party nicht erlaubt ist und sich die Veranstalter strafbar machen», sagt Krüsi. Die Veranstalter hielten dennoch an ihrem Anlass fest.

Vor Ort hätte die Polizei 40 bis 50 Personen angetroffen und es seien immer mehr gekommen. Die Veranstalter zeigten sich uneinsichtig, wie ein Video eines Gastes zeigt. Man würde die verteilten Bussen nicht bezahlen und wieder zurückschicken.

Am Samstag fand in Gommiswald ein Fest mit 90 Personen statt.

Quelle: «FM1Today»

Polizei musste sich zurückziehen

Der Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen Hanspeter Krüsi war selbst vor Ort: «Es war eine schwierige Situation für uns.» Weiter sagt er:

Hanspeter Krüsi, Medienpsrecher Kantonspolizei St. Gallen

Hanspeter Krüsi, Medienpsrecher Kantonspolizei St. Gallen

Bild: PD
«Für uns war relativ schnell klar, dass wir die Party nicht auflösen können. Es waren Kinder und Rentner im Restaurant und wir wollten nicht, dass es zu einer Eskalation kommt.»

Man hätte sich zurückziehen müssen. Dutzend Einsatzkräfte waren vor Ort. «Wenn wir diese aus dem Restaurant hätten führen müssen, hätte es sicher Auseinandersetzungen, unschöne Situationen und möglicherweise auch Verletzte gegeben», sagt Krüsi.

Zufahrtsstrassen seien kontrolliert worden und die Polizei habe Personen befragt, wie es in der «Linth Zeitung» heisst.

«Nach langer Diskussion mussten wir uns aber zurückziehen und das Fest fand statt.»

Referate von Coronaskeptikern

Am Ende seien etwa 90 Personen auf der illegalen Party gewesen, sie würden aus der Umgebung von Gommiswald stammen. «Es war alles dabei vom Kind bis zum Grossvater.» Krüsi sagt: «Es ist für mich unbegreiflich, wie Coronaregeln wissentlich, nach einem Jahr mit dem Virus, von so vielen Menschen gebrochen werden».

Der Anlass war getarnt als religiöse Feier, danach sollte eine Geburtstagsfeier statt finden. Wie sich später herausstellte, fanden Referate von Coronaskeptikern statt. Ein Redner leugnete die Existenz des Coronavirus. Ein anderer zeigte auf, wie man sich angeblich gegen die Polizei und Bussen wehren könne.

Bussen und Anzeigen

Die Polizei habe vor Ort die Personalien verschiedener Teilnehmenden aufgenommen und auf die Busse hingewiesen. Im Nachhinein würde man weitere Personen ermitteln. Die drei Veranstalter seien bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Dazu gehören das Geburtstagskind, die beiden Anti-Corona-Referenten und die Wirtin.

Würde jemand die Busse verweigern, steht ihnen laut Krüsi Folgendes bevor: Wenn die Busse nicht fristgerecht bezahlt wird, gibt es ein ordentliches Strafverfahren, es gibt also eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Wird die Busse als gerechtfertigt beurteilt, folgt ein Strafbefehl und abermals eine Busse. Hinzu kommen die Verfahrenskosten.