Goldreif auf Eis gelegt

Baustelle mitten in der St. Galler Kathedrale: Nach Pfingsten wird der Altarraum neu gestaltet. Auf den umstrittenen schwebenden Goldreif will die Bauherrschaft verzichten – vorerst.

Malolo Kessler
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Modell des Altarraums, wie er nach Pfingsten in der Kathedrale realisiert wird – allerdings ohne Ring. (Bild: pd)

Modell des Altarraums, wie er nach Pfingsten in der Kathedrale realisiert wird – allerdings ohne Ring. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Sie waren gekommen, um sich zu informieren. Und auch, um zu diskutieren. Gut 60 Personen sassen am Donnerstagabend in den Kirchenbänken in der Kathedrale. Eingeladen hatte der Katholische Konfessionsteil, Thema war die Neugestaltung des Altarraums. Ursprünglich Bestandteil des 1,6-Millionen-Franken-Projekts war auch ein Goldreif. Nachdem sich allerdings die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege gegen den Ring ausgesprochen hat, wird dieser nun nicht über dem Altar schweben – vorerst.

Altar wie «Berliner Mauer»?

«Wir lassen die Ringfrage ruhen, bis die Altarlandschaft steht», sagte Hans Wüst, Präsident des Administrationsrats. «Dann entscheiden wir, ob wir darauf verzichten oder ihn realisieren.» Das dürften einige der Zuhörerinnen und Zuhörer gerne gehört haben, ist doch der Ring schon länger umstritten. Und nicht nur dieser, wie sich in der Diskussion zeigte. Es wurden da und dort auch Zweifel an der Altarlandschaft laut: Der Altar wirke «wie die Berliner Mauer», sagte beispielsweise ein ehemaliger Flade-Lehrer. Der ausführende Architekt, Florian Zierer von «Caruso St. John», erwiderte, der Altar sei zwar durchaus «massiv» und «monumental». Den Vergleich mit der Berliner Mauer könne er aber nicht nachvollziehen.

Bauen im «Staubzelt»

Ebenfalls kritisierten einige Zuhörerinnen und Zuhörer, dass das Kirchenvolk nicht bei der Auswahl des Projekts mitbestimmen konnte (siehe Kasten). «Die Entscheidungskompetenz liegt nun einmal beim Katholischen Kollegium», sagte Wüst. «Und der Entscheid ist bereits gefallen.»

So wird am 21. Mai dieses Jahres mit dem Abbruch des 45jährigen Altarprovisoriums begonnen. Am Montag nach Pfingsten startet dann der Bau des neuen Altars. Um die Kathedrale vor Staub zu schützen – sie bleibt während der Bauzeit geöffnet –, werden alle Arbeiten in einem Zelt ausgeführt. Einweihen will der Katholische Konfessionsteil die neue Altarlandschaft dann am 29. September.

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