GLOSSE
Wer es sich leisten kann, der lässt sich malen

Regierungspräsidentin Monika Knill kommt draus. Warum ein Aquarell viel besser ist als ein Gruppenfoto.

David Angst
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Der Regierungsrat des Kantons Thurgau. Aquarell von Carole Isler.

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau. Aquarell von Carole Isler.

Dieses Jahr hat der Regierungsrat anstelle eines Gruppenfotos dieses Bild malen lassen. Es ist eine Aquarellkomposition der Frauenfelder Künstlerin Carole Isler. Monika Knill erklärt in einem Video, weshalb sie sich für diese Darstellungsweise entschieden habe. Es sei eine Win-win-Situation, sagt die Regierungspräsidentin. Win 1: Der Corona-Abstand konnte eingehalten werden. Win 2: Eine Künstlerin hat einen Auftrag erhalten.

Sie hätte noch zwei weitere Wins anhängen können. Win 3: Die Fotografie hat gegenüber dem Gemälde grosse Nachteile. Schon beim Einzelporträt muss ein guter Fotograf mindestens 20 Mal abdrücken, bis er eine vorteilhafte Aufnahme hat. Bei sechs Personen ist es fast unmöglich, ein Bild zu machen, auf dem alle gut aussehen. Man sieht das jeweils auch, wenn die Kinder ihre Klassenfotos heimbringen. Früher, mit den langen Belichtungszeiten, schauten alle starr in die Kamera. In Zeiten von ADHS hat es garantiert irgendeinen, der die Augen zu hat oder mit den Händen fuchtelt. Mittlerweile ist die erste ADHS-Generation auch im Regierungsrat vertreten.

Und Win 4: Die Fotografie war vor hundert Jahren noch ein Prestigeobjekt. Heute hingegen ist sie ein Massenprodukt. Wer es sich leisten kann, der lässt sich malen. Noblesse oblige. Auch in den Königshäusern Europas hängen heute noch mehr Gemälde als Fotografien. Nun hat die konstitutionelle Monarchie Thurgau endlich auch etwas Schönes, um es an die Wand zu hängen: die Mitglieder der königlichen Familie mit ihren Insignien.