GLOSSE

Salzkorn

Ein weiteres Fehlurteil über die Wikinger ist jüngst widerlegt worden. Längst nicht alle von ihnen waren blond und blauäugig.

David Angst
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Online - Leben - Kolumnen - Salzkorn

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Wenn ein Polizist eine Person nur deshalb kontrolliert, weil sie eine dunkle Hautfarbe hat, so ist das ein Akt der Diskriminierung. «Racial Profiling» nennt man das, und es gehört sich für Polizisten nicht. Bei Archäologen hingegen ist es etwas anders. Ihre Arbeit kann sogar dazu führen, dass Fehlurteile beseitigt werden.

Zum Beispiel versuchten Forscher, mittels DNA-Tests herauszufinden, ob alle Wikinger blond und blauäugig gewesen waren. Zu diesem Zweck untersuchten sie Gebeine aus Wikingergräbern, die über halb Europa verstreut lagen. Das Resultat war erstaunlich: Es gab blonde und schwarzhaarige Wikinger und solche, deren Vorfahren aus Asien stammten oder aus dem Mittelmeerraum.

Die Wikinger waren ethnisch so durchmischt, dass man sie schon gar nicht mehr als Volk bezeichnen kann, sondern als Berufsgruppe – wenn auch eine bei den Zeitgenossen sehr unbeliebte, weil sie mordeten und stahlen. Und die Moral von der Geschichte: Es kommt nicht auf die Ethnie an, sondern auf das Verhalten.