GLOSSE: Jorge Lemann, der wahre Ostschweizer Bierbaron

Eigentlich darf man als Ostschweizer Biertrinker stolz sein. Doch der wahre Ostschweizer Bierbaron besitzt in der Schweiz keine einzige Brauerei.

Christof Krapf
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Jorge Lemann mit seiner Ehefrau Susanna. (Bild: ANDREW GOMBERT (EPA FILE))

Jorge Lemann mit seiner Ehefrau Susanna. (Bild: ANDREW GOMBERT (EPA FILE))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie ab Sonntagmorgen hier: www.tagblatt.ch/epaper

Als Ostschweizer Biertrinker darf man stolz sein. Schützengarten in St. Gallen mit Gründungsjahr 1779 ist die älteste Brauerei der Schweiz. In Appenzell steht die Brauerei Locher – mit dem Quöllfrisch überzeugen die Innerrhoder sogar Zürcher Hipster. Hinzu kommen Sonnenbräu und unzählige Kleinbrauereien. Als Ostschweizer Biertrinker kann man sich fürwahr nicht beklagen.

Der wahre Ostschweizer Bierbaron sitzt aber weder in St. Gallen, Appenzell, Rebstein noch in Chur. Er heisst auch nicht Preisig, Locher oder Graf, sondern Lemann. Jorge Lemann – gemäss «Bilanz» zweitreichster Schweizer – kontrolliert von Rapperswil-Jona aus den Brauereikonzern Anheuser-Busch. Dieser ist mit 500 Biermarken in 140 Ländern vertreten und produziert jährlich 434 Millionen Hektoliter Bier. Um auf diese Menge zu kommen, müsste Schützengarten 2480 Jahre lang brauen.

Doch damit der Lemann’schen Bierschwemme nicht genug. Nimmt man für den Seealpsee eine durchschnittliche Wassertiefe von zehn Metern an, könnte man das Gewässer mit der jährlich von Lemanns Brauereien produzierten Biermenge 31-mal füllen. In der Schweiz besitzt Lemann allerdings keine Brauerei. Er produziert vor allem in Südamerika und den USA. Lieber als einen Bergsee voller Bier ist dem Ostschweizer Biertrinker deshalb der See­alpsee auf der Quöllfrisch-­Etikette. Prost.

Christof Krapf

christof.krapf@tagblatt.ch