Glosse
Der Thurgau braucht einen Alibimann

Die gesamte Thurgauer Kantonsspitze befindet sich in Frauenhand. Was nun, liebe Männer?

Christian Kamm
Christian Kamm
Merken
Drucken
Teilen
Frauenpower an der politischen Spitze im Thurgau: Carmen Haag (Vize-Regierungspräsidentin), Monika Knill (Regierungspräsidentin), Brigitte Kaufmann (Grossratspräsidentin) und Barbara Dätwyler (Vize-Grossratspräsidentin).

Frauenpower an der politischen Spitze im Thurgau: Carmen Haag (Vize-Regierungspräsidentin), Monika Knill (Regierungspräsidentin), Brigitte Kaufmann (Grossratspräsidentin) und Barbara Dätwyler (Vize-Grossratspräsidentin).

Reto Martin
(9. Juni 2021)

Natürlich kann Mann sich bei diesem Thema nur die Finger verbrennen. Aber wissen Sie was? Während dieser Hitze-Tage konnte Mann sich unter dem Sonnengrill liegend bereits alles Mögliche verbrennen. Da spielen die Finger nun wirklich keine Rolle mehr.

Deshalb einmal tief Luft geholt und frisch-fröhlich hinausposaunt: Mein uneingeschränktes Mitgefühl gehört den politisierenden Männern im Thurgau. Die ackern und rackern wie eh und bekommen trotzdem kaum mehr einen Fuss auf den Boden.

Begonnen hatte die Schwäche des angeblich starken Geschlechts dort, wo es am meisten wehtut – ganz oben, in der Regierung. Ausgerechnet im ländlichen Thurgau wurde vor sechs Jahren das Matriarchat im Regierungsgebäude ausgerufen. Ohne die Frauenmehrheit geht gar nichts mehr. Und die Männer sind – wie hiess das früher doch gleich bei den Frauen? – in der strukturellen Minderheit.

Und jetzt gibt es nicht einmal mehr eine strukturelle Männer-Minderheit zu beklagen. Die Spitze des Thurgaus ist komplett in Frauenhand. Das nennt sich wohl Eingeschlechterherrschaft: Parlamentspräsidentin, Parlamentsvizepräsidentin, Regierungspräsidentin und Vizepräsidentin des Regierungsrates. Männer, wo seid ihr?

So kann es mit den Männern in diesem Kanton nicht weitergehen. Auch das neue schwache Geschlecht braucht Perspektiven. Gebt ihnen, den Männern, eine Zukunft, etwas, an dem sie sich wieder aufrichten können! Einen Anreiz dafür, dass es sich lohnt, zu kämpfen, um nicht völlig in Vergessenheit zu geraten. Kurzum: Der Thurgau braucht ein neues Staatsamt – den Alibimann. Sie wissen schon: Überall dabei, aber nicht wirklich etwas zu sagen. Die dekorative Krawatte und ein modischer Anzug reichen. Und nach einem Jahr gibt es eine Ersatzwahl, damit jeder einmal drankommt.

Sie finden das zu wenig? Moment mal. Alle haben schliesslich einmal klein angefangen. Auch die Frauen.