GLOSSE
Bétrisey und Kappeler; Bornhauser und Napoleon

ResTZucker: Kurzer Rückblick auf eine Woche, in der politische Konflikte nicht nur über die Medien ausgetragen wurden. Und in der ein grosser Thurgauer seinen 222. Geburtstag feiern konnte.

David Angst
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Thomas Bornhauser.

Thomas Bornhauser.

Jetzt hat es der Salmsacher Schulleiterin den Deckel gelupft. Sie hat gekündigt. «Die ‹Streitkultur› in Salmsach, bei der Konflikte mit Hilfe der Presse ausgetragen werden, behagt ihr nicht und bindet zu viel Energie.» Das sagt ihr Chef, der Gemeindepräsident. Sie selbst sagt nichts.

Dass politische Konflikte in der Presse ausgetragen werden, dass soll auch ausserhalb von Salmsach schon vorgekommen sein. Es geht aber auch anders. Zum Beispiel mit dem Wahlzettel. Ob das dann besser zu ertragen ist, bleibe dahingestellt. Karin Bétrisey sagte jedenfalls nach der zweiten Wahlschlappe nicht mehr viel gegenüber der Presse. Nur noch: «Das ist eben Politik.»

Toni Kappeler hatte zuvor erklärt, dass er eine Wahl nicht annehmen würde. «Ich kenne meine Stärken und ich kenne meine Schwächen.» Was er damit genau meinte, behielt er für sich. Vermutlich aber nicht, dass er Panik davor habe, an der Weinfelder Bundesfeier eine Ansprache halten zu müssen. Wohl eher fürchtete er den Shitstorm in seiner Fraktion.

Dass Konflikte mit Hilfe der Presse ausgetragen werden, hat im Thurgau übrigens Tradition. Das konnte schon Thomas Bornhauser gut, der vor 222 Jahren geboren wurde. Sogar die ausserkantonale «Appenzeller Zeitung» spannte er vor seinen liberalen Karren. Im Rückblick betrachtet war das ein Segen. Es brachte nämlich der Thurgauer Bevölkerung mehr Freiheit und Gerechtigkeit. Selbst Louis Napoléon war des Lobes voll – der spätere Diktator Frankreichs. Man muss eben auch innere Widersprüche aushalten können in der Politik.