GLEICHSTELLUNG: Neugründung der SP-Frauen

Ausgerechnet die SP St. Gallen hatte jahrzehntelang keine Frauenorganisation mehr. Diesen Samstag wird sie neu gegründet.

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St. Galler SP-Frauen wollen sich erneut organisieren. Hier im Bild Barbara Gysi, Claudia Friedl und Heidi Hanselmann bei den National- und Ständeratswahlen 2015. (Bild: Ralph Ribi)

St. Galler SP-Frauen wollen sich erneut organisieren. Hier im Bild Barbara Gysi, Claudia Friedl und Heidi Hanselmann bei den National- und Ständeratswahlen 2015. (Bild: Ralph Ribi)

Es ist 2017, und die Gleichstellung sollte längst Alltag sein. Seit 46 Jahren dürfen Frauen an die Urne. Seit 1988 sind sie nicht mehr ihrem Ehemann unterstellt. Und seit 1996 ist das Gleichstellungsgesetz in Kraft, das Frauen den Anspruch auf den gleichen Lohn sichert. Frauen sind in Parlamenten, Regierungen und Bundesrat vertreten, sie sind beruflich engagiert, sie leiten Firmen. Braucht es also noch Frauenorganisationen bei den Parteien?

«Ja!», meint die St. Gallerin Margrit Blaser. Zusammen mit fünf Mitstreiterinnen wird sie am Samstag, 18. Februar, die SP- Frauen St. Gallen neu gründen, erstmals seit 30 Jahren. Als Margrit Blaser in die SP eintrat, waren die Strukturen der Frauenorganisation langsam eingeschlafen. «Meine Generation war in der Frauenbewegung politisiert worden. Für uns war Frauenpolitik logisch», sagt Blaser. Deshalb hätte sich damals niemand gegen die Auflösung gewehrt, Gleichstellungsthemen wurden in den folgenden Jahren von den Frauen in die Gesamtpartei eingebracht. Dass Männer sich damit beschäftigen, habe schon seine Richtigkeit, meint Blaser. «Aber Frauen brauchen mehr Sichtbarkeit. Wir stellen fast die Hälfte der Mitglieder. Wir brauchen eine eigene Stimme», sagt die designierte Präsidentin der St. Galler Frauenorganisation.

Genderfragen sind nach wie vor ein Thema

Lange hätte man mit Genderthemen nicht punkten können. Jetzt sei dies wieder anders. Die Realität verlange geradezu danach. «Ich sage dem nicht einmal Backlash. Es ist mehr die Ernüchterung, zu sehen, wo wir immer noch stehen: die gläserne Decke, die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie, Teilzeitarbeit, die selten mit Führungsverantwortung verbunden wird.» Die weltweiten Frauenmärsche Ende ­Januar, an denen Millionen für Frauen- und Menschenrechte auf die Strasse gingen, um gegen die Politik des US-Präsidenten Trump zu protestierten, hätten ihr wieder ein Gefühl gegeben, wie 1991 der Frauenstreiktag. Wie diese Organisation genau aussehen soll, wird bei der SP basisdemokratisch bestimmt.

Sina Bühler

ostschweiz

@tagblatt.ch

Hinweis

SP-Frauentagung, 18. Februar in der Hauptpost St. Gallen, unter anderem mit Regierungsrätin Heidi Hanselmann, alt Nationalrätin Hildegard Fässler und Nationalrätin Barbara Gysi.