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GLEICHSTELLUNG: Frust in der St.Galler Frauenzentrale

Die Geschäftsführerin der Frauenzentrale St. Gallen nennt den Entscheid des Ständerats zur Lohndiskriminierung «unsäglich». Gerade die Ostschweiz hat auf diesem Gebiet Aufholbedarf.
Katharina Brenner
Ruf nach Gleichstellung beim Frauenumzug in St. Gallen anlässlich des Equal Pay Day im März 2012. (Bild: Urs Bucher)

Ruf nach Gleichstellung beim Frauenumzug in St. Gallen anlässlich des Equal Pay Day im März 2012. (Bild: Urs Bucher)

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Anruf in der Frauenzentrale St. Gallen am Tag nach dem ­Entscheid des Ständerats: «Ich schreibe gerade einen Leserbrief, in dem ich meinen Frust ablassen kann», sagt Geschäftsführerin Jacqueline Schneider. Der Grund: Der Ständerat hat am Mittwoch die Vorlage des Bundesrates mit Massnahmen gegen die Lohndiskriminierung an die Kommission zurückgewiesen (Ausgabe von gestern). Die Frage nach staatlichen Regulierungen für Arbeitgeber bleibt damit zunächst ­unbeantwortet. «Ich finde das unsäglich», sagt Schneider. Aufgrund des Stimmverhaltens könnte man meinen, es würden jedem Mann 500 Franken vom Lohn abgezogen werden.

Dabei verdienen Frauen in der Schweiz rund 600 Franken weniger als Männer – pro Monat. Diese unerklärte Lohndifferenz beträgt im privaten Sektor 7,5 Prozent, im öffentlichen Sektor 6,9 Prozent. Die Zahlen sind um Faktoren wie Teilzeitarbeit oder Ausbildungsniveau bereinigt. Beim unbereinigten, durchschnittlichen Lohn sind sie dementsprechend höher: Rund 20 Prozent verdienen Frauen im privaten Sektor weniger als Männer, im öffentlichen Sektor 17 Prozent. In der Ostschweiz ist der unerklärte Lohnunterschied gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2014 am grössten. Hier verdienen Frauen 10,1 Prozent weniger als Männer, gefolgt vom Tessin mit 8,9 Prozent.

Unterschiedlicher Lohn bei gleichwertiger Arbeit – auch 37 Jahre nach Einführung des Verfassungsartikels für Lohngleichheit. Der Ständerat wies die Vorlage mit Massnahmen gegen diese Diskriminierung mit 25 zu 19 Stimmen an die Kommission ­zurück – mit dem Auftrag, Alternativen zu prüfen. Der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber hatte in letzter Minute einen Rückweisungsantrag eingereicht. Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern hätten gemäss Vorlage verpflichtet werden sollen, alle vier Jahre eine Lohnanalyse zu machen. Nach zwölf Jahren wäre die Regelung hinfällig gewesen. Und egal, wie die Analyse ausgefallen wäre: Zu Sanktionen für die Unternehmen hätte sie nicht geführt.

«Es braucht die Weitsicht von Männern»

Wie sinnvoll wären diese Massnahmen gewesen? «Jede Massnahme ist eine Verbesserung», sagt Schneider. Wenn in den grossen Unternehmen mehr Transparenz herrschte, würde sich auch der Druck auf andere Unternehmen erhöhen. Schneider möchte nicht nur die CVP dafür in die Verantwortung nehmen, dass die Vorlage zurückgewiesen wurde. Es irritiere jedoch, dass gerade die Partei, die sich besonders für Familien stark machen möchte, sich nicht für Lohngleichheit einsetze. Sie bedauert, dass im Stände- und Nationalrat nicht mehr Frauen sitzen. Das würde ihrer Meinung nach zu anderen Ergebnissen führen. «Momentan treffen vor allem Männer um die 60 mit einem konservativen Familienbild Entscheidungen.» Dabei brauche es gerade auch die Weitsicht von Männern, damit sich etwas ändere.

Erst kürzlich hatte die Frauenzentrale St. Gallen zu einem Podium zum Equal Pay Day eingeladen. «Die Debatte im Ständerat hat mir gezeigt, wie wichtig die Aufklärungsarbeit ist.» Viele würden immer noch nicht glauben wollen, dass Frauen weniger Lohn erhalten als Männer. Schneider würde sich mehr Transparenz wünschen und dass offener über Geld gesprochen wird. Ein Ostschweizer Unternehmen, das bei der Lohngleichheit mit gutem Beispiel vorangehe, sei die Bank Cler.

Ist Schneider zuversichtlich, dass sich in den kommenden Jahren etwas tun wird in Sachen Lohngleichheit? «Ich hoffe, dass es noch schneller geht. Ich will keine ­weiteren Jahre mehr warten müssen.» Ihre Frustration übersetzt die Geschäftsführerin in Aktivismus. «Der Entscheid des Ständerats bestätigt mich in meinem Engagement: Jetzt erst recht!»

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