GLATTE STRASSEN: Wegen Schnee: Mehr Brüche auf der Notfallstation

OSTSCHWEIZ. Viel Schnee und wenig Streusalz: Nicht nur Autos sind in den vergangenen Tagen häufiger verunfallt, sondern auch Fussgänger. Das zeigt eine Umfrage bei Ostschweizer Notfallstationen.

Diana Bula
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Hin und wieder endet ein Sturz wegen Schnee oder Eis mit einem Fuss im Gips. (Bild: Reto Martin)

Hin und wieder endet ein Sturz wegen Schnee oder Eis mit einem Fuss im Gips. (Bild: Reto Martin)

Die Notfallstation im Kantonsspital St.Gallen spürt, dass draussen Winter herrscht. «Im Sommer kommt es vermehrt zu Gleitschirmunfällen, zurzeit aber rutschen die Leute häufig auf Schnee und Eis aus. Wir stellen eine saisonale Verschiebung fest», sagt Dieter von Ow, stellvertretender Chefarzt der Notfallstation. Abnormal sei die Zunahme an verstauchten Knöcheln, gebrochenen Handgelenken oder Prellungen für einen schneereichen Februar jedoch nicht. «Prekär wird es erst, wenn die weisse Pracht tagsüber taut und nachts wieder gefriert», meint er.

Aufpassen, wo man hintritt – «und nicht gleichzeitig das Handy bedienen»: So lautet einer der Ratschläge des stellvertretenden Chefarztes an die Bevölkerung. Und: Sowohl zu Fuss als auch mit dem Auto müsse man sein Tempo den Strassenverhältnissen anpassen.

Sogar Operationen
Wegen verunfallter Fussgänger ist auch die Notfallstation des Kantonsspitals Münsterlingen im Thurgau stärker ausgelastet. «Täglich behandeln wir drei bis vier Verrenkungsbrüche wie gebrochene Knöchel, Schienbeine und Handgelenke», sagt Markus Röthlin, Chefarzt der chirurgischen Klinik. In einigen Fällen reicht ein Gips zur Stabilisation aus, gelegentlich drängen sich jedoch auch Operationen auf. «Viele Unfälle ereignen sich auf dem Parkplatz oder beim Aussteigen aus dem Auto», weiss Röthlin.

Unter den Patienten befinden sich laut dem Chefchirurgen auffallend viele junge Leute. «Die älteren Personen vermeiden Spaziergänge im Schnee sicherheitshalber wohl und bleiben daheim», so Röthlin.

Pensionäre zur Vorsicht mahnen
Alois Rosenast, Leiter des Alterzentrums Sonnenhof in Wil, bestätigt Röthlins Vermutung. «Ich empfehle unseren Pensionären, auf grosse Touren zu verzichten und sich auf kurze Spaziergänge rund ums Haus zu beschränken», sagt er. Dort sei das Gelände gekiest und gesalzen. Auch hält er die Rentnerinnen und Rentner an, dringende Botengänge ihren Angehörigen zu übertragen.

Das Alterszentrum Sonnenhof bietet den Pensionären ein Unterhaltungsprogramm. Heimleiter Rosenast liest den Betagten zum Beispiel am Cheminée Kurzgeschichten vor, eine Kappelle spielt zum Tanz auf. «Wir bemühen uns, diese Attraktionen während der Winterzeit nicht ausfallen zu lassen – um die Langeweile zu vertreiben», so Rosenast.

«Schneetaugliche Appenzeller»
Die Notfallstation im Kantonspital Herisau in Appenzell Ausserrhoden hat seit Montag fünf Personen behandelt, die auf Schnee oder Eis ausgeglitten sind. Seit Anfang Jahr waren es laut dem zuständigen Arzt 15 Personen. «Im Vergleich zu anderen Jahreszeiten häufen sich die Stürze nun, nicht aber im Vergleich zum Winter 2008», heisst es bei der Notfallstation. Die meisten Fussgänger würden in der Umgebung des Hauses, auf dem Weg zur Arbeit oder im Ausgang verunfallen. In letzterem Fall ist gelegentlich auch Alkohol im Spiel. «Im Grossen und Ganzen vertragen sich die Appenzeller und der Schnee aber gut.»

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