GIRLS-BAUERNKALENDER: Kalender-Girl Michèle: «Das bin nicht ich»

NESSLAU/THAL. Seit Montag ist der neue Bauernkalender erhältlich. Abgebildet sind auch Michèle aus Thal und Martina aus Nesslau. Ganz zufrieden sind sie aber nicht mit den Bildern – an ihren Körpern wurde retouchiert.

Maria Kobler-Wyer
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Die Wirtin Michèle aus Thal posiert mit Kirschen für das Juni-Kalenderblatt. (Bild: Samuel Wimmer/www.bauernkalender.ch)

Die Wirtin Michèle aus Thal posiert mit Kirschen für das Juni-Kalenderblatt. (Bild: Samuel Wimmer/www.bauernkalender.ch)

Die 22-jährige Michèle aus Thal hat mehrere Tattoos, Piercings – und ist im aktuellen Bauernkalender zu sehen. Mit ihrem Aussehen entspricht sie zwar nicht den gängigen Vorstellungen eines Bauernmädchens, sie hat aber anderthalb Jahre auf einer Straussenfarm in Mörschwil gearbeitet, ist mit Pferden aufgewachsen und besitzt zusammen mit ihrer Mutter sowie ihrer Kollegin seit mehreren Jahren selber Pferde. Derzeit bleibt ihr allerdings nicht so viel Zeit zum Reiten. Seit Mitte August ist die Brünette Wirtin des Restaurants «Mer isch glich» in Thal.

Oben ohne posiert
Ihr Arbeitgeber auf der Straussenfarm und eine ehemalige Mitbewohnerin haben Michèle dazu bewogen, sich für das Bauernkalender-Shooting zu melden. Nun ist sie auf einem Kalenderblatt zu sehen: Neben einem alten Ofen sitzend, die Brüste nur von ihren Haaren bedeckt, daneben ein Teller mit Kirschen. «Wir wurden einfach frisiert und geschminkt», sagt sie gegenüber Tagblatt Online. «Auch den Ort und das Sujet durften wir nicht selber auswählen.» Oben ohne zu posieren hat sie nicht gestört. «Ich wollte einfach, dass die Brüste nicht ganz zu sehen sind», sagt sie.

Piercings retouchiert
Weiteren Fotoshootings ist die junge Wirtin nicht abgeneigt. Dennoch möchte sie nicht mehr für den Bauernkalender abgelichtet werden. Mit dem Ergebnis ist sie nämlich nicht zufrieden. «Ich finde, das auf den Fotos bin nicht ich», sagt sie. Piercings sind retouchiert worden. Auch ihre Eltern hätten gesagt, dass es schönere Fotos von ihr gebe. «Aber den Männern gefällt das Foto schon», meint sie lachend. Den Bauernkalender wird sie denn auch in ihrem Restaurant aufhängen.

Toggenburgerin auf Titelblatt
Auch auf dem Titelbild ist eine Ostschweizerin zu sehen: Martina aus Nesslau. Die 22-jährige Floristin ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hilft auch heute noch oft auf dem Hof mit. In ihrer Freizeit widmet sie sich ihrem grossen Hobby Geräteturnen. Die Anmeldung für den Bauernkalender hat sie ihren drei Schwestern zu verdanken. «Mein Bruder erhielt zum Geburtstag einen Bauernkalender», sagt sie gegenüber Tagblatt Online. «Da hatten meine drei Schwestern die Idee, mich anzumelden.»

Kalte Temperaturen beim Shooting
Beim Fotoshooting kam die junge Frau ins Schlottern. Bei Temperaturen um die fünf Grad musste sie – in Unterwäsche – rund zwei Stunden im Freien ausharren. «Es war mega kalt». Da nützte auch der Bademantel nicht viel. Nachdem die Bilder im Kasten waren, erhielt sie dann warmen Tee und Kuchen.

Beim Frisieren und Schminken durfte auch Martina keine Wünsche anbringen. «Das finde ich schade», sagt die Filialleiterin eines Blumengeschäfts. «Für die Fotos wurden meine Haare zusammengebunden. Privat trage ich sie allerdings lieber offen.» Zudem habe der Produzent mehrmals nachgefragt, ob sie sich nicht noch mehr ausziehen wolle, obwohl sie das von Anfang an abgelehnt habe.

Huhn statt Geissen
Dass Martina mit einem Huhn posiert, ist Zufall. «Eigentlich sollte ich mit Geissen fotografiert werden, da ich als Kind immer mit Geissen zur Alp gefahren bin», sagt sie. Aufgrund des schlechten Wetters sei das aber nicht möglich gewesen. Die Bilder gefallen ihr trotzdem nicht schlecht. «Ich glaube aber, dass im Nachhinein retouchiert wurde. Meine Körperlinie stimmt nicht.»

Dennoch findet sie es sehr speziell, gerade auf dem Titelblatt zu sein, da sie sich selber sieht, wenn sie auf einen Kalender blickt. Allerdings kann sie nun den Kalender problemlos ihrem Bruder schenken. «Er wollte nicht einen Monat lang mein Foto anschauen», sagt sie. «Jetzt kann er einfach das Titelblatt umdrehen.»

Girls-Bauernkalender 2011

300 Frauen haben sich für die diesjährige Ausgabe des Bauernkalenders beworben. «Das sind mehr als in den letzten Jahren», sagt Herausgeber Mike Helmy gegenüber Tagblatt Online. Zudem sei die Qualität besser gewesen. «Es haben sich echte Bauerntöchter und Landwirtinnen gemeldet». Spassbewerbungen mit Begründungen wie «Ich habe ein Kaninchen zu Hause» hätten abgenommen.
Von den 40 Frauen, die an ein Casting eingeladen wurden, hat die Jury 14 Frauen ausgewählt. Der Jury gehörten «glanz&gloria»-Redaktor Christian Franzoso, Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal, «Schweizer Bauer»-Redaktorin Pamela Fehrenbach, Fotograf Samuel Wimmer sowie Herausgeber Mike Helmy an.
Das Shooting fand während drei Tagen auf den Höfen von Renzo Blumenthal sowie Ex-Mister-Heubuuch Silvio Pfister statt. «Die Tage waren anstrengend», sagt Helmy. «Die Shootings dauerten jeweils von fünf Uhr morgens bis acht Uhr abends.» (maw)

Die 22-jährige Martina aus Nesslau ist auf dem Titelblatt des neuen Bauernkalenders zu sehen. (Bild: Samuel Wimmer/www.bauernkalender.ch)

Die 22-jährige Martina aus Nesslau ist auf dem Titelblatt des neuen Bauernkalenders zu sehen. (Bild: Samuel Wimmer/www.bauernkalender.ch)