Gipfeli-Treffen

ROMANSHORN. Auf hoher See zittert der Kaffee «Es gibt Tage, da ist das andere Bodenseeufer kaum zu sehen, dann ist es wieder zum Greifen nah», steht auf der Informationstafel an Deck der «Euregia». Heute ist eine Tag, wo es kaum etwas zu sehen gibt.

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Auf hoher See zittert der Kaffee

«Es gibt Tage, da ist das andere Bodenseeufer kaum zu sehen, dann ist es wieder zum Greifen nah», steht auf der Informationstafel an Deck der «Euregia». Heute ist eine Tag, wo es kaum etwas zu sehen gibt. Der Himmel ist mit grauen Wolken bepinselt, das Wasser rauscht abgründig schwarz unter dem breiten Schiffsrumpf.

12 Kilometer trennen Romanshorn von Friedrichshafen in Deutschland. 12 Kilometer und 45 Minuten Fahrt durch eine graue See. Schön ist die frühmorgendliche Fahrt trotzdem, zumindest drinnen im geheizten Bistro, bei Kaffee und Bordfrühstück für 8.60 Franken. Im Bauch der Fähre brummt der riesige Motor und an Deck zittert der Orangensaft und vibriert der Kaffee.

Auf die Frage, ob dieses Zittern nicht bedenklich sei, antwortet die Bedienung kühl, «Bedenken Sie, Sie sind auf einem Schiff.» Ey, ey, Kapitän!

Aufs Wasser schauen

Im wässrigen Niemandsland verwischen die Grenzen. Brötli oder Semmel, Rahm oder Sahne, Schweizer Franken oder Euro. «Ich nehme alles, nur bei Falschgeld bin ich heikel», sagt der Billettkontrolleur. Es ist eine familiäre Runde, die an diesem Morgen zusammen «rübermacht».

Vater und Sohn, ältere Frauen mit viel Gepäck, ein Stammgast, der gerne «einfach ein bisschen hin und her fährt», zwei Lastwagenfahrer. Geredet wird wenig, aufs Wasser geschaut umso mehr. Viel zu sehen gibt es nicht, gerade deshalb fliegen die Gedanken so schön weit.

17mal kreuzen

Platz hätte es für gut 200 Leute, sagt die deutsche Bedienung, «aber so voll ist es nur bei Messen und wenn sich ganze Car-Ladungen Touristen ankündigen.» Die erste Fähre legt um 5.

36 Uhr in Romanshorn ab, jene in Friedrichshafen um 5.41 Uhr danach pendeln sie 17 Stunden lang hin und her – bei jedem Wetter. Auf der «Euregia» ist heute die deutsche Crew, die Schweizer arbeiten auf der «Romanshorn». Nächste Woche wird gewechselt – so ist's gerecht. In der Mitte des Sees, kreuzen sich die beiden Fähren, die Kapitäne grüssen sich und die Bedienung beginnt mit dem Einkassieren. Schliesslich ist die Zeit begrenzt und selbst das Schlemmerfrühstück für 12.

20 Franken will in 40 Minuten genossen werden.

Katja Fischer De Santi

Bodensee-Fähre

Romanshorn–Friedrichshafen

Fahrplan:

Mo–Fr stündlich ab 5.36 Uhr bis 21.36 Uhr ab Romanshorn

Sa/So ab 7.36 Uhr

Kaffee: 3.00 Fr. oder 1.90 Euro

Spezielles: Viel Wasser, viel Platz, grosses Oberdeck.

Das Beste am «Bordfrühstück» (unten) sind nicht die vielen Brötchen, sondern die Aussicht (oben), selbst wenn sie getrübt ist. (Bilder: kaf)

Das Beste am «Bordfrühstück» (unten) sind nicht die vielen Brötchen, sondern die Aussicht (oben), selbst wenn sie getrübt ist. (Bilder: kaf)