Giften im Alltag auf der Spur

St. Galler Kantonschemiker testen derzeit Alltagsgegenstände auf krebserregende Inhaltsstoffe. Und sie weisen auf bevorstehende Änderungen im neuen Lebensmittelgesetz hin.

Livia Caluori
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Im kantonalen Labor arbeitet eine Mitarbeiterin der chemischen Abteilung mit einer Mikroliter-Pipette. (Bild: Coralie Wenger)

Im kantonalen Labor arbeitet eine Mitarbeiterin der chemischen Abteilung mit einer Mikroliter-Pipette. (Bild: Coralie Wenger)

St. Gallen. Hat es in Bratwürsten unerwünschte Zusätze von Sägemehl? Mit dieser Frage beschäftigten sich die ersten Kantonschemiker 1878, als zum allerersten Mal Lebensmittelkontrollen im Kanton St. Gallen durchgeführt wurden. 130 Jahre später suchen die Mitarbeiter des kantonalen Labors nach EHEC-Bakterien in Lebensmitteln oder im Trinkwasser und untersuchen Spielzeuge auf Weichmacher, die krebserregende Stoffe enthalten können.

Velofahren kann krank machen

Und diese Stoffe lauern möglicherweise auf Griffen – sprich Griffen von Velos oder Werkzeugen. Aus diesem Grund prüft das St. Galler Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz (AVSV) in seiner aktuellen Kampagne genau diese Gummiobjekte.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK's) entstehen überall dort, wo organisches Material verbrannt wird – so im Rauch von Zigaretten. PAK's gelangen durch Weichmacher-Öle aber auch in Alltagsgegenstände wie Spielwaren, Hausschuhe oder Bodenbeläge. In diesem Zusammenhang berichten Medien immer wieder über die gefährlichen PAK's. Das AVSV untersucht momentan, ob auch Werkzeug- oder Velogriffe, die in der Ostschweiz verkauft werden, krebserregende Weichmacher enthalten, sagte der Kantonschemiker Pius Kölbener gestern.

Resultate zur Studie gibt es noch keine, denn die Daten werden erst in den nächsten Tagen ausgewertet. Falls in den Proben PAK's enthalten sind, werden die Experten aus St. Gallen beim Bundesamt für Gesundheit Massnahmen verlangen, denn: «PAK's sind schon in minimalen Mengen stark krebserregend», sagte Jürg Daniel von der Abteilung Chemie des kantonalen Labors. Er erklärt weiter: «Bei einer optimalen technischen Produktion von Kunststoffteilen entstehen keine PAK's.» Neben Laboranalysen ist die Kontrolle von Gastrobetrieben eine weitere wichtige Aufgabe des Amts für Gesundheits- und Verbraucherschutz. Deren Produkte müssen gekühlt, der Produktionsraum rein und der Herstellungsprozess im allgemeinen hygienisch sein.

Neues Lebensmittelgesetz

Ob ein Koch einwandfrei sauber arbeitet oder nicht, erfahren die Gäste bisher nicht. Mit dem neuen Lebensmittelgesetz, das demnächst in den Schweizer Räten diskutiert wird und für 2013 geplant ist, soll sich das ändern.

Gemäss dem Gesetzesentwurf des Bundesrats soll der Gast auf Anfrage Auskunft über Hygiene-Bedingungen in der Restaurant-Küche informiert werden. Dies ist laut Kölbener aber nicht die einzig mögliche Änderung. Unter anderem soll der Täuschungsschutz künftig nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Lebensmittelverpackungen und Kosmetikartikel gelten. Im konkreten Fall bedeutet dies: Steht auf einer Crème «Anti-Falten» drauf, muss dies auch wissenschaftlich erwiesen sein – da bleibt uns Käufern dann ein Fehlgriff im Warenregal erspart.

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