GEWITTER
Baum auf Auto gekracht, überflutete Keller und Lagerhallen: Rund 200 Meldungen im Raum Frauenfeld nach starken Regenfällen

Die Thurgauer Ortsfeuerwehren waren in der Nacht auf Donnerstag stark gefordert: Im Raum Frauenfeld bis Müllheim und weiter über den Seerücken regnete es stark, diverse Keller und Garagen wurden überflutet. In Frauenfeld krachte ein Baum auf ein Auto, und eine Autofahrerin wurde zwischen Hörhausen und Dettighofen bei einem Selbstunfall verletzt.

Christa Kamm-Sager und Samuel Koch
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Die Autofahrerin musste verletzt ins Spital gebracht werden.

Die Autofahrerin musste verletzt ins Spital gebracht werden.

Bilder: Kapo TG

Bäche überlaufen, Unterführungen und Schächte überflutet, Keller und Garagen unter Wasser: So oder ähnlich hiess es am Mittwochabend ab 20.20 Uhr bis zum nächsten Morgen rund 200 Mal am Telefon der Thurgauer Notrufzentrale. Die meisten Anrufe gingen zwischen 22 Uhr und 1 Uhr ein. «Betroffen war vor allem der nordwestliche Teil des Kantons», sagt Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage. Vorwiegend betraf es die Gemeinden Schlatt, Frauenfeld, Islikon, Gachnang, Felben-Wellhausen, Müllheim sowie einige Ortschaften entlang des Seerückens und dem nördlichen Teil des Kantons.

Feuerwehrkorps samt Zivilschutztrupps im Einsatz

In Frauenfeld stand am Mittwochabend ab zirka 22.30 Uhr das ganze Feuerwehrkorps samt Einheiten der Zivilschutzregion Frauenfeld im Einsatz, um überflutete Keller und Lagerhallen auszupumpen. Feuerwehrkommandant Ursin Camenisch sagt:

«Alleine in der Stadt Frauenfeld mussten wir zirka 60 Einsätze leisten.»

Glück im Unglück hatte eine Autofahrerin, die auf der Försterhausstrasse in Frauenfeld unterwegs war und nach einem Baumsturz leicht verletzt wurde. Die 46-jährige Autofahrerin war während des Gewitters kurz vor 22.45 Uhr auf der Försterhausstrasse in Richtung Thundorferstrasse unterwegs, als im Waldstück ein Baum umstürzte und von vorne auf das Auto krachte. Die tonnenschwere Masse krachte schräg über die Beifahrerseite auf das Autodach und drückte die Fahrgastzelle ein. Die Autofahrerin, welche alleine im Auto war, wurde durch den Rettungsdienst mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Spital gebracht. Wie es in der Polizeimeldung heisst, entstand am Fahrzeug Totalschaden. Die Feuerwehr Frauenfeld sperrte die Försterhausstrasse vorübergehend.

Die Autofahrerin sass beim Unglück in Frauenfeld alleine im Auto, sie wurde verletzt, der Beifahrersitz war leer.

Die Autofahrerin sass beim Unglück in Frauenfeld alleine im Auto, sie wurde verletzt, der Beifahrersitz war leer.

Zudem standen wegen des Gewitters mehrere Unterführungen wie jene der Oststrasse unter Wasser, andere Strassen waren mit Kies bedeckt. «Typische Auswirkungen eines heftigen Gewitters», fasst Camenisch zusammen. Der Unwettereinsatz dauert indes den ganzen Donnerstag an. Der Grund: «Viele merken erst jetzt, dass ihre Keller überflutet sind.»

56 mm Niederschlag in Salen-Reutenen

Wie Meteorologe Heinz Maurer von MeteoSchweiz auf Anfrage informiert, fiel in Frauenfeld 40 mm Regen in kurzer Zeit. Noch mehr regnete es in Salen-Reutenen: Dort gingen in zwei Schüben – zuerst um 20.40 Uhr und dann zwischen 22.30 bis 23 Uhr – 56 mm Niederschlag pro Quadratmeter nieder. Zum Vergleich: Im stark betroffenen Flughafen Kloten fielen 50 mm Regen. «Probleme mit den Wassermassen entstehen immer dann, wenn solch grosse Regenmengen innert kurzer Zeit fallen. Dann schwellen Bäche an und der Boden kann das Wasser nicht aufnehmen», so der Meteorologe.

Stromunterbrüche in Frauenfeld und Islikon

Diese grossen Regenmengen in kurzer Zeit führten neben diversen Überschwemmungen auch zu Stromunterbrüchen in Frauenfeld, Islikon und Gachnang. In Gachnang fiel der Strom 70 Minuten aus. Ursache war ein Wassereintritt in der Mess- und Transformatorenstation Niederwil. Durch eine Noteinspeisestelle konnten die Haushalte wieder mit Strom versorgt werden.

«Nicht betroffen waren der Hinterthurgau und der Oberthurgau», so Roth. Vereinzelte Meldungen seien aber auch aus Kreuzlingen eingegangen.

Erde auf Strasse gespült: Unfall

Zwischen Hörhausen und Dettighofen spülte der Starkregen Erdreich auf die Steckbornstrasse. Eine 38-Jährige, die in Richtung Pfyn unterwegs war, verlor gemäss Mitteilung der Kantonspolizei auf der verschmutzten Fahrbahn die Kontrolle über ihr Auto, kam von der Strasse ab und prallte in eine Trafostation. Sie musste durch den Rettungsdienst mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden, der Sachschaden beträgt mehrere tausend Franken.

Der Kanton St.Gallen und auch das Appenzellerland blieben von den Regenmassen verschont, dort gingen gemäss Kantonspolizeien keine Meldungen ein.