Gewinn für Wahlkreis Sarganserland

Der Wahlkreis St. Gallen verliert bei den nächsten Wahlen einen Kantonsratssitz ans Sarganserland, dessen Bevölkerung am stärksten gewachsen ist. Ab 2016 wird St. Gallen mit nur noch 29 Sitzen vertreten sein, das Sarganserland dafür mit zehn.

Sina Bühler
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Jeweils zwei Jahre vor den Wahlen wird beim Kanton gerechnet, wie viele Sitze jedem der acht St. Galler Wahlkreise zustehen. Und jedesmal verschiebt sich etwas. Wie die Staatskanzlei mitteilte, hat der Wahlkreis Sarganserland für die Amtsperiode 2016 bis 2020 einen zusätzlichen Sitz gewonnen, der grösste Wahlkreis St. Gallen hingegen hat einen verloren. In der jüngsten Ausgabe der Ostschweiz am Sonntag war dies bereits thematisiert worden.

Marisa Hämmerle, Leiterin des kantonalen Dienstes für politische Rechte, erklärt den Berechnungsmodus: «Wir stützen uns auf die aktuellen Bevölkerungszahlen im ganzen Kanton und rechnen damit den Verteilschlüssel für die 120 Kantonsratssitze aus. Dann wird dieser auf die Bevölkerungszahl der Wahlkreise angewendet.»

Stärkstes Wachstum

Stichtag ist jeweils der 1. Januar, zwei Jahre vor den Wahlen. Zur ständigen Wohnbevölkerung gehören sowohl Schweizer Bürgerinnen und Bürger als auch Ausländerinnen und Ausländer, die – mit gewissen Ausnahmen – mehr als ein Jahr in der Schweiz leben. «Die ständige Wohnbevölkerung ist in allen Wahlkreisen gewachsen», sagt Thomas Oegerli von der kantonalen Fachstelle für Statistik, «doch proportional hat sie im Sarganserland am meisten zugenommen.» Die Einwohnerzahl in den Gemeinden Bad Ragaz, Flums, Mels, Pfäfers, Quarten, Sargans, Vilters-Wangs und Walenstadt ist um 2252 Personen gewachsen.

Mehr Toggenburger

Ein Wachstum gab es auch im Toggenburg, in jenem Kreis, der vor den Wahlen 2012 noch einen Sitz hatte abgeben müssen. Damals war die Einwohnerzahl gesunken. Vergleicht man die heutige ständige Wohnbevölkerung mit dem Stichtag 1. Januar 2010, so sind wieder 386 neue Einwohner hinzugekommen.

Garantierte Vertretung

Es ist nicht möglich, dass einer der Wahlkreise so wenige Einwohner hat, dass er gar nicht im Kantonsrat vertreten ist. Die Bundesverfassung gewährleistet eine politische Gleichberechtigung. «Es sollte sogar jeder abgegebenen Stimme in etwa das gleiche Gewicht in Bezug auf die Zusammensetzung des Kantonsrates zukommen», sagt Marisa Hämmerle. Würde ein Kreis kontinuierlich Einwohner verlieren, müssten die Wahlkreise angepasst werden, bevor der Kreis seinen letzten Sitz verloren hat.

Zu guter Letzt noch eine Zahlenspielerei: Würde dem Wahlkreis St. Gallen dieser Sitz mit den Wahlergebnissen von 2012 entzogen, so hätte die EVP wohl ihren einzigen Wahlkreissitz verloren. Die Sitzverteilung erfolgt zunächst nach den proportionalen Stimmanteilen der Listen und Listenverbindungen. Jeder Sitz, der danach noch nicht vergeben ist, geht an die Liste oder Listenverbindung, die den höchsten Quotienten der Stimmenzahl erreicht. Diese Verteilung wird so oft gemacht, bis der letzte Sitz vergeben ist. 2012 ging dieser dreissigste Sitz im Wahlkreis in der vierten Verteilung an EVP-Kantonsrat Jascha Müller.

Aktuelle Nachrichten