Interview
«Ich verurteile Gewalt aufs Schärfste»: Die St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa spricht nach den erneuten Ausschreitungen in der Innenstadt Klartext

Die Polizei habe keine Schuld an den Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus: Stadtpräsidentin Maria Pappa über die Krawallnacht, in der Steine und Molotowcocktails gegen Polizisten geworfen wurden.

Daniel Wirth
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Maria Pappa am Samstagnachmittag der Medienorientierung.

Maria Pappa am Samstagnachmittag der Medienorientierung.

Bild: Ralph Ribi

Maria Pappa, haben Sie am Abend des Karfreitags erneut mit Ausschreitungen und Gewaltausübung der Jugendlichen gerechnet?

Ich habe es befürchtet, nachdem in Sozialen Medien dazu aufgerufen wurde.

Sie waren am Freitag in der Innenstadt und suchten den Dialog mit den Jugendlichen. Was haben Sie in diesen Gesprächen erfahren?

Ich habe etwas über ihre Motivation erfahren, dem Aufruf zu folgen. Einige sagten, sie suchten Action. Andere wollten zusammensein. Wieder andere sagten, der Polizeieinsatz vor einer Woche auf Drei Weieren, als eine illegale Party aufgelöst worden war, sei unverhältnismässig gewesen; dagegen wollten sie eine Woche später Farbe bekennen.

Haben Sie in den Gesprächen Aggressionen gespürt?

Die allermeisten waren in friedlicher Absicht in der Innenstadt und haben die Vorfälle von vergangenem Freitag verurteilt. Einige wenige waren aber geladen, dies, obschon meiner Ansicht nach weniger Alkohol im Spiel war als vor einer Woche. Es kamen junge Menschen aus der ganzen Deutschweiz in St.Gallen zusammen.

Sie sagten vor den Medien, es sei ein Zufall, dass St.Gallen im Zentrum der Chaoten stehe. Wie meinen Sie das?

Wir suchten nach der ersten Krawallen Antworten auf die Frage: Weshalb St.Gallen? Wir kamen zu keiner schlüssigen Erklärung. St.Gallen steht zufällig gerade im Fokus als Austragungsort von solchen Krawalle. Ein Beweis ist, dass Menschen aus der ganzen Deutschschweiz kommen, ohne Bezug zu unserer Stadt.

Sie stellten sich vor den Medien vor die Polizei und verurteilten Gewalt aufs Schärfste.

Ich verurteile Gewalt aufs Schärfste. Die Polizei ist nicht schuld, dass die Jungen in der Pandemie auf vieles verzichten müssen. Der Einsatz der Polizei war verhältnismässig. Gewalt gegen Polizisten dulde ich nicht. Sie machen ihre Arbeit zum Schutz der Bevölkerung.

Was raten Sie Jugendlichen, wenn nächste Woche in den Sozialen Medien zu einer weiteren Krawallnacht in St.Gallen aufgerufen würde?

Nicht daran teilnehmen. Die Jugendlichen sollten sich andere Orte für legale und coronakonforme Treffen suchen. Sichere friedliche Orte.