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GEWALT: Berufsverbot für Prügel-Lehrer?

In einer Schule im Linthgebiet hatte ein Lehrer einen Schüler mehrfach geschlagen. Das Kreisgericht ­See-Gaster hat den Mann bereits verurteilt. Nun entscheidet das Verwaltungsgericht über ein Berufsverbot.
Christine Schibschid
Schlagende Lehrer waren bis in die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein breit akzeptiertes Phänomen. (Bild: Getty)

Schlagende Lehrer waren bis in die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein breit akzeptiertes Phänomen. (Bild: Getty)

Christine Schibschid

nachrichten@ostschweiz

-am-

sonntag.ch

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Es passierte in einer Oberstufenschule im Linthgebiet: Zwischen Dezember 2014 und Februar 2015 bestrafte ein Lehrer einen Schüler mindestens siebenmal mit Schlägen. Jeweils 20 bis 25 Mal schlug der Mann mit der flachen Hand auf das Gesäss des Teenagers. Das Kreisgericht See-Gaster sprach den geständigen Mann deshalb im März 2016 des Amtsmissbrauchs und der mehrfachen Tätlichkeit schuldig. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Geschichte ist für den Lehrer aber noch nicht zu Ende: Rund drei Jahre nachdem sich die Vorfälle ereignet hatten, entscheidet nun das Verwaltungsgericht, ob gegen den Mann ein Berufsverbot verhängt wird. Der Fall wurde diese Woche in einer nicht öffentlichen Sitzung behandelt.

Lehrer wurde entlassen

Die betroffene Schule im Linthgebiet habe sich von dem Lehrer getrennt, nachdem die Taten ans Licht gekommen waren, sagt der zuständige Gemeindepräsident. Zur Frage, ob der Lehrer vom Dienst suspendiert sei, will sich Franziska Gschwend, Leiterin des Dienstes für Recht und Personal beim Bildungsdepartement St. Gallen, nicht äussern. Sie verweist auf das laufende Verfahren, erzählt aber, wie solche Fälle normalerweise ablaufen: «In der Regel wird uns gemeldet, wenn ein Lehrer nicht mehr für den Beruf geeignet sein könnte.» Der Erziehungsrat entscheide dann, ob ein Verfahren zur Erteilung eines Berufsverbots eröffnet werde. «Er entscheidet auch, ob der Lehrer für dessen Dauer suspendiert wird», so Gschwend.

Wenn jemand nicht unterrichten dürfe, werde das den Schulträgern mitgeteilt. «Auch die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren wird informiert, damit der Lehrer dort auf die schwarze Liste kommt», sagt Gschwend. Schulen könnten die Liste abfragen, bevor sie jemanden einstellten. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass der Lehrer noch im Dienst ist, zumal er inzwischen im Kanton Zürich lebt. Auch die Leiterin des dortigen Volksschulamtes, Marion Völger, sagt: «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieser Lehrer im Kanton Zürich arbeitet.» Alle Lehrpersonen müssten den Anstellungsbehörden Strafregisterauszüge vorlegen. «Im genannten Fall dürfte dieser nicht leer sein», so Völger.

Schüler hatte zunächst geschwiegen

Die Schläge waren im Februar 2015 ans Licht gekommen. Nachdem der Schüler zunächst geschwiegen hatte, erzählte er später doch seinen Eltern davon. Sie erstatteten daraufhin Anzeige.

Ihr Sohn war im Sommer 2014 in die Klasse des später schlagenden Lehrers gekommen. Innerhalb eines Semesters häufte der Jugendliche über 40 Einträge wegen disziplinarischer Vergehen an. Mit dem Nachsitzen kam er gar nicht mehr nach. Wie im Prozess vor dem Kreisgericht bekannt wurde, sagte der Lehrer deshalb in einem Zweiergespräch zu seinem Schüler: «Das Einzige, was wir noch nicht versucht haben, ist, dir den Hintern zu versohlen.» Die Reaktion des Burschen fiel überraschend aus: Schläge seien ihm lieber, als Nachmittage in der Schule zu verbringen. Also einigten sich Schüler und Lehrer darauf, weitere Regelverstösse auf diese Weise zu bestrafen. Der Lehrer schlug den Schüler mehrere Male in einem Gruppenraum neben dem Klassenzimmer. Der Schüler soll das als «schmerzhaft» empfunden haben, wie es in der Anklageschrift heisst. Vor Gericht zeigte der Lehrer Reue: «Mir ist bewusst, dass die Bestrafung in dieser Form nie hätte passieren dürfen.» Ziel der Schläge sei einzig gewesen, das Verhalten des Schülers zu verbessern.

Entscheid wohl erst im neuen Jahr

Im Strafprozess gegen den Lehrer verhängte das Kreisgericht im Jahr 2016 eine Busse von 800 Franken. Obendrauf kam eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 160 Franken. Bis das Verwaltungsgericht nun über ein Berufsverbot für den Mann entscheidet, wird es ein wenig dauern. «In der Regel wird das Urteil innert 10 bis 14 Tagen verschickt», sagt Gerichtspräsident Beda Eugster. Mit Blick auf die anstehenden Feiertage könne es jedoch gut sein, dass das Urteil erst im neuen Jahr veröffentlicht werde.

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