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GESUNDHEITSWESEN: Transparenz nur auf Anfrage

Ostschweizer Spitäler verschicken Rechnungskopien nur an Patienten, die danach verlangen. Dabei wären sie eigentlich dazu verpflichtet. Nun kritisiert die Patientenstelle Ostschweiz diese Praxis.
Michael Genova
«Ein Systemwechsel ist nicht prioritär», sagt die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann zur bestehenden Praxis beim Rechnungsversand. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

«Ein Systemwechsel ist nicht prioritär», sagt die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann zur bestehenden Praxis beim Rechnungsversand. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Michael Genova

michael.genova@ostschweiz-am-sonntag.ch

Eine Spitalrechnung bekommen die meisten Ostschweizer Patienten in ihrem Leben nie zu Gesicht. Die Abrechnungen landen in der Regel ausschliesslich bei den Krankenkassen. Dabei könnte sich ein zusätzlicher Kontrollblick der Patienten lohnen: «Jede zehnte Rechnung ist fehlerhaft», sagt der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. In einem Postulat an den Bundesrat pochte er jüngst auf die Einhaltung des Gesetzes, das festhält: «Die versicherte Person erhält eine Kopie der Rechnung.»

In der Ostschweiz erhalten Patientinnen und Patienten eine Rechnungskopie jedoch nur auf Verlangen. So handhaben es etwa alle öffentlichen Spitäler des Kantons St. Gallen, der Ausserrhoder Spitalverbund (SVAR) sowie das Innerrhoder Kantonsspital. Dies entspricht auch der Praxis öffentlicher Spitäler in den Kantonen Aargau oder Luzern.

Eine halbe Million Mehrkosten

Die Verantwortlichen begründen ihre Zurückhaltung mit dem administrativen Aufwand. Anders als Hausärzte stellen Spitäler ihre Leistungen nämlich direkt den Krankenkassen in Rechnung. Der automatische Versand einer Rechnungskopie an alle Patienten würde deshalb Mehrkosten verursachen. Rund 450000 zusätzliche Rechnungen müsste das Kantonsspital St. Gallen (KSSG) jährlich verschicken, sagt Mediensprecher Philipp Lutz. Die Kosten dafür würden sich al- leine für Porti und Papier auf über 500000 Franken belaufen. Der Ausserrhoder Spitalverbund (SVAR) müsste rund 80000 zusätzliche Kopien versenden. Mediensprecher Fred Rohrer schätzt die Kosten pro Rechnung sogar auf fünf bis zehn Franken. Nicht zu unterschätzen wäre auch der Aufwand zur Beantwortung allfälliger Rückfragen.

Ostschweizer Patienten machen allerdings nur sehr selten von ihrem Recht Gebrauch. Lediglich ein Prozent aller Patienten des KSSG wünschten eine Rechnungskopie, sagt Philipp Lutz. Gleich hoch ist der Anteil in Appenzell Ausserrhoden. Und Markus Bittmann, Direktor des Kantonalen Spitals Appenzell, spricht sogar von lediglich zehn Anfragen pro Jahr. Auch wegen der geringen Nachfrage halten die betroffenen Spitäler an ihrer Praxis fest. Im Grundsatz sei ein systematischer Versand von Rechnungskopien zwar sinnvoll, sagt Fred Rohrer. «Der Aufwand ist jedoch unverhältnismässig.»

Die bestehende Praxis, Rechnungskopien auf Verlangen zu versenden, habe sich grundsätzlich bewährt, findet die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann. Auch weil nur selten Rechnungskopien verlangt würden, sei ein Systemwechsel nicht prioritär. Dazu kommt ein weiteres Problem: Zurzeit seien Rechnungen komplex und für viele Laien nur schwer lesbar. Solange dies so bleibe, sei es fraglich, ob wirklich namhafte Kosten eingespart werden können, sagt Hanselmann. «Würden verständlichere Rechnungen jedoch dazu führen, dass die Nachfrage nach Einsicht in die Rechnung steigt, sollte die gängige Praxis überprüft werden.»

Die Patientenstelle Ostschweiz äussert zwar Verständ-nis für die Haltung der Spitäler. Aber: «Aus Sicht der Patienteninformation und Behandlungstransparenz ist diese Praxis nicht genügend», sagt Stellenleiterin Mirjam Baumgartner. Die Patientenstelle würde es deshalb bevorzugen, wenn ein Patient bereits bei Spitaleintritt mit den Behandlungsformalitäten ankreuzen könnte, ob er eine Rechnungs­kopie erhalten möchte. Anders als Nationalrat Bernhard Guhl bezweifelt die Patientenstelle Ostschweiz jedoch grundsätzlich, dass mit dem Versand von Rechnungskopien Kosten gespart ­werden könnten. «Dafür gibt es keine Evidenz», sagt Mirjam Baumgartner.

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