GESUNDHEITSWESEN: Den Ärzten platzt der Kragen

Die Ärzteschaft von Rapperswil-Jona fühlt sich vom Spital Linth übergangen: Dieses konkurrenziere sie mit einem neuen Praxisangebot. Der Spitaldirektor weist die Kritik zurück.

Conradin Knabenhans
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Die Strategie des Spitals Linth ist den Ärzten in Rapperswil-Jona ein Dorn im Auge. (Bild: Michel Canonica)

Die Strategie des Spitals Linth ist den Ärzten in Rapperswil-Jona ein Dorn im Auge. (Bild: Michel Canonica)

Conradin Knabenhans

ostschweiz@tagblatt.ch

Der Ärzteschaft von Rapperswil-Jona liegt etwas auf dem Magen. Und einmal mehr geht es um das Spital Linth. Ab dem 1. Juli betreibt das Uznacher Spital eine «Physiodependance» in Jona. Auch spezialärztliche Beratungen wären in der Praxis möglich. Die Ankündigung erfolgte mündlich. «Bis heute haben wir nichts Schriftliches erhalten», sagt Daniel Holtz, Vertreter der Rapperswil-Joner Ärzte. Dass die Ärzteschaft nun an die Öffentlichkeit gelange, hänge mit Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann zusammen. Man habe Anfang April um einen Gesprächstermin gebeten und – auch auf mehrfaches schriftliches Drängen hin – als früheste Möglichkeit den 31. Mai angeboten bekommen. «Wenn das Spital Linth seine Praxis im Sommer eröffnen will, ist das zu spät.» Eine solche Praxis ausserhalb der Mauern des Spitals sei ein No-go.

Langjährige Auseinandersetzung

Zwischen der Ärzteschaft von Rapperswil-Jona und dem Spital Linth brodelt es schon länger. Hintergrund ist die Notfallpraxis im Gebäude der neuen, privat ­betriebenen Rosenklinik in Rapperswil-Jona. Der Gründung vorausgegangen war ein Streit mit dem Spital Linth, welches eigene Pläne für eine solche Permanence hatte. Stets betonte die Ärzteschaft, sie fühle sich vom Spital übergangen. Das Spital wiederum konterte, man plane keinen ­Alleingang, sondern wolle den hausärztlichen Notfalldienst in die Permanence integrieren und mit den Ärzten zusammenarbeiten. Die Pläne schei­terten. Danach wurde der für Januar 2015 geplante Start um ein Jahr verschoben, weil die Kosten für eine provisorische Eröffnung in einem Joner Medizinzentrum zu hoch waren. Im April 2016 wurde die Permanence zusammen mit dem Spital Linth eröffnet. Doch wenige Monate nach dem Start der Praxis kündigte das Spital den Vertrag mit der Ärzteschaft. Die Gründe blieben im Dunkeln. Nun äussert sich Spitaldirektor Urs Graf erstmals: «Die finanzielle Belastung für das Spital wurde zu gross.» Der Businessplan sei bei weitem nicht erreicht worden. «Eine weitere Zusammenarbeit wäre von unserer Seite durchaus gewünscht gewesen, aber nur unter gleichberechtigten Partnern.» Die Ärzteschaft sagt, das Spital habe nach der Kündigung unerfüllbare Bedingungen an eine weitere Zusammenarbeit gestellt: «Insbesondere ging es darum, dass die Notfallpraxis der Ärzteschaft Rap­perswil-Jona nicht zur Filiale des Spitals wird. Solches wäre weder im Interesse der Patienten noch des Steuerzahlers.» Die Kündigung hat Folgen: Bis anhin waren werktags von 17 bis 22 Uhr Kaderärzte des Spitals Linth in der Permanence anwesend. Mit dem gekündigten Vertrag fällt diese Unterstützung weg, die Ärzteschaft kompensiert dies temporär mit eigenen Kräften. Eine Dauerlösung ist das ­ aber nicht: «Wir sind in guten Verhandlungen mit anderen Partnern», sagt Holtz dazu. Weitere Details will er nicht bekannt ­geben.

«Von der Kooperation zur Konfrontation»

In die aktuelle Geschäftsleitung des Spitals Linth habe die Ärzteschaft von Rapperswil-Jona kein Vertrauen mehr, sagt Daniel Holtz. «Wir sind erschüttert.» Hintergangen fühle man sich, weil das Spital Linth den Vertrag mit der Notfallpraxis ohne Vorankündigung aus heiterem Himmel gekündigt habe. Erst nach «sicher bereits seit Monaten laufenden Planungs- und Vorbereitungsarbeiten betreffend die Praxis in Rapperswil-Jona» habe man die Ärzteschaft vor Ort darüber orientiert und vor vollendete Tatsachen gestellt. «Ich bin überzeugt, dass das Spital Linth aufgrund des aufgekündigten Vertrags mit der Notfallpraxis einen Strategiewechsel bezüglich des Wirkens im Raum Rapperswil-Jona vorgenommen hat», sagt Holtz. «Nämlich von Kooperation zu Konfrontation.» Holtz bezweifelt, dass zwischen der Aufkündigung der Zusammenarbeit in der Permanence und den spitalexternen Praxen in Rapperswil-Jona kein Zusammenhang besteht.

Hier winkt Spitaldirektor Urs Graf ab: Aus Platzgründen habe das Spital während der Umbauphase zusätzliche Räumlichkeiten, insbesondere für die Physiotherapie, anmieten müssen. «Wir haben uns entschieden, dies dort zu tun, wo der grösste Teil der Bevölkerung ist, nämlich in Rapperswil-Jona.» Nebst dem physiotherapeutischen Angebot könne es durchaus sein, dass die Räumlichkeiten punktuell auch für gewisse spezialärztliche Sprechstunden genutzt würden. «Diese konkurrenzieren die Ärzteschaft Rapperswil-Jona aber nicht.»

Die Ärzteschaft dürfte mit dieser Antwort nicht zufrieden sein. Sie verlangt von Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, «alle Karten zu den vom Staat finanzierten Spitalpraxen in Rapperswil-Jona auf den Tisch zu legen und das Projekt sofort zu stoppen».

Hanselmann: «Entscheid liegt bei den Spitälern»

Doch Heidi Hanselmann teilt auf Anfrage mit: «Der unternehmerische Entscheid, ob eine Praxis eröffnet werden soll, liegt bei den Spitalunternehmen.» Darauf könne das Departement keinen Einfluss nehmen. Gemäss dem Entscheid des Kantonsrats dürfe die Vorsteherin oder der Vorsteher des Gesundheitsdepartements seit Juni 2016 nicht mehr im Spitalverwaltungsrat vertreten sein, politische und unternehmerische Ebene seien klar getrennt. Punkto Finanzierung gälten für private und öffentliche Spitäler gleich lange Spiesse: «Der Kanton zahlt an jede stationäre Behandlung 55 Prozent.» Das Gesundheitsdepartement könnte die Eröffnung einer Praxis nur dann verbieten, wenn gesundheitsrechtliche Bestimmungen verletzt wären.

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