GESUNDHEIT: Nur Bündner sind fitter

Junge Innerrhoder sind körperlich leistungsfähiger als St. Galler und Thurgauer, die Ausserrhoder gehören schweizweit zu den Besten. Das zeigt der Fitnesstest der Armee.

Andri Rostetter
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Der grösste Schweizer Fitnesstest: Stellungspflichtige bei der Aushebung. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Rüti ZH, 5. August 2013))

Der grösste Schweizer Fitnesstest: Stellungspflichtige bei der Aushebung. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Rüti ZH, 5. August 2013))

Andri Rostetter

andri.rostetter@tagblatt.ch

Für Datensammler ist die Aushebung der Armee ein Fundgrube. Anhand der Resultate des Fitnesstests lässt sich die körper­liche Leistungsfähigkeit der Schweizer Jugend über Jahre beobachten. Interessante Vergleiche sind auch zwischen den Kantonen möglich. So zeigt sich etwa, dass die Stellungspflichtigen aus Basel-Stadt seit mehreren Jahren deutlich schlechter abschneiden als jene der übrigen Schweiz. Oder dass die Bündner regelmässig obenaus schwingen. Die Ostschweizer bewegen sich meist im Mittelfeld, jeweils mit leichtem Vorteil für die beiden Appen­zeller Kantone. 2016 haben die männlichen Stellungspflichtigen des Kantons St. Gallen im Fitnesstest durchschnittlich 70,1 Punkte geholt. Das ist mehr als die Thurgauer (69,4), aber weniger als die Innerrhoder (71,3) und die Ausserrhoder (72,1). Die Ausserrhoder zählen nicht nur innerhalb der Ostschweiz zu den Besten, auch schweizweit gehören sie zur Spitze; 2016 erzielten nur die Bündner mit 72,3 Punkten ein minim besseres Resultat. In den Vorjahren schnitten jeweils die Zuger am besten ab.

Im landesweiten Vergleich können sich die Ostschweizer durchaus sehen lassen. 2016 lagen einzig die Thurgauer leicht unter dem gesamtschweizerischen Schnitt von 69,7 Punkten, die anderen drei Ostschweizer Kantone übertrafen diesen Wert. In den beiden Vorjahren lagen ­jeweils die St. Galler leicht darunter, während die Thurgauer Spitzenergebnisse erzielten. 2014 und 2015 mussten sich die Thurgauer Stellungspflichtigen nur gerade von den Zugern geschlagen geben.

Das Klischee der kleinen Innerrhoder

Die Daten der Aushebung lassen zwar keine direkten Rückschlüsse auf die Gesundheit zu, liefern aber immerhin ein paar Eckwerte wie etwa den Body-Mass-Index. Die Werte unterscheiden sich allerdings nur sehr schwach, Vergleiche sind hier kaum möglich. Auch was Körpergrösse und Gewicht angeht, wirken die Daten eher zufällig. Ein Beispiel: Die Innerrhoder waren bei den Aushebungen von 2016 und 2015 kleiner als ihre Altersgenossen der übrigen Schweiz. Das Klischee vom kleinwüchsigen Appenzeller bestätigt sich aber nicht. Erstens kommen die stellungspflichtigen Innerrhoder auf eine durchschnittliche Körpergrösse von 177,2 cm; der gesamtschweizerische Schnitt liegt mit 178,4 cm nur unwesentlich höher. Zweitens lagen die Innerrhoder in anderen Jahren punkto Körpergrösse zwar ebenfalls unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt, aber dennoch vor mehreren anderen Kantonen.

Was bei den Vergleichen ebenfalls berücksichtigt werden muss: Die Zahl der Stellungspflichtigen unterscheidet sich von Kanton zu Kanton stark. Während 2016 in Zürich über 5500 junge Männer den Fitnesstest absolvierten, waren es in Innerrhoden gerade mal 103. In Ausserrhoden waren es mit 295 immerhin knapp dreimal so viele, aber immer noch deutlich weniger als in St. Gallen (1887) und Thurgau (1324). Die Daten sind aber besser vergleichbar als auch schon, da 2016 weniger Stellungspflichtige vom Fitnesstest dispensiert wurden als in den Vorjahren.

Frauen werden in der Erhebung übrigens nicht berücksichtigt, weil es zu wenig Daten für aussagekräftige Vergleiche gibt: Unter den rund 39900 Stellungspflichtigen im Jahr 2016 waren nur gerade 258 Frauen.