Gesucht: Die schönste Hecke im Kanton St.Gallen

Zum ersten Mal findet im Kanton St.Gallen eine Heckenmeisterschaft
statt. Bei dem Naturwettbewerb dreht sich viel um Umweltschutz und Ökologie – aber nicht nur.

Rosa Schmitz
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Die Hecken durften nur aus einheimischen Strauch- und Baumarten bestehen. (Martin Arnold)

Die Hecken durften nur aus einheimischen Strauch- und Baumarten bestehen. (Martin Arnold)

Eine Heckenmeisterschaft? Das mag merkwürdig klingen. Für Alfred Brülisauer ergibt das durchaus Sinn. Der Naturwissenschaftler sitzt seit 2014 im Vorstand der WWF St. Gallen und kennt sich mit Hecken aus. «Landwirte, die Hecken pflanzen und pflegen, leisten einen wichtigen Beitrag. Sie tragen mit ihrer Arbeit zu Erhalt und Förderung der Naturvielfalt bei und werten unsere Landwirtschaft auf», erklärt Brülisauer. Zum ersten Mal haben nun der St. Galler Bauernverband, Pro Natura, WWF, das Landwirtschaftliche Zentrum und das Kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei im nördlichen Teil des Kantons St. Gallen die schönste Hecke gesucht. Für das kommende Jahr ist eine Meisterschaft im südlichen Kantonsteil geplant.

Schutz vor Klimaextremen

50 Hecken sind im Rennen um die Auszeichnung, die sechs besten wurden nun ausgewählt. Der Sieger wird im August bekanntgegeben. Die Anwärter auf den Hauptpreis wachsen unter anderem auf dem Gutsbetrieb des Schloss Watt in Mörschwil oder an der Zelgstrasse in Staad.

Hecken, Feldgehölz und Wiesen sind laut Brülisauer wichtige ökologische Elemente. Damit lassen sich ganze Landschaften gestalten. «Sie bremsen den Wind ab, mildern die Extreme des Lokalklimas und verhindern Erosion. Zudem dienen sie der Vernetzung von Lebensräumen.» Hecken böten auf kleinstem Raum unterschiedliche Lebensbedingungen und seien damit für viele Tier- und Pflanzenarten ein idealer Lebensraum, so der Experte. Verschiedene Nützlinge würden deshalb einen guten Teil ihres Lebens in Hecken verbringen. Zudem dienten sie als Bienenweiden. Die Heckenmeisterschaft sei auch für die Landwirtschaft ein Imagegewinn. Viele hätten vor allem negative Bilder im Kopf, wenn es um die Landwirtschaft gehe: Monokulturen, stark bearbeitete Äcker, ausgeholzte Wälder, Pestizide.

«Mit der Durchführung der Heckenmeisterschaft wird die Leistung der Landwirtschaft zu Gunsten von Ökologie und Landschaftsbild anerkannt», sagt Brülisauer. «Das motiviert sie wiederum.» Ziel sei, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie bewusste Gestaltung und sorgfältige Pflege der Umwelt zugutekommen, sagt Brülisauer. Die Teilnehmer der Heckenmeisterschaft mussten mehrere Bedingungen erfüllen: Die Hecke muss mindestens 25 Meter Länge und zwei Meter Breite aufweisen. Zudem muss sie im Minimum über einen drei Meter breiten Krautsaum – das Kleingewächs links und rechts der Hecke – verfügen. Und die Hecke darf nur aus einheimischen Strauch- und Baumarten bestehen.

Ausserdem darf sie nicht zu einem Waldareal gehören, sondern muss auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche stehen. Pro Betrieb können maximal drei Hecken angemeldet werden.

Ein zweistündiger Flug über das Heckenland

Alfred Brülisauer und ein von ihm geleitetes Expertenteam haben alle angemeldeten Hecken in den vergangenen Wochen besucht. Die Hecken wurden nach einem Punktesystem bewertet, das sechs Kriterien berücksichtigte: Pflanzenvielfalt, seltene Arten, Sträuchervielfalt, Strukturvielfalt, Lage und Grösse. Seit Ende Mai stehen die sechs Finalisten fest.

Die Sieger werden am 24. August an einem Fest in Gossau gekürt. Dort werden auch die Preise verliehen: Alle Teilnehmenden erhalten eine Feldtafel, mit der sie ihre Flächen kennzeichnen können. Und die drei besten Heckenmeister sind zu einer zweistündigen Fahrt in einem Heissluftballon eingeladen, inklusive Begleitung. So sehen sie nicht nur die Ostschweiz von oben, sondern mit etwas Glück auch die eigene Hecke.