Raiffeisen-Affäre
«Wichtig, dass der HSG kein weiterer Reputationsschaden entsteht»: Gespräche mit Professor Rüegg-Stürm sind angelaufen

Die St.Galler Regierung nimmt die Vorwürfe gegenüber dem ehemaligen Raiffeisen-Präsidenten ernst – schreibt sie auf dringliche Fragen der SP.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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HSG-Professor war bis März 2018 auch Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz.

HSG-Professor war bis März 2018 auch Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz.

Der Reputationsschaden der HSG sei bereits enorm – und er werde sich wohl weiter vergrössern. Das schreibt die SP in einer Interpellation, die am Dienstag im St.Galler Kantonsrat für dringlich erklärt wurde.

Wie diese Zeitung berichtete, sind im Vorfeld der Strafuntersuchung gegen den ehemaligen Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz Details über die Tätigkeit des damaligen Verwaltungspräsidenten Johannes Rüegg-Stürm bekannt geworden, der an der HSG gute Unternehmensführung lehrt. Rüegg-Stürm soll etwa fragliche Spesen Vincenz’ zum Besuch von Rotlichtetablissements abgenickt haben. Die SP wollte von der Regierung wissen, wie sie den Reputationsschaden für die HSG in dieser Angelegenheit einschätze, wann die notwendigen Gespräche stattfinden würden – und wie die Öffentlichkeit informiert werde.

«Die Vorwürfe gegenüber Johannes Rüegg-Stürm im Zusammenhang mit seiner ehemaligen Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz basieren zum heutigen Zeitpunkt auf Medienberichten und nicht auf offiziellen Dokumenten», schreibt die Regierung in ihrer Antwort. Eine abschliessende Beurteilung sei deshalb nicht möglich. Man nehme die Vorwürfe aber ernst, und für Regierung und Universitätsführung sei es wichtig, dass der HSG kein weiterer Reputationsschaden entstehe.

Gespräche werden geführt

Gespräche zwischen Uniratspräsident Stefan Kölliker, HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller und Johannes Rüegg-Stürm seien angelaufen und würden weitergeführt. An seiner nächsten Sitzung entscheide der Universitätsrat über das weitere Vorgehen. Die Öffentlichkeit werde informiert, «sobald konsolidierte Resultate vorliegen».

Rüegg-Stürm wurde 2019 vom Universitätsrat wiedergewählt. Das Wahlverfahren sei aus Sicht der Regierung korrekt verlaufen, heisst es weiter. Rüegg-Stürm habe zu verschiedenen Fragen detailliert Stellung genommen – soweit dies in einem laufenden Strafverfahren möglich sei.

«Weiter brachte er zum Ausdruck, dass er die negativen Wirkungen, die sich im Gefolge seiner Nebentätigkeit als Verwaltungsratspräsident bei Raiffeisen Schweiz für die HSG ergeben hätten, zutiefst bedaure.»

Rüegg-Stürm war bis März 2018 Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz. In besagter Strafuntersuchung nicht angeklagt, sondern lediglich Auskunftsperson.