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Kommentar

Gescheitertes Windenergie-Projekt in Oberegg: Ein Rückschlag für die Energiewende

Auch Ausserrhoden (53,8 Prozent) und Innerrhoden (56 Prozent) stimmten Ja zur Energiestrategie 2050 des Bundes. Doch zu einem Windpark auf Kantonsgebiet kommt es nun doch nicht. Ein Kommentar zu dieser Entscheidung.
Jesko Calderara
Jesko Calderara

Jesko Calderara

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima konnte es dem Bundesrat nicht schnell genug gehen. Praktisch über Nacht beschloss er 2011 den Atomausstieg. Die Stimmberechtigten unterstützten im vergangenen Jahr diesen Weg mit dem Ja zur Energiestrategie 2050.

Zustimmung zur Vorlage gab es auch in Ausserrhoden (53,8 Prozent) und Innerrhoden (56 Prozent). Im politischen Alltag zeigt sich nun aber immer mehr, welch steinigen Weg die angestrebte Energiewende noch zu gehen hat. Jüngstes Beispiel ist der Entscheid der Standeskommission von dieser Woche. Sie möchte auf die definitive Eintragung des Standorts Honegg-Oberfeld als Windpark im Richtplan verzichten. Das Aus für die beiden geplanten Windräder beim St.Anton bedeutet einen Rückschlag für die Energiewende. Auch wenn die Schweiz kein klassisches Windland ist, könnte diese Energieform selbst im Appenzellerland einen Beitrag zu einer sauberen Energieversorgung leisten. Besonders während der Wintermonate wäre der Wind eine ideale Ergänzung zu Wasserkraft und Sonnenenergie.

Die Diskussionen rund um das Vorhaben der Appenzeller Wind AG haben gezeigt, wie stark das St.Florian-Prinzip in der Bevölkerung dominiert: Man ist selbstverständlich für die Energiewende und begrüsst entsprechende Reformen. Ist dann aber ein Projekt vor der eigenen Haustüre geplant, gibt es Widerstand. Das Killerkriterium gegen eine stärkere Nutzung der Windenergie ist das Landschaftsbild. Dass sich dieses mit Windrädern von 200 Metern Höhe verändert, ist unstrittig. Das gilt ebenso für den Bau von Strassen, Gebäude oder Hochspannungsleitungen. Letztlich haben alle Energieträger mehr oder weniger gewichtige Nachteile. Kommt aus der Steckdose Atomstrom, interessieren diese aber kaum. Wird die Energie hingegen mit Windrädern oder Solaranlagen vor Ort produziert, geraten die Nachteile ins öffentliche Bewusstsein.

Aus Gründen des Landschaftsschutzes hat sich in der Vernehmlassung auch Appenzell Ausserrhoden ablehnend zum Vorhaben im Nachbarkanton geäussert. Der Regierungsrat ging sogar noch einen Schritt weiter. Wenig zukunftsgerichtet schloss er den Bau von Grossanlagen auf Kantonsgebiet bis auf Weiteres aus. Ein solcher Kniefall vor möglichen Gegnern ist unnötig, zumal es zurzeit gar kein Projekt gibt. Eine Interessenabwägung hätte man auch dann noch vornehmen können, wenn ein solches konkret wird. Vor allem aber steht die regierungsrätliche Haltung im Widerspruch zum eigenen Energiekonzept 2017-2025. Dort wird explizit auf das Potenzial der Windenergie hingewiesen. Demnach könnte diese Energiequelle theoretisch bis zu 15 Prozent zur Ausserrhoder Stromversorgung beitragen. Nachdem nun unnötigerweise darauf verzichtet werden soll, sind mehr denn je Alternativen notwendig. Dafür in Frage kommen die Photovoltaik und – mit Abstrichen – Biomasse.

Angesichts der bisherigen Entwicklung sind die angestrebten Ausbauziele ambitioniert. So soll die Produktion aus neuen erneuerbaren Energiequellen bis 2025 auf 32 Gigawattstunden pro Jahr erhöht und damit beinahe verdoppelt werden. Machbar ist dies nur bei einer massiv stärkeren Nutzung der Sonnenenergie. Ob der Wille zur Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen vorhanden ist, scheint fraglich zu sein. Falls dies nicht der Fall ist, bleibt das Energiekonzept ein zahnloser Papiertiger.

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