Gerichtsurteil
Nach negativen Asylentscheid: Familienvater attackiert Polizisten mit Malstift

Betrunken wehrte sich ein 27-Jähriger Asylbewerber aus der Mongolei gegen eine Wegweisung. Das Landesgericht Feldkirch verurteilt ihn zu 23 Monaten Gefängnis.

Christiane Eckert
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Bis zur Unzurechnungsfähigkeit betrunken: Ein 27-jähriger Asylbewerber aus der Mongolei ist mit einem Malstift auf einen Vorarlberger Polizisten losgegangen.

Bis zur Unzurechnungsfähigkeit betrunken: Ein 27-jähriger Asylbewerber aus der Mongolei ist mit einem Malstift auf einen Vorarlberger Polizisten losgegangen.

Bild: iStockphoto

Alkohol scheint das grösste Problem des 27-jährigen Asylbewerbers aus der Mongolei zu sein, der sich vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten musste. Die Sache mit dem Asyl ist genau genommen bereits erledigt. Ein negativer Bescheid liegt vor, die Abschiebung rückt immer näher. Der zweifache Familienvater ist mit seiner Frau seit 2010 in Österreich, bleiben darf er nicht, die gesetzlichen Voraussetzungen für Asyl liegen bezüglich der Mongolei nicht vor. Er muss also gehen. Der Mann hat bereits einige Vorstrafen, immer wieder betrinkt er sich – teils bis zur Unzurechnungsfähigkeit und wird dann wieder verurteilt. Vor dem Richter in Feldkirch weint der Verurteilte, beklagt seine Situation.

Streit im trauten Heim

Anlass für das Ausrücken der Polizeibeamten war ein Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin im Sommer dieses Jahres. Der Mann wurde weggewiesen, bekam ein Betretungsverbot. Dem wollte er nicht Folge leisten. In der Feldkircher Wohnung lagen ein paar Buntstifte der Kinder herum. Er nahm sich einen und ging damit auf einen Polizisten los. Der Beamte bekam einen Schreck, denn in der Eile konnte er nicht erkennen, ob es sich um ein Messer, eine andere Waffe oder um einen Buntstift handelt. Der Richter stellt klar:

«Auch ein Bleistift kann gefährlich sein, wenn er jemanden in den Hals trifft.»

Der Beamte wurde leicht verletzt, eine Kratzwunde und eine acht Zentimeter lange oberflächliche Stichwunde waren die Folge. Weil Polizisten speziellem gesetzlichen Schutz unterstehen, gilt dies jedoch als schwere Körperverletzung. Zusätzlich muss sich der Mann wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt verantworten.

Beratung ohne Erfolg

Der Mann war von Januar bis Mai in einer Gewaltberatung, doch offenbar ohne Erfolg. Die Berichte zeigen, dass er psychisch angeschlagen und mit der Situation überfordert ist. Er hat inzwischen gut Deutsch gelernt, dass er sich falsch verhalten hat, sieht er ein. Der Richter macht ihm klar, dass auch Polizisten ihren Job machen müssen. Das versteht er. Dem Verletzten hat er einen Entschuldigungsbrief geschrieben. 300 Euro Teilschmerzensgeld muss er bezahlen. Als neue Strafe werden 15 Monate verhängt, drei und fünf Monate «Altlasten» kommen dazu, macht insgesamt 23 Monate Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Buntstifte werden als Tatwaffen vernichtet.

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