Freiheitsstrafe
Eine Verfolgungsfahrt ohne Rücksicht auf Verluste: Kantonsgericht erhöht Strafe für Verkehrsrowdy

Das Kantonsgericht St.Gallen hat die Strafe für einen Verkehrsrowdy verschärft. Er hatte auf der Autobahn A1 mit seinem Land Rover mehrere Autofahrer drangsaliert. Nun muss er für zwei Jahre in Haft.

Claudia Schmid
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Der vorsitzende Richter bezeichnete das Verhalten des Beschuldigten auf der Autobahn als «eigentliche Amokfahrt».

Der vorsitzende Richter bezeichnete das Verhalten des Beschuldigten auf der Autobahn als «eigentliche Amokfahrt».

Bild: Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Die Anträge der Parteien hätten in dieser Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St.Gallen nicht unterschiedlicher sein können. Die Verteidigung forderte eine Busse von 800 Franken, die Staatsanwaltschaft eine Freiheitstrafe von 34 Monaten. Das Kreisgericht Wil hatte den knapp 30-jährigen Schweizer im Juli 2019 zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, wovon es neun Monate für vollziehbar erklärte und für die weiteren 15 Monate den bedingten Strafvollzug bei einer Probezeit von fünf Jahren gewährte.

Rechts überholt, abrupt gebremst

Dem Beschuldigten wurden von der Staatsanwaltschaft mehrere Straftaten vorgeworfen. Laut Anklageschrift überholte er mit seinem Land Rover auf der Autobahn A1 zwei Personenwagen rechts. Danach sei er abrupt und mit zu kleinem Abstand auf deren Spur eingebogen, sodass die Lenker stark abbremsen mussten.

Später hängte er sich offenbar an eines der beiden Autos und drangsalierte den Fahrer mit plötzlichen Spurwechseln und Abbremsmanövern. Als er auf gleicher Fahrzeughöhe war, soll er zum anderen Lenker hinübergeschaut und dabei mit einem Finger quer über den Hals gefahren haben. Gemäss Anklage liess der Beschuldigte noch immer nicht locker und fuhr dem Wagen mit einer Geschwindigkeit von rund 120 km/h mehrmals mit einem Abstand von lediglich zwei bis drei Metern ans Fahrzeugheck auf.

Nachdem er eine weitere Verkehrsteilnehmerin durch abrupten Spurwechsel, Auffahren und Ausbremsen in gleicher Weise massiv gefährdet habe, sei er wieder dem Fahrer gefolgt, den er vorher drangsaliert hatte. Dieser beabsichtigte, zur Polizei zu fahren, um den Vorfall zu melden. In einer baustellenbedingten Sackgasse habe der Beschuldigte ihn an der Weiterfahrt gehindert und ihm mit Worten und einem angetäuschten Schlag gedroht.

Richter spricht von «Amokfahrt»

In der Befragung sprach der vorsitzende Richter den Beschuldigten auf mehrere Vorstrafen an, bei denen es um verschiedene Verkehrsdelikte ging. So wurde er in früheren Jahren unter anderem verurteilt, weil er auf der Autobahn mit 170 statt der signalisierten 100 km/h gefahren war, sich trotz Führerausweisentzug ans Steuer setzte und ein Auto zum Gebrauch entwendete. 2019 baute er während einer Fahrt ohne Führerausweis in Deutschland einen Unfall. Er habe nicht gewusst, dass der Ausweisentzug auch im Ausland gelte, vermerkte der Beschuldigte dazu.

Die Fahrt auf der Autobahn, die zum aktuellen Strafverfahren führte, bezeichnete der vorsitzende Richter als «eigentliche Amokfahrt». Die meisten Vorwürfe stimmten nicht, erklärte dazu der Beschuldigte. Richtig sei, dass er zwei Fahrzeuge rechts überholt habe. Das sei aber auch alles.

Unbedingte Freiheitsstrafe ausgesprochen

Der Verteidiger bemängelte, dass die Vorwürfe an den Beschuldigten in der Anklageschrift zu wenig konkret formuliert seien. Es bestünden so viele Zweifel am Sachverhalt, dass sein Mandant lediglich wegen einfacher Verkehrsregelverletzung zu einer Busse zu verurteilen sei.

Dem widersprach der Staatsanwalt vehement. Die vielen einschlägigen Vorstrafen und das Aussageverhalten des Beschuldigten zeigten ein eindeutiges Bild. Er sei auf der Strasse eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass es auf der Autobahn keinen Unfall mit Verletzten gegeben habe.

Das Kantonsgericht St.Gallen sprach den Mann schliesslich der mehrfachen groben Verkehrsregelverletzung, der Nötigung, der Drohung und der versuchten Drohung schuldig und verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Er muss Untersuchungs- und Verfahrenskosten von über 20'000 Franken bezahlen.

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