GERICHTSFALL: Der vermummte Mann von der Haltestelle

Das Kreisgericht Mels hat einen Mann zu 36 Monaten Haft und einer Therapie verurteilt. Er hatte drei junge Frauen belästigt und kinderpornografisches Bildmaterial besessen.

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Der Verurteilte aus dem Raum Chur folgte immer dem gleichen Muster. In der Nähe von Haltestellen lauerte er seinen Opfern auf, lief ihnen nach, bis er sie einholte, packte sie von hinten und griff ihnen sodann auf das Gröbste ans Gesäss, zwischen die Beine und an die Brüste. Die jungen Frauen im Alter von 16 und 17 Jahren erlebten dabei einen Alptraum wie in einem Krimi: Es ist dunkel, ein Fremder folgt ihnen, sie laufen schneller, werden eingeholt, wehren sich, schreien und sind plötzlich alleine in der Nacht.

Der erste Fall ereignete sich im Werdenberg. Der Täter wartete rauchend an der Haltestelle Hofstatt in Salez, bis er sein Opfer sah. Die Frau war auf dem Heimweg vom Bus. Der Mann lief ihr hinterher, zog seine Kapuze und die Jacke hoch, so dass nur noch seine Augen zu sehen waren. Als er die Frau eingeholt hatte, packte er sie an den Hüften, zog sie in eine Wiese und begrapschte sie heftig. «Die Berührungen wurden immer gröber, so dass sie sich wie Schläge anfühlten», so die Anklage. In einem glücklichen Moment gelang es dem Opfer, sich zu befreien und davon zu rennen.

Beim Velounterstand auf das Opfer gewartet

Der zweite Fall ereignete sich am Bahnhof Sargans, am frühen Abend um halb sieben. Diesmal strebte das Opfer dem Velounterstand am Gleis zwei zu. Wieder lief der Täter hinterher, verhüllte sein Gesicht bis auf die Augen und holte die junge Frau ein. Dann hielt er sie so grob fest, dass sie den Bodenkontakt verlor. Nachdem er sie zwischen den Beinen befingert hatte, liess er sie unvermittelt los.

Der dritte Vorfall ereignete sich an der Haltestelle Alter Pfarrhof in Balzers in Liechtenstein. Hier stieg das Opfer kurz vor Mitternacht aus dem Bus. Sie war auf dem Heimweg. Der wiederum vermummte Täter holte die junge Frau ein und drückte ihr den Mund zu. Darauf ging sie zu Boden, wo er sie im Handgemenge heftig und unsittlich berührte. Er versuchte zudem, ihr die Hose runter zu ziehen. Der Übergriff endete, als ein aufmerksamer Nachbar erschien. Er hatte die Schreie der Frau gehört.

Beschuldigter bagatellisiert die Taten

Die Anklage forderte 36 Monate Haft, davon 12 Monate im Gefängnis vollziehbar, der Rest bedingt ausgesprochen für eine Probezeit von drei Jahren. Die Verteidigung plädierte hingegen auf lediglich 18 Monate, vollumfänglich bedingt, bei einer Probezeit von drei Jahren. Der Beschuldigte hinterliess einen reichlich ungeklärten Eindruck. So hat er die Taten zwar nicht bestritten, aber stark bagatellisiert. Gründe für sein Verhalten vermochte er keine zu nennen, Empathie schien ihm fremd. Er beteuerte zwar, dass ihm alles leid tue und es nie mehr vorkomme, blieb aber insgesamt wenig fassbar.

Erhöhte Probezeit von vier Jahren

Das Gericht fällte schliesslich einen Schuldspruch und verhängte 36 Monate Haft. Davon sind 12 Monate zu vollziehen, der Rest gilt bedingt, bei einer erhöhten Probezeit von vier Jahren. Zudem verfügte das Gericht eine ambulante Therapie. Während diese läuft, wird der Vollzug aufgeschoben.

Wenn der Mann eine neue Straftat begeht, seine Therapie abbricht oder sie nicht erfolgreich zu Ende führt, muss er umstandslos ins Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens von 29 600 Franken bleiben ebenso bei ihm hängen wie eine Geldstrafe von 3000 Franken.

Erschwerend fiel ins Gewicht, dass der Mann aus dem Raum Chur auch noch rund 30 kinderpornografische Bilder auf seinem Mobiltelefon gespeichert hatte. Darunter waren unter anderem auch drei Videos, die Oralverkehr zwischen Kindern und Erwachsenen zeigen.

Zudem hatte der Mann mehrfach Mühe, seine Strassenverkehrssteuern zu zahlen. In einem Fall hat er sie erst unter der Androhung des Einzugs seiner Kontrollschilder beglichen. In einem anderen Fall war diese Androhung wirkungslos geblieben, sodass er Schilder und Billett verlor. Sein beschlagnahmtes Mobiltelefon wird vernichtet.

Reinhold Meier

ostschweiz

@tagblatt.ch