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GERICHTSFALL: Blondes «Huscheli», besserwisserische Zöllner

Langsam wird er zum Stammgast am Kreisgericht See-Gaster, ein 49-jähriger Käser. Schon mehrfach soll er betrogen haben. Dieses Mal ging es um die Frage, was richtiger Emmentaler ist.

Für Emmental Switzerland ist die Sache wichtig genug, um einen Anwalt ins ferne Uznach zu schicken. Auch mehrere Milchproduzenten finden sich im Rathaussaal ein, konstituiert als Privatkläger. Gemeinsames Feindbild ist ein 49-jähriger Käser und Schweinemäster. Er soll «normalen» Hartlochkäse als Emmentaler verkauft haben und rund 20 Milchproduzenten Zulagen des Bundesamts für Landwirtschaft vorenthalten haben. Er ist es sich gewohnt, auf der Anklagebank zu sitzen. Erst im März war er am Kantonsgericht. Das für ihn negative Urteil zieht sein Anwalt ans Bundesgericht weiter. Was er momentan macht, ist nicht zu erfahren. Er gibt den Richtern keine Auskünfte über Vermögen, Schulden oder seine Arbeit, «wegen der Presse».

Doch etwas ist anders. Ganz am anderen Ende der Bank sitzt seine Ex-Partnerin. Für die Mutter seiner Kinder eine neue Situation. Der Staatsanwalt wirft ihr vor, als Verwaltungsrätin einer Firma ihres Ex-Partners um 2010 kriminell geworden zu sein. Ungetreue Geschäftsbesorgung und Gläubigerschädigung lauten die Delikte. «Ich habe immer nur das gemacht, was er mir gesagt hat», ist ihre Standardantwort. Beim Schlusswort entschuldigt sie sich unter Tränen bei den Geschädigten. Sie sei eine Marionette des Hauptbeschuldigten gewesen und «wie so viele» manipuliert worden.

Ihr Verteidiger spricht von einer emotionalen Abhängigkeit von einem dominanten Partner. Er wolle sie nicht nur als einfältiges blondes «Huscheli» beschreiben, meint er, tut dann aber genau das. Die Staatsanwälte nehmen ihr das nicht ab, sie habe durchaus einen aktiven Part gespielt. 27 Monate Freiheitsstrafe fordern sie, sechs Monate soll sie absitzen. Ihr Verteidiger drückt auf die Tränendrüse: Ihr kleiner Sohn würde zusammenbrechen, meint er.

Der Hauptbeschuldigte sagt wenig, vor allem, wenn es um die «Mutter meiner Kinder» geht. Dass er tonnenweise falschen Emmentaler verkauft haben soll, bestreitet er vehement. Als die Marke geschützt wurde, habe es eine Übergangsphase gegeben. Da habe er seinen Käse Emmental Lo Svizzero genannt. Später sollte er dann nur Lo Svizzero heissen. Die Italiener, wo er den Käse vor allem hinversandte, sagten dem Emmentaler sowieso Schweizer Käse. Bei einer Razzia wurden bei ihm Emmentaler-Etiketten gefunden, ja. Doch auf einem Käse sei nie eine gefunden worden. Dass die Konsumenten getäuscht wurden, verneint er. «Den Unterschied zwischen meinem Grosslochhartkäse und einem Emmentaler erkennt keiner.» Als Beispiel nennt er den Grund, warum ein Teil seines Lo Svizzero, als Emmentaler deklariert, nach Italien gesendet wurde: Ein Zöllner habe mehrmals die Zollnummer geändert, so dass der Käse als Emmentaler galt. Auf seine Beschwerde hin habe der Beamte verkündet: «Ich sage, was Emmentaler ist.»

Die Staatsanwälte sind unbeeindruckt: Acht Jahre und zehn Monate soll der Käser ins Gefängnis. Sein Verteidiger fordert dasselbe wie immer: Einen Freispruch. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Pascal Jäggi

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