KREISGERICHT
28-jähriger Schweizer muss sich wegen einer schweren Kopfverletzung nach einem Faustschlag vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten

Eine Pöbelei im Ausgang endete mit einer schweren Kopfverletzung. Der Schläger erhielt vom Kreisgericht St.Gallen eine bedingte Geldstrafe.

Claudia Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Statt einer einfachen Pöbelei endet der Zusammenstoss zweier Männer aufgrund einer gravierenden Verletzung an Schranken.

Statt einer einfachen Pöbelei endet der Zusammenstoss zweier Männer aufgrund einer gravierenden Verletzung an Schranken.

Symbolbild: Martin Ruetschi/KEY

Es hätte eine einfache Pöbelei bleiben können: Aufgrund eines Faustschlages endete eine unschöne Begegnung im Ausgang aber mit einem Verletzten. Er wurde mit einem Schädelhirntrauma ins Spital eingeliefert. Der 28-jährige Schweizer, der zum Faustschlag ausgeholt hatte, musste sich vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten.

Der Zusammenstoss der beiden Männer ereignete sich Ende September 2019 auf dem Bohl in der Stadt St.Gallen. Laut Anklageschrift war der Beschuldigte gerade mit drei Bekannten aus einem Restaurant getreten, als ein sichtlich betrunkener Mann mit gesenktem Kopf an ihm vorbeiging und ihn mit der Schulter anrempelte. Darauf folgten ein Wortgefecht und wechselseitiges Schubsen zwischen den beiden. Das spätere Opfer soll zudem in Richtung des Beschuldigten gespuckt haben.

Beim Vorbeigehen angerempelt

Als der 28-Jährige sich mit seinen Freunden Richtung Bushaltestelle entfernte, liess der stark Betrunkene nicht locker und trat wiederholt auf die Gruppe zu. Er habe zunächst einem Konflikt ausweichen wollen, sich aber immer mehr bedrängt gefühlt, erklärte der Beschuldigte an der Gerichtsverhandlung. Der Angreifer sei aufbrausend gewesen und habe auf ihn unberechenbar gewirkt. Mit dem Faustschlag habe er eine Art Notsignal geben und zeigen wollen, dass die Angriffe gegen ihn und seine Freundin nun genug seien. In seiner Erinnerung habe er aber nicht stark zugeschlagen.

Schwere Verletzungen in Kauf genommen

Mit dem Faustschlag gegen das Gesicht des Opfers habe der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen, den Mann lebensgefährlich zu verletzen, ihm ein wichtiges Organ unbrauchbar zu machen, ihn bleibend arbeitsunfähig oder gebrechlich zu machen oder ihm eine andere schwere Schädigung seines Körpers oder seiner körperlichen oder geistigen Gesundheit zuzufügen, betonte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie beantragte eine Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung, eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine Busse von 1500 Franken.

Das Opfer musste mit massiven Kopfverletzungen ins Kantonsspital St.Gallen eingeliefert werden, wo der Mann stationär behandelt wurde. Danach war er einige Tage arbeitsunfähig. Gemäss seinem Rechtsvertreter erlitt er neben einem Hämatom am linken Auge und Schürfverletzungen im Gesicht auch ein leichtes Schädelhirntrauma mit einer Blutung zwischen der inneren und der mittleren Hirnhaut. Aus dem Gehörgang trat Körperflüssigkeit aus. Zurück blieb eine mittel- bis schwergradige Innenohrschwerhörigkeit im Hochtonbereich. Knapp ein Jahr später habe das Opfer in Folge der Kopfverletzungen einen epileptischen Anfall erlitten und sei erneut für einige Zeit arbeitsunfähig gewesen.

Abwehrschlag aus Notwehr

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch von Schuld und Strafe oder im Falle eines Schuldspruches eine Verurteilung wegen Tätlichkeit. Bei diesem Vorfall handle es sich eindeutig um Notwehr, betonte er. Sein Mandant und seine Freundin hätten mehrfach versucht, vom betrunkenen Pöbler loszukommen. Dieser sei aber immer wieder auf sie zugegangen. Erst als er auf die Freundin losgegangen sei, habe der Beschuldigte zu einem einzigen Abwehrschlag ausgeholt.

Das Kreisgericht St.Gallen fällte einen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung und verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 120 Franken mit einer Probezeit von drei Jahren. Das Gericht habe in erster Linie beurteilen müssen, ob in diesem Fall Notwehr vorliege, betonte der vorsitzende Richter. Es habe die Frage bejaht, da der Betrunkene wiederholt pöbelnd auf die Gruppe zugegangen sei.

Der Beschuldigte habe sich zunächst einiges gefallen lassen, bis er schliesslich reagiert habe. Weil die Pöbeleien nicht aufgehört hätten, sei eine Reaktion durchaus gerechtfertigt gewesen. Laut dem Kreisgericht war aber der Faustschlag als Abwehrreaktion zu stark ausgefallen. Er sei der Situation nicht angemessen gewesen, weshalb ein Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung erfolge. Der Beschuldigte muss Verfahrenskosten im Umfang von rund 5000 Franken bezahlen. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Opfers wurden auf den Zivilweg verwiesen.