Gericht reduziert Strafe für illegale Räumung

ST. GALLEN. Das Kantonsgericht hat in zweiter Instanz die umstrittene Räumung einer Autowerkstatt beurteilt. Es reduzierte die Strafe gegen die Vermieterin deutlich, hielt aber am Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung fest.

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ST. GALLEN. Das Kantonsgericht hat in zweiter Instanz die umstrittene Räumung einer Autowerkstatt beurteilt. Es reduzierte die Strafe gegen die Vermieterin deutlich, hielt aber am Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung fest. Das Kantonsgericht verurteilte die Frau zu einer bedingten Geldstrafe von 4500 Franken. Vom Vorwurf der schweren Sachbeschädigung, begangen durch die Entsorgung von alten Autos, sprach es die Frau frei. Das Kreisgericht Rheintal hatte die Vermieterin noch zu einer bedingten Geldstrafe von 72 000 Franken verurteilt (Ausgabe vom 4. November).

Schrott oder wertvolle Autos?

In der Verhandlung vom Dienstag beteuerte die Frau ihre Unschuld. Sie sei überzeugt, korrekt gehandelt zu haben, sagte sie. Sie habe nur Müll und Schrott entsorgt. Zur Räumung der Werkstatt fühlte sich die Frau berechtigt, weil die Mieter die Miete nicht mehr bezahlt hätten. Die Gegenseite sah dies anders. Sie machte einen Schaden von 300 000 Franken geltend. Die Werkzeuge in der Werkstatt und die auf dem Vorplatz abgestellten alten Autos hätten sehr wohl noch einen Wert gehabt.

Im Jahr 2010 mieteten sich die Betreiber der Autowerkstatt bei der Beschuldigten ein. Ab 2012 seien die Mietzahlungen ausgeblieben, erklärte die Frau. In der Werkstatt habe sich niemand mehr blicken lassen. Mit eingeschriebenem Brief forderte sie die Mieter zur Rückgabe des Mietobjekts auf. Kurze Zeit später räumte sie mit einem Angestellten die Werkstatt.

Neue Werkstatt im Thurgau

Der Anwalt der Mieter sprach von einem «rücksichtslosen und arroganten» Vorgehen der Vermieterin. Weil sich der Schaden nur schwer beziffern lasse, habe man auf eine Schadenersatzklage verzichtet. Der Verteidiger sah dies anders: Die Vermieterin habe annehmen dürfen, dass die Mieter die Werkstatt nicht mehr wollten. Sie hätten nur Schrott zurückgelassen. Der Mechaniker habe bereits eine neue Werkstatt im Thurgau geführt. Dass bei der Räumung wertvolle Werkzeuge entsorgt worden seien, bezweifelte er. (sda)