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GERICHT: Präsentation endet mit Unfall

Bei der Vorstellung eines Kryolipolyse-Gerätes erlitt eine Kosmetikerin Verbrennungen zweiten Grades. Ein Aussendienstmitarbeiter musste sich deshalb wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten.
Claudia Schmid

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Unter Kryolipolyse versteht man laut Wikipedia «die Verminderung von Fettgewebe durch lokale Anwendung von Kälte zu kosmetischen Zwecken». Im Sommer 2016 war ein St. Galler Kosmetikgeschäft auf der Suche nach einem solchen Kryolipolyse-Gerät. Deshalb lud es eine Firma, welche entsprechende Geräte vertrieb, zu einer Präsentation ein. Ein Aussendienstmitarbeiter der Firma kam nach St. Gallen, um an einer Mitarbeiterin des Kosmetikstudios eine Präsentationsbehandlung vorzunehmen.

Laut Anklageschrift mass der Aussendienstmitarbeiter zunächst bei der Kosmetikerin den Fettanteil und platzierte anschliessend acht Kühlplatten auf ihren Oberschenkeln. Dabei soll er eine direkt auf eine Vene gelegt haben. Die Kosmetikerin habe ihn darauf aufmerksam machen müssen, dass man Kühlplatten niemals auf Venen lege.

Sie habe ihm vor der Behandlung gesagt, sie habe Angst vor Verbrennungen, erklärte die Frau an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen. Der Mann habe sie beruhigt und gesagt, es könne nichts passieren. Es sei ein neuartiges Kryolipolyse-Gerät, bei dem Verbrennungen ausgeschlossen seien. Er habe dann die Behandlungstemperatur in den ersten Minuten kontinuierlich auf minus 6 Grad Celsius eingestellt.

Nach einer Stunde Behandlung blieben an drei Stellen Verbrennungen mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern zurück. Die Haut habe sich an den Platten verklebt, erzählte die Kosmetikerin. Die Wunden seien trotz hautärztlicher Behandlung nur sehr schwer verheilt. Erst nach anderthalb Jahren verspüre sie nun keine Schmerzen mehr. Zurückgeblieben seien aber unschöne Pigmentverfärbungen.

Aussage verweigert

Ihr Rechtsvertreter beantragte für seine Mandantin eine Prozessentschädigung und eine Genugtuung nach richterlichem Ermessen. Die Verbrennungen seien nachweislich auf einen Bedienungsfehler des Gerätes durch den Aussendienstmitarbeiter zurückzuführen, argumentierte er. Er hätte das Gerät nicht unter null Grad Celsius einstellen dürfen. Der Beschuldigte habe sich über alle schulischen Anweisungen zum Gerät hinweggesetzt. Damit sei er bewusst ein hohes Risiko eingegangen. Der Aussendienstmitarbeitende verweigerte die Aussage und verwies auf die Ausführungen seines Verteidigers. Er bedauere sehr, was der Kosmetikerin passiert sei, doch habe er bei der Anwendung des Gerätes nichts falsch gemacht.

Sein Verteidiger verlangte einen Freispruch von Schuld und Strafe. Sein Mandant habe das Gerät so bedient, wie es ihm in Schulungen beigebracht worden sei. Somit habe er keinen Bedienungsfehler und keine Sorgfaltspflichtverletzung begangen. Vielmehr müsse man von einem Gerätefehler ausgehen und den Hersteller zur Verantwortung ziehen. Das Gerät sei überdies mit einem Anwendungsbereich von plus zwei bis minus zehn Grad Celsius angepriesen worden. Sein Mandant habe deshalb davon ausgehen können, dass es in diesem Temperaturbereich keine Verbrennungen geben könne.

Die Staatsanwaltschaft war an der Gerichtsverhandlung nicht anwesend. Sie hatte dem Kreisgericht eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung, eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 120 Franken und eine Busse von 500 Franken beantragt. Das Kreisgericht St. Gallen folgte hingegen der Argumentation der Verteidigung und fällte einen Freispruch. In diesem Fall sei die falsche Person für die Verbrennungen verantwortlich gemacht worden, begründete die Einzelrichterin das Urteil. Der Beschuldigte wie auch zwei seiner Kollegen hätten glaubhaft ausgeführt, sie seien in der Schulung nie darauf hingewiesen worden, dass man das Gerät nicht mit Minustemperaturen einsetzen dürfe.

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