GERICHT: Kristina V. sucht weiter

Der Prozess um Kristina V., die ihre leiblichen Eltern sucht, dauert an. Ein Arzt des Spitals Münsterlingen schliesst eine Verwechslung nach der Geburt aus.

Christiane Eckert
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Noch immer hat Kristina V. keine Gewissheit. (Bild: PD)

Noch immer hat Kristina V. keine Gewissheit. (Bild: PD)

Am Landesgericht Feldkirch ging gestern der Prozess rund um Kindesverwechslung im Fall Kristina V. in die zweite Runde. Die heute 26-jährige Schweizer Studentin will die Suche nach ihren leiblichen Eltern nicht aufgeben. Sie verklagte den Fortpflanzungs-mediziner Herbert Zech auf Herausgabe von Unterlagen. Doch dieser erschien trotz Vorladung nicht vor Gericht – unentschuldigt. «Das finde ich nicht kollegial und gegenüber dem Gericht auch sehr unhöflich», kritisierte die Richterin. «Ich werde ihm ausrichten, dass man ihn befragen will», sagte sein Verteidiger Michael Konzett knapp. Ob Zech kommt, ist ungewiss. Zwingen kann man ihn nicht.

Für die Fortpflanzungsklinik kam der Schwiegersohn des Chefs. Der Zeuge ist selbst Gynäkologe und seit 2009 in dem Ambulatorium angestellt. Doch er weiss von der Zeit rund um die Jahre 1990 und 1991 wenig. Einvernommen wird auch ein Gynäkologe, der bereits damals im Kantonsspital Münsterlingen in leitender Stellung auf der Frauenabteilung tätig war. Als Geburtshelfer habe man sich wenig da- für interessiert, dass das am zweiten April geborene Baby künstlich gezeugt wurde, sagt er. Dass die Blutgruppenkonstellation von Mutter und Tochter nicht passte, erklärte man sich damit, dass man bei Neugeborenen noch nicht eindeutig sagen konnte, welche Blutgruppe beim Kind vorliegt. Man empfahl den Österreichern, dies ein paar Wochen später nochmals zu kontrollieren. Dass Kristina nach der Geburt in Münsterlingen verwechselt wurde, schliesst der Mediziner aus: «Davor war eine Pause von zwölf Stunden und danach vergingen auch zehn Stunden, bis ein anderes Kind geboren wurde.» Der zeitliche Abstand zu «Verwechslungskindern» ist also zu gross.

Der Schwiegersohn des Institutsleiters Herbert Zech kann sich nicht vorstellen, wie es zu einer Verwechslung in der Bregenzer Einrichtung gekommen sein könnte. Die Seite der Angeklagten bestreitet, dass ihrerseits Fehler gemacht worden seien. Kristina V. berichtet jedoch in ihrer Einvernahme erneut, dass Zech ihr gegenüber eingeräumt habe, dass ihm ein Fehler unterlaufen sein müsse. Beim Brillenabnehmen im Zuge des Mikroskopierens sei eine Verwechslung der Petrischalen möglich, soll der Arzt vor zwei Jahren zu Kristina V. gesagt haben. Wie der Mediziner heute zu dieser angeblichen Aussage steht, ist ebenso offen wie die Frage, ob er das nächste Mal vor Gericht erscheinen wird. Ein neuer Verhandlungstermin für die Fortsetzung des Prozesses wurde gestern noch nicht festgelegt.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch