Gericht
Ein St.Galler Unternehmer war etwas zu sportlich unterwegs: 14 Betreibungen, zwei Verlustscheine und eine grobe Verkehrsregelverletzung

Ein Unternehmer aus der Region Werdenberg-Sarganserland ist mit seiner Firma pleitegegangen. Das ist nicht strafbar. Doch der gebürtige Deutsche hat den Konkurs bewusst verschleppt und so unnötig Schulden gegenüber Dritten produziert.

Reinhold Meier
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Der Unternehmer wurde von einem Polizisten dabei beobachtet, wie er auf der Autobahn A 13 rechts überholte.

Der Unternehmer wurde von einem Polizisten dabei beobachtet, wie er auf der Autobahn A 13 rechts überholte.

Bild: Baona / iStockphoto

Der Mittfünfziger schien insgesamt recht sportlich unterwegs, auch an Schranken. Mit der grosszügigen Gestik und ausladenden Wortwahl eines erfolgreichen Geschäftsführers erklärte er, alle Vorwürfe der Anklage seien haltlos. Die Probleme, die es aus seiner Sicht allenfalls gegeben haben mag, wischte er lässig auf die Seite und belehrte das Gericht über die Feinheiten seines Firmenkonstrukts, das er auf erfolgreichem Pfad weg vom Chemieproduzenten zum Hersteller von Naturprodukten geführt habe.

Tatsache blieb jedoch, dass fünf Mitarbeiterinnen, eine nach der anderen, Betreibungen in der Gesamthöhe von über 14'000 Franken eingeleitet haben. Hinter jeder steht ein Einzelschicksal. Gleichzeitig war der SVA in St.Gallen aufgefallen, dass Versicherungsbeiträge in Höhe von 38'000 Franken ausstanden. Diese waren den Mitarbeitenden zwar vom Lohn abgezogen, nicht aber zur SVA geleitet worden, so die Anklage. Auf die gewünschte Teilzahlung liess sich die SVA dann zwar zunächst ein, doch erfolgte die erste Rate mit zweimonatiger Verspätung, die zweite kam ebenfalls zu spät. Darauf erwirkte auch die SVA eine Betreibung. Eine Versicherung sowie Bund und Kanton machten ihrerseits Ausstände geltend, sodass schliesslich 14 Betreibungen und zwei Verlustscheine im Raum standen.

«Stets Verluste geschrieben»

In arg nachlässiger Verletzung seiner Kaufmannspflichten, so die Anklage, habe es der Mann spätestens zu diesem Zeitpunkt unterlassen, eine Zwischenbilanz zu erstellen und die Bücher ordentlich zu führen, um den Konkurs noch abzuwenden. Stattdessen habe er stets Rechtsvorschläge erhoben und die Gesellschaft schliesslich einer sogenannten Firmenbestatterin übergeben. So habe sich die Lage unnötig verschlimmert. Die Pleite sei früh absehbar gewesen, der Mann wegen Misswirtschaft zu bestrafen.

Der Beschuldigte mochte hingegen kein Fehlverhalten erkennen. Die Lohnabrechnungen habe er einem Treuhandbüro übergeben und sich darauf verlassen. «Ich konnte doch nicht jede einzelne Rechnung selbst prüfen.» Im Übrigen habe er zwei Millionen in die Firma gesteckt, teils privat, weil ihm die Bank nichts mehr gegeben habe. Das Gericht gab zu bedenken, dass seine Firma stets Verluste geschrieben habe. Das könne man so nicht sehen, meinte er, sie sei auf gutem Weg gewesen, weg von der Chemie.

AHV-Schulden bereits beglichen

Das schöne Bild bekam an Schranken jedoch Risse, als die schwierige persönliche Lage des Mannes erkennbar wurde, private Schulden und mehrere Rechtsstreitigkeiten sind offen. Er zahlt, so gut es geht, in Raten ab und hat derweil auch die AHV-Schulden beglichen. Das fiel entlastend ins Gewicht. Dumm nur, dass das Tempo im Blut auch bei einer Autofahrt auf der A 13 spürbar wurde. Weil es links nicht schnell genug voranging, überholte er rechts und wurde von einem Polizisten beobachtet. Er machte zwar geltend, ein «Schleicher» habe ihn verkehrsgefährdend behindert, sodass er mit seinem Range Rover nur schon wegen der Sicherheit rechts habe «vorbeirollen» müssen.

Doch der Polizist hatte es anders gesehen. Das Gericht gelangte denn auch zu einem umfänglichen Schuldspruch, die Verteidigung hatte in allen Punkten Freisprüche gefordert. Die Fakten und die Aussagen an Schranken belegten nach Auffassung der Kammer die vorgeworfenen Sachverhalte. Schmerzlich dürfte der nun wohl unausweichliche Fahrausweisverlust wegen der groben Verkehrsregelverletzung sein. Immerhin erfolgte keine bedingte Haftstrafe für die Misswirtschaft, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, sondern «nur» eine bedingte Geldstrafe. Nun sind die 180 Tagessätze à 100 Franken, zusammen also 18'000 Franken, nur dann fällig, wenn der Mann in den nächsten fünf Jahren erneut straffällig werden sollte.

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