GERICHT: Alkohol, Schläge und Missbrauch

Ein Mann wehrt sich am Kantonsgericht gegen den Vorwurf, die Kinder seiner Freundin missbraucht zu haben. Die Vorinstanz hatte ihn zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die Anklage beantragt die «kleine Verwahrung».

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Die Vorwürfe wiegen schwer. Die drei Kinder sagten im Untersuchungsverfahren unter anderem aus, der Freund ihrer Mutter habe sie mehrmals in den dunklen Dieseltankraum im Haus gesperrt. Die beiden Mädchen erzählten, sie seien von ihm zu sexuellen Handlungen genötigt worden. Einmal soll es unter Waffengewalt gewesen sein. Dem Buben soll er Pornos gezeigt und ihn unter Androhung von Ohrfeigen zum Onanieren gezwungen haben. Zudem warf die Anklage dem 52-jährigen Schweizer vor, er habe die drei Kinder in schwerwiegender Weise gesundheitlich geschädigt, so dass sie heute schwere psychische Probleme hätten.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland sprach den Beschuldigten im Mai 2015 der qualifizierten sexuellen Nötigung, der sexuellen Handlungen mit Kindern, der Pornografie, der Freiheitsberaubung und der schweren Körperverletzung schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Den drei Kindern sprach das Kreisgericht je eine Genugtuung von 35000 Franken, dem leiblichen Vater 15000 Franken zu. Bereits im Jahre 2010 hatte der Mann eine Strafe wegen sexueller Belästigung, Nötigung und anderer Delikte erhalten. Er sei zu Unrecht verurteilt worden, erklärte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St. Gallen. Die Vorwürfe der Kinder stimmten nicht. Weshalb alle drei lügen würden, wisse er nicht. Er vermute aber, dass sie der leibliche Vater dazu angestachelt habe.

Beweisführung stütze sich nur auf Aussagen der Kinder

Es entspreche der Wahrheit, dass er eine Zeit lang am Wochenende betrunken gewesen sei. Heute aber habe er keine Alkoholprobleme mehr. Der Verteidiger beantragte einen Freispruch von Schuld und Strafe oder aber eine Freiheitsstrafe von höchstens vier Jahren. Die Beweisführung der Vorinstanz stütze sich einzig auf die Aussagen der Kinder und diese seien keineswegs in sich schlüssig. Tatsache sei auch, dass die Mutter die Vorwürfe ihrer Kinder nicht bestätigen könne. Sein Mandant habe zwar während einiger Zeit regelmässig zu viel Alkohol getrunken und die Familie mit strenger Hand geführt, doch seien weitere Verfehlungen nicht bewiesen.

Die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe bezeichnete der Verteidiger als drakonisch hoch. Die Anschlussberufung der Anklage, welche die «kleine Verwahrung» anstrebe, sei abzuweisen. Der Beschuldigte stelle keine Gefahr für die Öffentlichkeit dar.

Die Kinder seien durch die Taten des Beschuldigten einer unbeschwerten und glücklichen Kindheit beraubt worden, erklärte die Staatsanwältin. Der Mann habe seine Opfer während sieben Jahren psychisch, physisch und sexuell misshandelt. Auch gegenüber der Kindesmutter sei er gewalttätig geworden. Aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom Beschuldigten und ihrer Alkoholsucht, habe sie wohl die Misshandlungen verdrängt. Erst als der leibliche Vater von den Behörden gehört worden sei, habe man die drei Kinder fremdplatziert.

Die Staatsanwältin ging von einem schweren Verschulden aus und beantragte eine Erhöhung der Strafe auf neun Jahre und die Anordnung einer stationären Massnahme gemäss Artikel 59 StGB. Das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen steht noch aus.