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GEMEINWOHLATLAS: HSG-Studie: Kirchen bringen wenig fürs Gemeinwohl

Zum dritten Mal hat die HSG gefragt, wer am meisten zum Gemeinwohl beiträgt. Die katholische Kirche schliesst überraschend schlecht ab.

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper 

Kaspar Enz
kaspar.enz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Bereits zum dritten Mal haben Forscher der Universität St. Gallen den Gemeinwohlatlas erstellt. Über 14000 Schweizerinnen und Schweizer wurden befragt, wie viel bekannte Organisationen ihrer Meinung nach zum Gemeinwohl beitragen. Gewinner ist in diesem Jahr die Rega, die 2015 noch den zweiten Platz belegte, hinter dem diesjährigen zweiten, der Spitex. Für Bewegung in der Spitzengruppe sorgten vor allem Neuzugänger wie die Pro Senectute, die 2015 und 2014 noch nicht bewertet worden war.

Zu den Neuzugängen gehören auch die Landeskirchen. In den vordersten Rängen sucht man sie jedoch vergeblich. Hinter Coop, aber immerhin noch vor dem Touring Club taucht auf Platz 23 die evangelische Landeskirche auf. Die katholische Kirche landet gar in der hinteren Hälfte der 106 bewerteten Organisationen, zwischen Intersport und Helsana auf Platz 67.

Beide Kirchen leisten viel

«Dieser Rang wird dem, was wir tun, nicht gerecht», sagt Sabine Rüthemann, Sprecherin des Bistums St. Gallen. Dort habe man den Gemeinwohlatlas noch nicht studiert. So könne sie nur vermuten, welches die Gründe für das schlechte Abschneiden der Kirche seien. Sie verweist aber auf eine Studie, welche die Universität Zürich kürzlich veröffentlichte: Demnach erbringen die Kirchen des Kantons Zürich Leistungen für die Allgemeinheit im Wert von rund 62 Millionen Franken in Form von sozialen und kulturellen Angeboten, aber auch in der Bildung. Im reformierten Kanton Zürich beziffert die Studie die Leistungen der evangelischen Kirche etwas höher. Aber die Resultate dürften angepasst an die Grösse der Kantone und Konfessionen auch für St. Gallen stimmen, sagt die Bistumssprecherin.

«Wir haben es wohl nicht geschafft, dass unsere Leistungen auch positiv wahrgenommen werden», sagt sie. Für den Gemeinwohlatlas bewerten die Umfrageteilnehmer die Organisationen nach vier Kriterien: Wie sie ihre Aufgabe erfüllen, ob sie zu Zusammenhalt und Lebensqualität beitragen, und ob sie moralisch handeln. So zeigt der Wert zwar die Wahrnehmung einer Organisation auf, was diese aber leisten, wird nicht betrachtet. Studienleiter Timo Meynhardt verteidigt das Vorgehen. Gemeinwohl werde da geschaffen, wo das Individuum sein Umfeld positiv erlebe. Ein wichtiger Teil davon ist das Bild in den Medien. Und die katholische Kirche biete Angriffsflächen, sagt Sabine Rüthemann. Der Umgang mit der Homosexualität oder der Frauenfrage sei heute schwierig zu vermitteln. Auch Berichte über sexuelle Übergriffe blieben nicht ohne Wirkung. «Aber im Bistum St. Gallen sind wir auf einem guten Weg», sagt sie. Trotzdem müsse man sich überlegen, wie man die positiven Leistungen der Kirche besser vermitteln könnte. Was sie allerdings freut: das gute Abschneiden der Caritas. Das Hilfswerk der katholischen Kirche kommt auf Platz 10.

Dezentraler und glaubwürdiger

Ein Problem vermutet Timo Meynhardt in der Organisationsstruktur der Katholiken: Die Hierarchie reicht bis nach Rom. Auch wenn der neue Papst auf Sympathie stosse, «was der Bischof von Chur manchmal sagt, ist dem Bild wohl nicht förderlich». Was Meynhardt bedauert. Gerade katholische Denker hätten die Vorstellung vom Gemeinwohl entscheidend geprägt. «Was ich unter Gemeinwohl verstehe, steht fast genau so im Zweiten Vatikanischen Konzil oder in Schriften des neuen Papstes.» Gerade deshalb solle sich die katholische Kirche mehr in den Diskurs um das Gemeinwohl einbringen.

Die mit erst knapp 500 Jahren noch junge Konkurrenz sei hingegen durch ihre dezentrale Organisation näher bei den Leuten. Dadurch sei es zwar schwieriger, wahrgenommen zu werden, sagt Andreas Ackermann, Sprecher der evangelisch-reformierten Kirche im Kanton St. Gallen. Aber die Konfession werde als offener wahrgenommen. «Und unsere basisdemokratische Struktur gibt uns Glaubwürdigkeit.»

Die Katholische Kirche schafft es im Gemeinwohlatlas der HSG auf Rang 67, hinter die Firma Intersport. Die evangelische Landeskirche belegt Platz 23, hinter dem Coop. Über 14'000 Leute wurden befragt, wie viel Organisationen in der Schweiz zum Gemeinwohl beitragen. (Matthias Rietschel/AP/dapd/Symbolbild)

Die Katholische Kirche schafft es im Gemeinwohlatlas der HSG auf Rang 67, hinter die Firma Intersport. Die evangelische Landeskirche belegt Platz 23, hinter dem Coop. Über 14'000 Leute wurden befragt, wie viel Organisationen in der Schweiz zum Gemeinwohl beitragen. (Matthias Rietschel/AP/dapd/Symbolbild)

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