Glosse
Gemeinden ohne Herz

«ResTZucker»: Gerade in der Krise zeigt sich, in welchen Thurgauer Gemeinden die Behörden das Herz am rechten Fleck haben.

David Angst
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David Angst.

David Angst.

Ralph Ribi

Während der Freisinnige Stadtpräsident Max Vögeli in Weinfelden die 50-Franken-Gutscheine mit der Giesskanne über seiner Stadt ausschüttet, ist sein Arboner Amtskollege Dominik Diezi, CVP, weniger karitativ eingestellt. So wehrt er sich gegen eine Verdoppelung des «Kinderbeitrages» an die Vereine. Nur wenn wirklich ein begründeter Härtefall vorliege, prüfe die Stadt Arbon eine finanzielle Unterstützung, beantwortet der Stadtrat entsprechende Anträge. Mit anderen Worten: Solange einem Verein das Wasser nicht bis zum Hals steht, wirft ihm die Stadt keinen Rettungsring zu.

Ganz harte Sitten herrschen in Aadorf. Dort haben barmherzige Einwohner bequeme Sofas und Matratzen auf der Strasse platziert, damit die Bettler wenigstens nicht auf dem Boden sitzen müssen. Aber die Gemeinde kennt kein Mitgefühl und transportiert die Möbel ab. Den Spendern teilt sie mit, nächstes Mal gefälligst eine Abfallmarke auf das Sperrgut zu kleben.

Und der Kanton? Der neue Regierungsrat Urs Martin wird froh sein, dass es den Kantonsrat Urs Martin nicht mehr gibt. Der hätte ihm vermutlich die Leviten gelesen oder zumindest eine Einfache Anfrage eingereicht: «Wie erklärt der Regierungsrat, dass der Kanton Thurgau trotz der angespannten Finanzlage 50 neue Stellen schafft? Und woher will der Regierungsrat das Geld nehmen, um diese Löhne zu bezahlen?»

Um eine Antwort wäre der Regierungsrat Urs Martin allerdings nicht verlegen gewesen: «Mit den zusätzlichen Steuereinnahmen, welche wir durch die Gutscheinaktion der Stadt Weinfelden generieren, können wir diese 50 Stellen locker finanzieren.»