Geld für Textil, Musik und Schrift

Nebst der St. Galler Stiftsbibliothek werden sich auch das Textilmuseum und das Roothuus Gonten um die Fördergelder des Bundes bewerben. Noch sei es aber zu früh, um über die Chancen der drei zu diskutieren, heisst es beim Kanton.

Marion Loher
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Handgearbeitete Spitzen im Textilmuseum St. Gallen. (Bild: Reto Martin)

Handgearbeitete Spitzen im Textilmuseum St. Gallen. (Bild: Reto Martin)

1,12 Milliarden Franken gibt es vom Bund in den nächsten fünf Jahren für die Kulturförderung im Land. Das sind 3,4 Prozent mehr als in der laufenden Periode. Die entsprechende Kulturbotschaft und die Finanzierung hat der Nationalrat Anfang Juni abgesegnet. Von den Bundesgeldern will auch die Kultur in der Ostschweiz profitieren, die bislang aussen vor geblieben war.

Zwei weitere wollen Bundesgeld

Die Gelegenheit ist günstig. Denn innerhalb der Kulturbotschaft wurde auch das Budget für die Förderung von Museen, Sammlungen und Netzwerken Dritter aufgestockt – und zwar um drei Millionen Franken. Gerade in den Bereichen Museum und Sammlung habe die Ostschweiz gute Chancen, nationale Förderbeiträge zu bekommen, sagt Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur des Kantons St. Gallen. Bereits bekannt ist, dass die St. Galler Stiftsbibliothek ein nationales Kompetenzzentrum für Kloster- und Schriftgeschichte werden möchte und sich deshalb um einen finanziellen Zustupf des Bundes bemüht (Ausgabe vom 3. Juni). Nun haben auch das Textilmuseum St. Gallen und das Roothuus Gonten bestätigt, sich für eine Aufnahme in die nationale Kulturförderung zu bewerben.

Gedächtnis der Textilindustrie

Tobias Forster präsidiert den Trägerverein des Textilmuseums. Er sieht in seinem Museum viel Potenzial, um es zu einem nationalen Kompetenzzentrum für Textilien weiterzuentwickeln. «Das Textilmuseum ist zum einen das Gedächtnis der Schweizer Textilindustrie», sagt Forster. Zum anderen sei es von grosser Bedeutung, wolle man die Schweizer Wirtschaftsgeschichte verstehen. «Fast alle Wirtschaftsbereiche sind aus der Textilbranche entstanden.» Als Beispiel nennt er die Maschinenindustrie. Die mechanischen Webstühle seien zu Beginn aus England importiert worden. «Im Laufe der Zeit wurde es zu kompliziert, jedes einzelne Ersatzteil in die Schweiz zu transportieren. Man begann, die Teile selber herzustellen.» Daraus habe sich dann die Maschinenbranche entwickelt, weiss Forster.

Heute beherbergt das Textilmuseum Sammlungen, Ausstellungen und eine Bibliothek. «Das Textilmuseum ist ein lebendiges Museum», sagt der Vereinspräsident. «Es ist nicht ausschliesslich auf die Vergangenheit ausgerichtet, sondern auch auf die Gegenwart und die Zukunft.» Das dürfte ganz im Sinne des Bundes sein. Kompetenzzentren sollen nämlich seiner Meinung nach Kulturgut sowohl erhalten als auch weiterentwickeln.

Hier fühlt sich auch das Roothuus Gonten angesprochen. Das Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik wird sich in Zusammenarbeit mit dem «Haus der Volksmusik» in Altdorf um die Bundesgelder bewerben, wie Geschäftsführerin Barbara Betschart sagt. Im Roothuus werde die Musik rund um den Säntis erforscht, gesammelt, archiviert und vermittelt. Der Bestand ist umfangreich. Über 10 000 Musikstücke sind im Archiv in Gonten untergebracht. Darunter sind gemäss Barbara Betschart nebst handgeschriebenen Noten auch alte Liederbücher und wertvolle Instrumente.

Keine Konkurrenz

Noch haben die Verantwortlichen der drei Institutionen etwas Zeit, ihre Konzepte für die Bewerbung auszuarbeiten. Die Fördergelder im Bereich Museen, Sammlungen und Netzwerke Dritter werden erst ab 2018 verteilt. Ausserdem sind die Kriterien für eine Aufnahme in die Kulturförderung noch nicht festgelegt. Ein entsprechender Katalog arbeitet der Nationale Kulturdialog derzeit aus.

Dass sich die drei Ostschweizer Institutionen gegenseitig konkurrenzieren könnten, glaubt Katrin Meier vom kantonalen Amt für Kultur nicht. «Alle drei haben in ihrem Bereich eine grosse kulturgeschichtliche Bedeutung, die weit über die Ostschweiz hinausgeht», sagt sie. Bereits heute über die Chancen der einzelnen Institutionen zu diskutieren, hält die Amtsleiterin für verfrüht: «Wir müssen zuerst einmal abwarten, wie der Bund die Kriterien definiert.» Und diese dürften frühestens im Laufe des nächsten Jahres bekannt werden.

Historische Musikinstrumente im Roothuus Gonten. (Bild: Urs Bucher)

Historische Musikinstrumente im Roothuus Gonten. (Bild: Urs Bucher)

Wertvolle Schriften in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Wertvolle Schriften in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)