Gelato und Cimbali in Appenzell

Zwei rotwangige Buben packen ihre Stempelkarte aus und stecken sie in den orangen Billett-Entwerter. Dieser steht nicht etwa auf dem Perron am Bahnhof Appenzell, sondern ein paar Minuten von ihm entfernt im «lokal», einer Gelateria und Focacceria.

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Gelato statt Käse: Rita Breu (im Bild) und Helene Fässler bringen Italianità nach Appenzell, den besten Espresso und selbstgemachte Glace. (Bilder: Seraina Manser)

Gelato statt Käse: Rita Breu (im Bild) und Helene Fässler bringen Italianità nach Appenzell, den besten Espresso und selbstgemachte Glace. (Bilder: Seraina Manser)

Gelato und Cimbali in Appenzell

Zwei rotwangige Buben packen ihre Stempelkarte aus und stecken sie in den orangen Billett-Entwerter. Dieser steht nicht etwa auf dem Perron am Bahnhof Appenzell, sondern ein paar Minuten von ihm entfernt im «lokal», einer Gelateria und Focacceria. Es ist keine normale Stempelkarte, sondern ein Gutschein für insgesamt sechs Gelati. Helene Fässler, der das «lokal» zur Hälfte gehört, fährt oft mit der Bahn. So kam ihr die brillante Idee einen Gutschein- Entwerter im Restaurant «lokal» aufzustellen.

Italianità in Appenzell

Seit zwei Jahren kann man in Appenzell hausgemachte Glace schlecken, auch im Winter. Dann werden 8, im Sommer sogar 16 Sorten angeboten. Rita Breu, die Mitinitiantin stammt aus einer Gastronomie-Familie, doch das Handwerk des Gelati-Machens, musste sie sich trotz allem später aneignen. Die Glaces stellen sie und ihre Kollegin nach eigenen Rezepten her und wenn immer möglich verwenden sie Regionalprodukte. Jeden Montag ist das Geschäft geschlossen. Dann nämlich werden in der Küche die Glaces gemixt und in aller Frische eingefroren. Doch Appenzell ist ein freundlicher Ort: Schaut montags ein Kind ins Schaufenster, zeigen sie ihm auch gern in der Küche, wie man Glace macht, aber ohne die Geheimnisse zu verraten. Zum richtigen Gefühl der Italianità fehlt nur noch eins: der Espresso. Dank einer Cimbali-Maschine entsteht ein Espresso, auf den die Barista in Napoli neidisch würden. Dazu trinke ich an diesem Morgen einen hausgemachten Eistee und wähle ein Cassis-Gelato aus der Vitrine. Helene Fässler hat italienische Wurzeln und Rita Breu italienisches Temperament. Im «lokal» gibt es wohl deshalb nebst Gelato auch Focaccia, Pasta, Suppen, Baked Potatoes und Crêpes. Zudem backen die Frauen jeden Morgen einen Kuchen.

Ein Fenster voller Kaffeetassen

Im Februar war das «lokal» geschlossen. «Wir machen Kaffeepause», lasen die Kunden. Die beiden haben in dieser Zeit gegen hundert Kaffeetassen gesammelt und sie im Schaufenster aufgehängt. Die Sommerdeko haben sie auch schon im Kopf, verraten aber nichts. Doch es lohnt sich allein der Deko wegen im Sommer auf ein Gelato – ohne Käsefondue – in Appenzell vorbeizuschauen.

Seraina Manser

«lokal»

Am Schmäuslemarkt,

9050 Appenzell

Öffnungszeiten:

Di bis Sa: 9 bis 18 Uhr,

So: 12 bis 18 Uhr

Kaffee: 3.90 Franken

Spezielles: Ticket-Entwerter

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