«Geht dorthin zurück, wo ihr herkommt»: In St.Gallen kam es zu einer Schlägerei wegen rassistischen Äusserungen – Gericht sieht von Landesverweis ab

Die beiden Beschuldigten mussten sich vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Die Anklage forderte eine Genugtuung.

Claudia Schmid
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Die Schlägerei ereignete sich im Januar 2018.

Die Schlägerei ereignete sich im Januar 2018.

Oliver Menge (Symbolbild)

Vor dem Kreisgericht St.Gallen mussten sich zwei Männer verantworten, die nach rassistischen Äusserungen gegen sie die Fäuste sprechen liessen. Vor allem für den einen Beschuldigten mit angolanischer Staatsbürgerschaft ging es um viel: die Anklage forderte eine teilbedingte Gefängnisstrafe von drei Jahren und eine Landesverweisung von acht Jahren. Sein Kollege musste mit einer Geldstrafe und einer Busse rechnen.

Zufällig im Ausgang begegnet

Die beiden Freunde, die vor Gericht standen, waren im Januar 2018 in St.Gallen im Ausgang unterwegs, als sie auf der Strasse zwei Männern begegneten. Sie hätten diese schon von weitem über Ausländer schlecht reden gehört, erzählten die beiden Beschuldigten an der Gerichtsverhandlung. Schliesslich seien sie von ihnen zuerst rassistisch beschimpft und dann mit den Worten «geht dorthin zurück, wo ihr herkommt» bedacht worden.

Der eine Beschuldigte schlug einem der Kontrahenten sofort ins Gesicht und traktierte ihn mit weiteren Schlägen. Derweil verpasste sein Freund dem anderen Mann eine Ohrfeige. Diese beiden fielen während der Rangelei zu Boden. Nachdem Zeugen die Polizei gerufen hatten, wurden die beiden Kontrahenten in Spitalpflege verbracht. Sie erstatteten Anzeige und machten Genugtuungssummen und Schadenersatz geltend.

Seit frühester Kindheit in der Schweiz

Es sei alles extrem schnell gegangen, berichteten die beiden Beschuldigten weiter. Kaum sei die Auseinandersetzung losgegangen, sei auch schon die Polizei eingetroffen. Er habe ob der rassistischen Äusserungen ganz einfach die Fassung verloren, erklärte der angolanische Staatsangehörige. Normalerweise lasse er rassistische Beschimpfungen nicht an sich heran. In jener Nacht sei aber auch Alkohol im Spiel gewesen.

Als er erfahren habe, dass er wegen der Auseinandersetzung möglichweise des Landes verwiesen werde, sei er sprachlos gewesen. Er lebe seit frühester Kindheit in der Schweiz, sei hier aufgewachsen, in die Schule gegangen und spreche Schweizerdeutsch. Sein ganzes Lebensumfeld sei hier. In Angola könne er sich keine Zukunft vorstellen.

Der zweite Beschuldigte erzählte, dass er als Kleinkind mit seiner Mutter aus Kenia in die Schweiz gekommen und von ihrem Schweizer Ehemann adoptiert worden sei. Er sei gerade erst Vater geworden und arbeite viel, um seiner Familie eine gute Zukunft zu ermöglichen. Die beiden Männer hätten von Anfang an gepöbelt und sich selbst dann noch aggressiv verhalten, als die Polizei eingetroffen sei. Die Handgreiflichkeiten seien gegenseitig erfolgt.

Auf Landesverweisung verzichtet

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilte den angolanischen Staatsangehörigen wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer bedingten Geldstrafe. Für beides gilt eine Probezeit von zwei Jahren. Von einer Landesverweisung wird abgesehen. Den Schweizer verurteilte das Gericht wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 80 Franken.

Die Genugtuungsforderungen der beiden Kontrahenten lehnte das Kreisgericht St.Gallen ab. Die Schadenersatzansprüche verwies es auf den Zivilweg.