Zugvögel
Bevor es weiter Richtung Süden geht: Derzeit sind Zehntausende von Zugvögeln am Bodensee unterwegs

Wie jedes Jahr spielt sich am Bodensee ein Naturspektakel ab: So machen hier Tausende von Zugvögeln halt, bevor ihre lange Reise über die Alpen weitergeht. Besonders im Rheindelta auf österreichischer Seite sind teils seltene Vogelarten zu sehen.

Alain Rutishauser
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Hunderte von Tauchenten im Rheindelta des Bodensees bei Vorarlberg.

Hunderte von Tauchenten im Rheindelta des Bodensees bei Vorarlberg.

Bild: Johanna Kronberger
Ein Silberreiher, aufgenommen am Bodensee auf Schweizer Seite.

Ein Silberreiher, aufgenommen am Bodensee auf Schweizer Seite.

Bild: Johanna Kronberger

Laubblätter fegen in kleinen Wirbelstürmen über Stein und Asphalt, das Blau am Himmel ist einem nebligen Grau gewichen und Shorts, Sommerkleid und Kurzarmhemden sind endgültig im Schrank verschwunden. Es ist Herbst.

Was nebst den genannten Dingen auch gewiss ist: Es versammeln sich wieder Zehntausende von Zugvögeln am Bodensee. Er ist ihr jährlicher Zwischenstopp, bevor sie ihren langen Flug über die Alpen Richtung Süden in Angriff nehmen. Vor allem im Rheindelta können sogenannte «Birdspotter» die Vögel sehr gut und leicht beobachten.

Die Tauchenten sind eine von vielen Vogelarten, die im Herbst am Bodensee vorbeiziehen.

Die Tauchenten sind eine von vielen Vogelarten, die im Herbst am Bodensee vorbeiziehen.

Bild: Johanna Kronberger
Jährlich sind Zehntausende von Zugvögeln am Bodensee zu beobachten.

Jährlich sind Zehntausende von Zugvögeln am Bodensee zu beobachten.

Bild: Johanna Kronberger

Bodensee optimal für Nahrungssuche und Fettpolster

Das Rheindelta am südöstlichen Bodenseeufer ist weit herum als Hotspot bekannt. Denn der Bodensee liegt auf der Zugroute vieler Westzieher. «Durch die naturnahen Ufer und Schlickflächen bietet er insbesondere Wasser- und Wattvögel eine Möglichkeit zur Nahrungssuche, um die Fettreserven vor dem Weiterflug noch mal aufzufüllen», sagt Johanna Kronberger von «Birdlife Vorarlberg». Sie kennt die besten Beobachtungspunkte im Rheindelta und Umgebung.

Wie viele Vögel jährlich den Bodensee passieren, ist immer unterschiedlich.

«Es gibt sogenannte Invasionsjahre, in denen sehr grosse Zahlen an bestimmten Vogelarten durchziehen.»

Kronberger erinnert sich an ein weiteres besonderes Erlebnis vor zwei Jahren. Damals zogen täglich Zehntausende von Eichelhähern beim Bodensee durch.

Es wird geschätzt, dass 2019 insgesamt rund 130'000 solcher Vögel den Bodensee passiert haben.

«Ein absoluter Rekord! Da die meisten Arten jedoch in der Nacht durchziehen, bekommt man das eigentliche Zuggeschehen gar nicht wirklich mit.»

In den vergangenen Tagen wurde ausserdem ein Seeadler gesichtet, wie Kronberger berichtet: der Traum fast aller «Birdspotter».

Zu erkennen anhand seiner farbigen Flügel: der Eichelhäher.

Zu erkennen anhand seiner farbigen Flügel: der Eichelhäher.

Bild: PD

Viele Vogelarten in vergangenen Jahren verschwunden

Über die Jahre verschwanden allerdings auch immer wieder Vogelarten vom Bodensee. «In Vorarlberg sind das beispielsweise die Uferschnepfe und als letztes vermutlich die Bekassine, von der schon seit mehreren Jahren ein Brutnachweis fehlt», sagt Kronberger. Betroffen seien vor allem Feuchtgebietsarten, die auf feuchte, störungsarme Lebensräume angewiesen seien. Ihnen habe Corona etwas in die Karten gespielt. Doch: «Bei den durchziehenden Arten ist das sehr schwierig zu sagen, da ein Grossteil ohne unser Wissen durchzieht.»

Sucht man am Bodensee seit einigen Jahren vergeblich: die Bekassine.

Sucht man am Bodensee seit einigen Jahren vergeblich: die Bekassine.

Bild: Hanspeter Schiess

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