Gegner neuer Kampfjets machen im Thurgau mobil: «Nein zu 6 Milliarden Blankocheck»

Zu teuer, klimaschädlich und für luftpolizeiliche Aufgaben ungeeignet: Thurgauer Komitee spricht sich gegen Kauf neuer Kampfflugzeuge aus.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Für das Thurgauer Nein-Komitee ist die vorgesehene Beschaffung von neuen Kampfjets falsch investiertes Geld.

Für das Thurgauer Nein-Komitee ist die vorgesehene Beschaffung von neuen Kampfjets falsch investiertes Geld.

Christof Lampart

Anlässlich einer Medienkonferenz betonte SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, dass man nichts gegen die Beschaffung neuer Armee-Kampfjets habe, wohl aber gegen die Vorlage, über welche der Souverän am 27. September an der Urne abstimmen wird. Die Schweiz sei heute vor allem durch Pandemien und Cyberwar bedroht – und nicht durch etwaige Angriffe aus der Luft, so Graf-Litscher. Alle vorgeschlagenen Kampfjets seien entweder zu gross, zu kostenintensiv oder gar nicht für luftpolizeiliche Aufgaben geeignet. «Der Rafale aus Frankreich wurde in erster Linie als Trägerflugzeug für Atombomben konzipiert. Und für was brauchen wir einen Tarnkappenjet wie den F-35? Soll der aus der Schweiz unerkannt bis Moskau oder Lissabon fliegen, um dort Bomben abzuwerfen?», fragte Graf-Litscher in die Runde.

5000 Liter Kerosin pro Flugstunde

Grünen-Nationalrat Kurt Egger erklärte, dass es keine Luxus-Kampfjets brauche, um luftpolizeiliche Aufgaben bewerkstelligen zu können. Unbegreiflicherweise seien aber kostengünstige und umweltfreundliche Alternative vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport nie geprüft worden. Weit mehr als ein Luftkrieg über Helvetiens Boden sei der Klimawandel die «unumstritten grösste Bedrohung für die Menschheit». Unter diesem Gesichtspunkt sei der Kauf von umweltschädlichen Kampfjets «höchst fragwürdig», sagte Egger, und rechnete vor: «Ein Kampfjet braucht 5000 Liter Kerosin pro Stunde – damit könnte ein normaler Personenwagen 100000 Kilometer zurücklegen, also rund 2,5-mal um die Erde fahren», so Egger.

Und was, wenn die Nato angreift?

Janik Ruch, Vorstandsmitglied der Jungen Grünen Thurgau, sieht die Notwendigkeit für teure Kampfjets aufgrund der geografischen Lage der Schweiz als nicht gegeben: «Wir sind umzingelt von Nato-Staaten und Österreich, das eng mit der Nato zusammenarbeitet. Wenn ein Land also die Schweiz angreifen wollte, so müsste es zuerst an der Nato vorbei. Und für den Fall, dass die Nato auf die Idee käme, die Schweiz anzugreifen, dann könnte die Schweiz eh nichts dagegen ausrichten, ganz egal, mit wie vielen Flugzeugen.» Lukas Binzegger, Vorstandsmitglied der Juso Thurgau, äusserte die Ansicht, dass die Armee das Geld besser einsetzen könne als für Kampfjets. Nach den jüngsten Erfahrungen in der Coronakrise sei etwa deutlich geworden, dass es an einer guten Ausbildung der Spitalsoldaten mangle.