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Ein guter Zuhörer und einer, der den Ort kennt: Das sind die Herausforderer des Romanshorner Stadtpräsidenten Bon

Der Romanshorner Stadtpräsident David H. Bon muss um seine Wiederwahl bangen: Eine Findungskommission portiert mit Turi Schallenberg und Roger Martin gleich zwei Gegenkandidaten.
Tanja von Arx, Daniel Walt
In der Kritik: Romanshorns Stadtpräsident David H. Bon. (Bild: Reto Martin)

In der Kritik: Romanshorns Stadtpräsident David H. Bon. (Bild: Reto Martin)

Der Romanshorner Stadtpräsident David H. Bon (FDP) löste Anfang 2011 Norbert Senn (CVP) im Gemeindehaus ab. Senn war nach gerade einmal vier Jahren im Amt nicht wiedergewählt worden. Nun könnte Bon nach zwei Legislaturen dasselbe Schicksal ereilen: Die Findungskommission Pro Romanshorn hat gestern mit Turi Schallenberg (SP) und Roger Martin (parteilos) gleich zwei Personen präsentiert, die für Bons Abwahl sorgen sollen.

Ein Kandidat aus Bürglen...

Turi Schallenberg. (Bild: Donato Caspari)

Turi Schallenberg. (Bild: Donato Caspari)

In einem Communiqué werden die beiden Bewerber als «bestens geeignet» beschrieben. Turi Schallenberg politisiert für seine Partei schon seit 13 Jahren im Kantonsrat – er präsidiert diesen aktuell sogar. Zur Zeit arbeitet der 53-Jährige als Amtsleiter Soziale Dienste bei der Stadt Frauenfeld.

Auf Anfrage sagt er, dass er sich beruflich neu orientieren wolle. Die eine Option sei ein Gemeindepräsidium. «Nun gibt es viele Gemeinden», sagt Schallenberg. «Aber Romanshorn hat erstens eine ideale Verwaltungsgrösse: Gute 10'000 Einwohner, und die Führungsaufgabe betrifft zirka 50 Leute.» Zweitens sehe er grosses Potenzial in Bezug auf den Ort selbst.

«Der See, die Fährverbindung und damit das Internationale – es ist eine Stadt mit regionalem Zentrumscharakter. Und das schlicht in schöner Umgebung.»

Drittens sprächen ihn die Aufgaben an: Finanzielle Herausforderungen, im Gemeinderat arbeiten, eine Gemeindeversammlung leiten. «Für mich würde es passen.»

Angesprochen auf seine Ziele sagt Schallenberg: «Meine Aufgaben muss ich bei der Bevölkerung erfragen.» Das sei denn auch Teil seines Wahlkampfes. Mit den Leuten ins Gespräch kommen – und vor allem gut zuhören, «das ist meine Stärke. Ich weiss, wer ich bin.» Er würde der Bevölkerung denn auch nie etwas versprechen, was er nicht halten könne. Als politisches Ziel erachtet er beispielsweise den Halbstundentakt der Fähre. «Die Aufgaben als Stadtpräsident erlebe ich an meinem ersten Amtstag, falls ich gewählt werde.»

Schallenberg präsidierte die Volksschulgemeinde Bürglen

Über seine Chancen sagt Schallenberg: «Ja, ich rechne mir welche aus, denn ich möchte gerne Stadtpräsident werden.» Die Zeit bis zu den Wahlen werde er nutzen, um mit den Anwohnern Antworten auf politisch relevante Fragen zu finden.

«David H. Bon kann im Gegensatz zu mir konkrete Projekte nennen. Ich muss mich erst noch einarbeiten.»

Allerdings verweist Schallenberg darauf, dass er in der Hafenstadt viel bewegen könne. «Durch meine politische Erfahrung, meine Tätigkeit auf der Verwaltung und auch von meinem Typus her.»

Schallenberg präsidierte indes mehrere Jahre die Volksschulgemeinde Bürglen. Er wohnt auch in Bürglen, ist verheiratet und zweifacher Vater. Einer Erstausbildung als Elektromonteur folgten diverse Sprachaufenthalte und das Studium an der Höheren Fachschule für Sozialarbeit in Bern und im Anschluss daran umfangreiche Weiterbildungen.

Roger Martin. (Bild: PD)

Roger Martin. (Bild: PD)

... und einer aus Salmsach

Der 50-jährige Roger Martin wohnt in Salmsach und ist Vizepräsident der dortigen Primarschule sowie Präsident der Rechnungsprüfungskommission. Das Stadtpräsidium habe ihn immer latent interessiert, heisst es auf Nachfrage. Er habe jedoch nie Handlungsbedarf gesehen, «da es in Romanshorn vor allem zu Beginn gut gelaufen ist und David H. Bon viel bewegt hat».

Ein Mitglied der Findungskommission habe ihn indes angesprochen. Und nach reiflicher Überlegung habe er sich dann zur Kandidatur entschieden.

«Ich bringe mit, was für die Hafenstadt von Nutzen sein kann.»

Als Dozent für Organisation, Leadership und Personalmanagement an der Fachhochschule St.Gallen seien die präsidialen Aufgaben sein tägliches Geschäft. Wobei er einen Aspekt besonders herausstreicht: «Wichtig sind mir gegenseitige Kommunikation – und vor allem Wertschätzung.»

Konkret angehen würde Martin folgende sogenannte Baustellen, wie er selber sagt: Erstens die Finanzen, die es im Auge zu behalten gelte.

«Man soll nur ausgeben, was man hat.»

Zweitens die Ortsplanung. Hinsichtlich des Verkehrs sei schon einiges gemacht worden, aber es «vehebet» noch nicht ganz. Man habe Konzepte angegangen beim Hubzelg, bei der Allee- und der Bahnhofstrasse, allerdings sei die jetzige Situation für die Bevölkerung noch nicht zufriedenstellend.

Drittens würde Martin die Kultur in Romanshorn fördern. «Mehr miteinander, weniger gegeneinander» lautet diesbezüglich sein Motto. Es gehe darum, sich als Stadt zu positionieren. «Etwa: Wenn ich dem Nachbarn was gebe, dann kommt es zurück. Oder: Wir sind vielleicht nicht die schönste Stadt, aber die glücklichste.» Allenfalls sei das blauäugig, sagt Martin offen. «Aber die Hafenstadt lebt von ‹u-lässen› Einwohnern. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegen würden.»

Politisch unerfahren, aber mit viel fachlichem Wissen

Auf seine Chancen angesprochen, sagt Martin:

«Ich komme aus dem Sport. Wenn ich auf dem Feld bin, dann will ich gewinnen.»

Vor 25 Jahren habe er mit seinem Bruder den Baseballclub «Submarines» gegründet. Zwar sei er politisch der Unerfahrenste. Aber er komme aus der Region: «Ich kenne die Menschen.» Fachlich betrachtet habe er denn auch den besten Rucksack. «Die Stimmbürger entscheiden, worauf sie bei der Wahl Wert legen.»

Martin ist verheiratet und ebenfalls zweifacher Vater. Vor seiner heutigen Tätigkeit absolvierte er eine Verwaltungslehre und umfangreichen Aus- und Weiterbildungen an den Fachhochschulen St.Gallen, Vorarlberg und Ostschweiz. Er ist Autor diverser Fachpublikationen.

Vom Hoffnungsträger zum Vielkritisierten

In David H. Bon hatten viele Romanshornerinnen und Romanshorner vor acht Jahren grosse Hoffnungen gesetzt: Er stand insbesondere für eine ganzheitliche Sicht auf die Stadtentwicklung anstatt isolierter Projekte ein. Unter seiner Ägide gelang es der Gemeinde bald, das frühere Güterschuppenareal in Gemeindebesitz zu bringen. Jahrelang war von der Grundeigentümerin SBB zuvor geplant worden, das Gelände an bester Lage am See zu überbauen. Auch weitere Entwicklungen im Hafenareal verliefen unter Bon positiv.

In seiner zweiten Amtszeit verstärkte sich die Kritik am FDP-Gemeindepräsidenten dann allerdings massiv. Romanshorn steht unter grossem Spardruck, und Bon sowie seiner Behörde wurde wiederholt vorgeworfen, mit zu grosser Kelle anzurichten. Immer wieder ein Thema war zudem die hohe Fluktuation von Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung unter Bon.

Ärger um Weggeld für Wandergesellen

Für Ärger sorgten teilweise auch vermeintlich kleinere Themen. Zum einen entrüsteten sich Romanshorner Bürger über den Abtransport eines historischen Brunnens. Missstimmung gab es auch, weil die Gemeinde Wandergesellen aufgrund von Sparmassnahmen kein Weggeld von 20 Franken mehr ausrichtet. In der Folge initiierten Private einen Fonds, damit Wandergesellen auch in Romanshorn wieder zu einem Beitrag kommen.

Auf die kommenden Erneuerungswahlen im Februar hin bildete sich dann eine Findungskommission. Sie besteht aus offiziellen Vertretern von SP, SVP, CVP und den Grünen. Ihr erklärtes Ziel war es, Alternativen für den vielkritisierten Gemeindepräsident David H. Bon zu finden und zu portieren – was ihr nun gelungen ist.

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