Kolumne

Gegentribüne: Der FC St.Gallen ist Musterknabe bei den Coronafällen – Grund zum Frohlocken besteht dennoch nicht

Der FC St.Gallen ist bisher von Covid-19 verschont geblieben. Offensichtlich funktionieren im Kybunpark die Schutzkonzepte. Bei nur einem Super-League-Match am Wochenende kann man aber zynisch vermuten, eine Durchseuchung wäre vielleicht die bessere Lösung.

Fredi Kurth
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Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth

Urs Jaudas

In der ersten Welle war noch Boris Babic positiv getestet worden. Da sich St.Gallens Stürmer mit einem Kreuzbandriss ausserhalb des sportlichen Betriebs bewegte, ist seine Erkrankung für die Statistik jedoch nicht relevant. Null Fälle bei St.Gallen bis dato. Aber das kann in diesen Tagen rasch ändern.

Grossveranstaltungen nicht vermittelbar

Mit der Verbannung von Zuschauern aus den Stadien bis auf ein Häufchen von 50 wurde jenes Konzept verworfen, das zumindest nach Angaben von Vereinen und Behörden, zu hundert Prozent funktioniert hatte. Im Zeichen extrem steigender Fallzahlen wäre ein Festhalten daran aber nicht mehr vermittelbar gewesen. Wenn sich weiterhin Fans in grossen Mengen in den Sportstadien getroffen hätten, hätte das auch die anderen, wichtigeren Massnahmen gefährdet. Da hätten sich viele ohne nähere Kenntnisse gesagt: «Wenn die alle dürfen, warum darf ich nicht auch…». Zum Beispiel im grossen Rahmen Hochzeit feiern.

Ein Häufchen von 50 Zuschauern wurde am Sonntagnachmittag in den Kybunpark gelassen.

Ein Häufchen von 50 Zuschauern wurde am Sonntagnachmittag in den Kybunpark gelassen.

Bild: Claudio Thoma, Freshfocus

Dennoch scheint mir etwas faul zu sein im Staate Dänemark: St.Gallen gegen Basel war das einzige von fünf Spielen ist, das stattfinden konnte, und einige andere schon in den Runden zuvor abgesagt worden. In der Champions League und Europa League hingegen sind bis jetzt sämtliche 80 Spiele lückenlos durchgepaukt worden. Dieses Missverhältnis mit dem «globalen Corona-Hotspot Schweiz» zu erklären, wäre zu einfach. Offensichtlich versetzen in den Kantonen behördlich legitimierte Schreibtischtäter ganze Mannschaften in Quarantäne, was aufgrund des schwachen, in Tests manchmal kaum erkennbaren Krankheitsbildes nicht sachgemäss ist und einer Kollektivstrafe gleichkommt.

Zu viele Fussballer werden in der Schweiz infiziert

Selbst in Ländern mit ebenfalls hohen Coronazahlen wie Frankreich, Holland oder Spanien wird das volle Programm ausgetragen, auch wenn ein oder zwei Akteure einer Mannschaft positiv getestet worden sind. Sodann wird die ganze Mannschaft samt Personal untersucht, und das Spiel findet mit jenen Leuten statt, bei denen das Virus nicht nachgewiesen werden konnte.

Trotzdem sind es hierzulande zu viele Fussballer, die sich anstecken lassen. Selbst mit der erwähnten Regelung kämen einige Teams in Personalnotstand. Wenn es im gleichen Stil weitergeht, wird die Super League vielleicht bald Herdenimmunität erlangen. Gemäss unterschiedlichen Angaben würde diese drei Monate oder drei Jahre anhalten. Dann würden aber die Musterknaben FC St.Gallen und Lausanne irgendwie im Offside stehen...

Ein typisches Coronaspiel: Der FC St.Gallen trifft auf den FC Basel

Da war also an diesem Wochenende noch diese eine Begegnung zwischen St.Gallen und Basel, die unter den gegebenen Umständen ausserhalb der beteiligten Teams eher bescheidene Beachtung gefunden haben dürfte. Es war kein Fussballfest und kein Spitzenkampf. Es war ein typisches Coronaspiel, schwierig zu erwägen, was es zu bedeuten hatte.

Basel zog sich bald einmal in die eigene Abwehr zurück und verteidigte auch nach der Pause über weite Strecken in ähnlicher Manier wie der FC Lugano bei seinem 1:0-Sieg gegen St.Gallen. Der Unterschied war, dass Basel gefährlicher konterte und noch zu Chancen und Toren kam im Gegensatz zu den Tessinern. Sie entsprangen dem Risiko, das St.Gallen in jedem Spiel eingeht. Nicht jeder Gegner nützt dann gleich beide Chancen. Beim zweiten Basler Tor war Jordi Quintillà als unfreiwilliger hinterster Mann wie schon in anderen Spielen zu langsam. Nur eine Frage: Wäre es nicht besser, wenn Quintillà und Basil Stillhart die Positionen innerhalb der Raute tauschten?

Lawrence Ati Zigi: Note Tor 4,5. Rettet mehrmals. Auch vor dem 0:1 mit starker Parade, lässt den Ball aber nach vorne abprallen.
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Leonidas Stergiou: Note 4,5. Er läuft die gegnerischen Stürmer Mal für Mal ab. Hin und wieder Abstimmungsschwierigkeiten mit Fazliji.
Basil Stillhart: Note 4,5. Sehr auffällig, aktiv und mit viel Übersicht. Was fehlt, ist die spielentscheidende Aktion.
Jordi Quintillà: Note 4. Ballsicher wie immer. Aber mit weniger Einfluss aufs Spiel als auch schon.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Kann das Offensivspiel nach seiner Einwechslung kaum prägen.
Victor Ruiz: Note 4,5. Er ist Antreiber über links, über ihn läuft sehr viel. Bälle in die Spitzen nicht immer präzis.
Lukas Görtler: Note 4,5. Willens- und zweikampfstark, mit viel Offensivdrang. Starker Assist beim 1:1. Mit Abzügen bei der Abschlussstärke.
Miro Muheim: Note 4. Viele gute Momente, so richtig spielentscheidend kann er aber nicht in die Offensive eingreifen.
Betim Fazliji: Note 3,5. Eigentlich ja eine solide Leistung – jedoch mit einem entscheidenden Fehler. Darf vor dem 1:2 den ballführenden Fabian Frei nicht so ungestüm angreifen.
Kwadwo Duah: Note 4. Starke Einzelleistung beim 1:1. Danach geht nur noch selten Gefahr von ihm aus.
Alessandro Kräuchi: Note 4. Hinten ist er wieder aufmerksamer als noch gegen Lugano. Einige gute Vorstösse, die aber wenig einbringen.
Boris Babic: Note 4. Babic hat eine starke Startviertelstunde: Wendig, mit viel Druck auf dem Ball. Dann geht die Luft aus. Lässt auf mehr hoffen.
Tim Staubli: Note - . Kommt fünf Minuten vor Schluss. Keine Bewertung.

Lawrence Ati Zigi: Note Tor 4,5. Rettet mehrmals. Auch vor dem 0:1 mit starker Parade, lässt den Ball aber nach vorne abprallen.

Erinnerungen an die erste Saison

Insgesamt hatten die Ostschweizer sogar ein Chancenplus von 7:5 (2:2) bei je drei Grosschancen auf beiden Seiten. Bei St.Gallen fehlen zurzeit Effizienz und Kaltblütigkeit – Ausnahme beim Ausgleichstreffer durch Kwadwo Duah. Wenn wegen mangelhafter Angriffsleistung die Balance nicht stimmt, dann verläuft das Geschehen immer gleich. St.Gallen liefert die Kür, der Widersacher begnügt sich mit der Pflicht und bedankt sich ab und zu – so wie Lugano und nun Basel.

Auch diese zweite Niederlage gegen wäre vermeidbar gewesen. Somit erinnert In der dritten Saison mit Zeidler/Sutter vieles eher an die erste als an die zweite Saison. Aber auch das kann sich wieder ändern.

Ein enttäuschter Lukas Goertler nach dem Abpfiff

Ein enttäuschter Lukas Goertler nach dem Abpfiff

Bild: Claudio Thoma, Freshfocus